Frag Beatrice

Seit ich arbeitslos bin, haben wir eine tiefe Ehekrise, droht die Trennung?

Seine Frau wünscht sich eine Familie und eine stabile Lebenssituation, doch er ist arbeitslos, hat aus Frust stark zugenommen und macht zu wenig!

Er ist arbeitslos, für beide und die Familie ist zu wenig Geld da, Ehekrise!

Hallo Beatrice…
Meine Frau und ich stecken in einer tiefen Ehekrise. Alles fing damit an, dass wir vor zwei Jahren feststellen mussten, dass wir auf normalen Weg keine Kinder bekommen können. In den letzten zwei Jahren konnten wir nur wenig über unsere Gefühle sprechen, das war ein großer Fehler.
Vor zirka drei Wochen waren wir beide nun so am Ende, dass wir miteinander sehr lange gesprochen haben. Wir haben beide sehr viel geweint und waren froh, nun endlich klar Schiff gemacht zu haben. Ich versprach an meinen Fehlern zu arbeiten und das hab ich gemacht und sie an ihren.
Sie störte z.B., dass ich an Gewicht zugelegt habe (das ist wahr, aus Frust habe ich zugenommen, ca. 15 Kilo), ich habe angefangen noch am gleichen Tag eine Diät zu beginnen. Die ich bis jetzt durchhalte. Leider wurde ich vor viereinhalb Monaten arbeitslos, da mein Vertrag nur befristet war. Sie hat ebenfalls nur einen befristeten Vertrag bis zum Jahresende, wenngleich dieser mit großer Wahrscheinlichkeit in einen unbefristeten übergeht.
Der größte Wunsch meiner Frau ist es eine Familie zu haben, einen Mann, auf den sie bauen kann und natürlich Kinder. Und das war ich in der Vergangenheit. Und deshalb sind wir auch seit 6 Jahren verheiratet.
Meine Frau, glaub ich, hat extreme Angst vor der Zukunft. Sie hat Angst davor, was ist, wenn das mit dem Kind doch nicht klappt, oder auch was ist, wenn wir eins haben und sie und ich keine Arbeit haben.
Seit der ersten großen Aussprache vor 3 Wochen sagte sie, dass sie mich noch liebt, aber ich merkte, dass das noch nicht alles war. Sie verhielt sich in diesen 3 Wochen mal liebend mal eher abweisend zu mir. Heute hab ich Sie von der Arbeit abgeholt, dann waren wir spazieren, haben geredet und da kam dann alles zutage…
Sie meinte, dass sie Gefühle für mich hat, dass es Liebe sei, aber sie nicht weiß, ob diese Liebe reicht, um diese Zeit durchzustehen. Sie wünscht sich so sehr eine harmonische Ehe mit Kindern und einem Mann, den sie bewundern kann. Ich bin ihr dann zuvorgekommen und meinte, dass ich merke, dass sie Zeit braucht, um über ihre Gefühle nachzudenken, sich bewusst zu machen, wie es weiter gehen soll…
Ich hab ihr den Vorschlag gemacht, ich ziehe für eine Zeitlang zu meinen Eltern zurück, damit sie Zeit für sich selbst hat, und hab ihr gesagt, dass ich nur zu ihr komme, wenn sie es wünscht. Nun bleibt sie in unserer Wohnung und ich gehe.
Sie hat auch zugestimmt, sobald wir räumlich getrennt sind, mit mir zu einer Eheberatung zu gehen. Das lässt mich hoffen, denn ich liebe sie sehr, das habe ich ihr durch Geschenke und Gedichte gezeigt…
Wir haben keine Schulden und haben genug Gespartes, um ein Baby durch künstliche Befruchtung zu haben, aber dann wäre das Ersparte eben weg, und das will sie nicht, weil sie meint, dass für ein Kind Rücklagen da sein müssen.

Wenn du das so liest… ist da noch was zu retten? Oder sollte ich mich damit abfinden, dass das der Anfang vom Ende ist?
Grüße, Dirk (33)

Ist diese Ehe noch zu retten? Das sagt die Paarberaterin:

Lieber Dirk,
Eheberatung ist schon mal gut, aber…
Der wichtigste Schritt ist: FINDE EINE ARBEIT!!!!!!! Verwende all deine Kraft, Zeit und Konzentration nicht auf Geschenke und Gedichte und sowas, sondern darauf! Sieh dich um, hör dich um, bewirb dich!!!
Ich meine, klar will man nicht um seines Jobs und seines Einkommens wegen geliebt werden, aber wenn deine Frau schon sagt, dass ihr grade das superwichtig ist, um mit dir in die Zukunft denken zu können und dich achten zu können, dann besteht dein wichtigster Schritt zu Rettung der Ehe darin, die Arbeitslosigkeit loszuwerden. Was ist mit Zeitarbeit? Oder einem Übergangs-Job? Mach was!!

Dass du zu deinen Eltern zurückgehst, finde ich nicht so gut. Also ich hätte ein bisschen Probleme, einen Mann zu achten, der ins elterliche Nestchen zurückgeht. In eine eigene kleine Wohnung oder zu einem Kumpel – okay. Aber zu Mama und Papa…? Mach das lieber nicht, denn für deine Frau scheint Achtung ein wichtiger Punkt zu sein, ob sie dich lieben kann oder nicht.

Du schreibst:
“Sie meinte, dass sie Gefühle für mich hat, dass es Liebe sei, aber sie nicht weiß, ob diese Liebe reicht, um diese Zeit durchzustehen. Sie wünscht sich so sehr eine harmonische Ehe mit Kindern und einem Mann, den sie bewundern kann. Ich bin ihr dann zuvorgekommen, dass ich merke, dass sie Zeit braucht, um über ihre Gefühle nachzudenken, sich bewusst zu machen, wie es weiter gehen soll…”
Dirk, sie braucht nicht Zeit oder Abstand, um sich über ihre Gefühle klarzuwerden. Was sie braucht, sagt sie doch ganz deutlich: eine Ehe mit Kindern und einem Mann, bei dem sie sich sicher fühlt.
Aber solange eure Arbeitssituation so mau aussieht, halte ich es für einen klugen Gedanken deiner Frau, kein Kind zu wollen. Und da ihr ein Baby, eine Familie auch so wichtig ist, kann ich auch in diesem Punkt wieder nur raten: Such einen Job! Das ist der Dreh-und Angelpunkt, ob ihr eine Chance habt. Und bleib weiterhin bei deiner Diät, denn auch körperliches Begehren ist wichtig, ob man noch mit jemand zusammen sein will.
Sprich: Wahrscheinlich wäre es nicht mal nötig, dass du zu deinen Eltern oder sonstwohin ziehst, denn es geht nicht um Abstand oder Zeit – sondern wie gesagt um Arbeit und die Achtung (auch Selbstachtung) und die Sicherheit, die damit verbunden sind.

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Alles Gute
Beatrice Poschenrieder

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