Wegen Vernachlässigung will sie die Scheidung, soll ich um sie kämpfen?

Hallo Beatrice,
ich weiß, dass es schon einige diesbezügliche Briefe gibt, möchte Dir trotzdem meine Situation schildern.
Ich bin mit meiner Frau seit 13 Jahren verheiratet. Wir haben 3 Kinder im Alter von 12, 10 und 5 Jahren.
Vor 2 Wochen bat sie mich um eine „Trennung auf Zeit“. Nach 3 Wochen sollte ich nochmal nach Hause kommen dürfen (während meines Urlaubs). Die Trennungszeit wäre zwar zu kurz, aber man würde ja sehen und evtl noch verlängern. Aber bereits nach einer Woche, als ich sie fragte, wie es ihr geht, hat sie gemeint „gut“ und dass sie nun doch denkt, eine richtige Trennung wäre besser – sogar die Scheidung, weil sie mich nicht mehr liebt, sondern nurmehr als Freund sieht. Sie mag mich noch und will mich als Freund behalten, aber nicht mehr als Mann.
Wie es dazu kam? Ich denke, ich habe sie einfach in Sachen Liebe vernachlässigt. Immer nur genörgelt, über Kleinigkeiten (Geld z.B.). Sie hat mir oft genug gesagt, dass ich mich ändern soll, aktiver werden, mit ihr fortgehen, dass die kleinen Streitigkeiten sie aushöhlen usw. Ich habe aber nie darauf gehört, es nicht ernst genommen, gedacht, auch wenn ich bequem daheim bleibe, wird sie immer bei mir sein. Doch ich habe mich getäuscht. Nun erst sehe ich ein, dass ich nur Fehler gemacht habe. Ich habe ihre Liebe nicht als Geschenk gewürdigt, sondern für selbstverständlich erachtet. Erst jetzt sehe ich, was ich verloren habe. Und nun wäre ich auch aufrichtig bereit mich zu ändern. Ich weiß, dass ich es kann.
Das habe ich ihr auch alles detailliert in einem Brief geschrieben. Ich will sie nicht bedrängen, aber auch nicht uninteressiert wirken! Ich fürchte nämlich, das wichtigste Hindernis einer Scheidung war für sie, dass die Kinder leiden. Aber das hat sie nun geschafft, den Kindern erklärt, dass wir uns nicht mehr verstehen und es besser ist, wenn wir auseinandergehen. Ich darf die Kinder die halbe Woche weiter zu mir nehmen, sie ist auch sehr freundlich zu mir und unterstützt mich, weil ich total fertig bin.
Aber wenn ich sie bitte, sich mit der Scheidung noch Zeit zu lassen, vielleicht nochmal darüber nachzudenken, meint sie, dass wir das abschließen sollten, sie empfindet nicht mehr genug.

Wie ist die Situation einzuschätzen? Ich liebe sie noch immer sehr! Habe es aber erst jetzt richtig erkannt, wo es zu spät ist. Jetzt erst kann ich mich ändern, was sie schon so lange gefordert hat.
Habe ich noch Chancen? Soll ich einfach abwarten oder ihr irgendwie laufend zeigen, wie ich mich gebessert habe und wie ernst es mir ist? Soll ich in die Scheidung einwilligen?
Vielen Dank, Alex (38)

Sie hat sich getrennt, weil ich mich nicht um die Beziehung gekümmert habe!

Sollen wir die Scheidung durchziehen oder habe ich noch eine Chance?

Lieber Alex,
zu deinen Fragen:
„Habe ich noch Chancen?“
Schwer zu sagen. Klingt derzeit, als ob deine Frau über einen langen Zeitraum gekämpft hat (auch mit sich selbst) und nach und nach ihre Gefühle verloren hat. Sowas ist oft unwiederbringlich. Aber man weiß nie.

„Soll ich einfach abwarten oder ihr irgendwie laufend zeigen, wie ich mich gebessert habe und wie ernst es mir ist?“
Beides. Letzteres nur auf eine sehr unaufdringliche Art.
Kämpfen ist grundsätzlich besser als resignieren. Die große Frage ist nur: Bist du heute noch dem Mann ähnlich, in den sich deine Frau früher einmal verliebt hat? Oder hast du inzwischen deutlich zugenommen, bist weniger aktiv, nicht mehr so begeisterungsfähig o.?.? Und was müsstest du tun, um dem Mann von früher wieder ähnlicher zu werden?
Wenn du´ s nicht weißt, so frag sie. Und dann setze es um.

„Soll ich in die Scheidung einwilligen?“
Wenn du es nicht tust, bringst du sie nur gegen dich auf. Du hast jetzt die Chance zu zeigen, dass du deine Frau respektierst.
Und soviel ich weiß, kommt ja erst mal das Trennungsjahr, nicht? In diesem Jahr kann noch vieles passieren. Eine eingereichte Scheidung ist noch keine vollzogene Scheidung, man kann das rückgängig machen.
Viel Glück!
Beatrice Poschenrieder