Nach schwerer Krankheit ist sie in Reha und will keinen Kontakt mehr zu mir

Liebe Beatrice!
Ich (29) habe eine Freundin (26) und wir haben eine 4jährige Tochter zusammen. Wir hatten uns schon einmal getrennt, weil ich damit nicht klar gekommen bin, mit 25 Papa zu werden. Wir hatten den Kontakt nie zueinander verloren, alleine schon wegen unserer Tochter. Vor anderthalb Jahren haben wir dann wieder zueinander gefunden, nachdem ich ihren Ex-Freund der Wohnung verwiesen hatte. Es war ein wunderschönes Jahr, ohne Frage, und sie gestand mir, dass sie nie aufgehört hatte mich zu lieben. Auch ich liebe die beiden ohne Ende und hatte in der Trennungszeit keine Freundin. Ich habe dann von Anfang Mai bei ihr gewohnt und in dem Jahr bat sie mich desöfteren meine Wohnung zu kündigen und ich solle zu ihr offiziell einziehen. In der Zeit war ich leider arbeitslos und die Miete für meine Wohnung wurde vom Staat übernommen. Ich hatte einfach Angst, genauso schnell auf der Straße zu sitzen wie ihr Ex-Freund. Daher habe ich den Wunsch nicht für voll genommen. Desweiteren war sie diejenige, die das Geld mit nach Hause brachte und Miete, Auto, Telefon, Strom usw. bezahlt hatte. Ich habe mich um die anderen Unkosten bemüht, sprich essen, trinken usw..

Meine Freundin ist leider chronisch krank (Morbus Chron) und hat ab und zu einen Krankheitsschub. Und damit ist keiner ihrer Ex-Freunde klargekommen. Ich hingegen versuche alles daran zu setzen, dass sie sich entspannen kann. Kümmere mich in der Zeit intensiv um unsere Tochter, damit meine Freundin Zeit für sich hat.
Anfang diesen Jahres hat sie die Arbeit gewechselt. Mehr Geld, aber auch mehr Arbeit, und das hat sie kaputt gemacht. Die Schübe wurden öfters. Sie nahm richtig viel ab, war ausgepowert. Irgendwann ging es garnicht mehr. Sie musste dann ins Krankenhaus, weil ihr Gewicht uns Sorgen machte. Dann wurde sie in ein anderes Krankenhaus verlegt, wo auch die Psyche mit behandelt werden sollte. Dort war sie dann 9 Wochen und kam nur am Wochenende heim und dies auch nur über den Tag. Und da fing es an… „Sie
Ich muss dazu sagen, ich bin kein einfacher Mensch, ich würde alles für die beiden machen, doch bin ich sehr einengend und besitzergreifend bzw eifersüchtig, obwohl sich das mittlerweile etwas gelegt hat. In der Klinik hat sie dann andere Leute kennengelernt und sie distanzierte sich von mir, die Psychologen meinten, ich würde ihr nicht gut tun und sie solle erstmal nur an sich denken. Wenn sie über das Wochenende zuhause war, war alles wie beim Alten, also schick, und wenn ich sie in der Klinik besuchen gefahren bin, hätte ich mir den Weg auch sparen können.
Dann fing es an, dass sie mir nicht mehr zurücksimste, bzw meine Anrufe ignorierte.
Eines Tages wurde ich zum Partner-Gespräch geladen, wo sie mir sagte, dass sie eine räumliche Trennung möchte, weil sie erstmal nur an sich denken müsste, sie sich wiederum aber schon denken könnte, dass ich, weil ich ein sturer Mensch bin, nicht einfach ausziehen würde. Das war sehr hart und ein Schlag ins Gesicht… Ich konnte und wollte darauf nicht antworten.
Die Ärzte hatten zu meiner Freundin gesagt, sie würde sich das alles einbilden mit den Schmerzen, und am Entlassungstag wurde zum Glück noch ein MRT gemacht, wo leider ein Tumor diagnostiziert wurde. Daraufhin wurde sie in eine andere Klinik überwiesen, wo sie nach 2 Wochen dann operiert wurde.
Nun kommt das Ausschlaggebende. Als ich im Krankenhaus anrief, wie es ihr ging, wurde mir mitgeteilt, dass die OP nicht gut verlief: dass sie einige Male zurückgeholt werden musste. Ich solle mir keine großen Hoffnungen machen, weil sie eine schwere Sepsis erlitten hatte und die Ärzte mit ihren Latein am Ende waren. Dieses Gefühl der Leere werde ich nie vergessen.
Sie lag dann 2 1/2 Wochen im künstlichen Koma und ich war jeden Tag bei ihr. Als es ihr dann von Tag zu Tag besser ging und sie langsam wahrnehmen konnte, was passiert bzw. wer da ist, ging es langsam auch für mich gefühlsmäßig bergauf.

Leider verstehe ich mich seit Anfang an nicht gut mit ihren Eltern. Ich wünschte, ich könnte dies ändern, aber das liegt nicht allein an mir. Ich habe in der Zeit alles für meine Freundin getan, alles was sie wollte. Leider haben die Eltern irgendwelche schlechte Nachrichten über mich verkündet, sodass es Tage gab, wo mich meine Freundin nicht sehen wollte bzw ich mich rechtfertigen musste. Das war ganz schön hart…
Die Eltern wurden in der Zeit gesetzliche Vertreter von meiner Freundin und haben zuerst den Kitaplatz von meiner Tochter gekündigt und danach die Wohnung. Ich wohne jetzt wieder in meiner alten Wohnung und meine Freundin bei ihren Eltern.
Sie meinte noch im Krankenhaus, dass sie erstmal zu ihren Eltern zieht, weil sie die erste Zeit noch Hilfe und jemand um sich braucht, und wenn´s ihr dann besser geht, können wir uns gerne eine gemeinsame Wohnung suchen. An diesen Satz klammere ich mich denn seit letzten Montag – nach 16 Wochen Krankenhaus ist sie zuhause und ich habe keinen Kontakt mehr zu ihr. Sie schließt mich völlig aus ihrem Leben aus. Sie meinte zu mir, ich tue ihr nicht gut und sie bräuchte erstmal Ruhe.
Am Wochenende bringe ich ihr Auto zu den Eltern und dann habe ich garnix mehr, was mich mit ihr verbindet außer unsere Tochter, die mir niemand nehmen kann. Aber ich finde das so traurig, ich habe ihr nix Schlimmes getan und trotzdem antwortet sie weder auf SMS noch Anrufe von mir. Wo sie noch im Krankenhaus war, hat sie immer zurückgerufen bzw geschrieben. Nun soll sie die Tage auf Reha gehen, da ist sie dann auch wieder 4-6 Wochen weg.
Ich bin zutiefst am Boden zerstört. Für mich ist es momentan so, als ob ich sie verloren habe. Ich möchte ihr die Zeit geben, jedoch kann ich oft der Versuchung, ihr eine SMS zu schicken, kaum widerstehen…
Was soll ich machen?? Ich mag die beiden um alles in der Welt nicht verlieren.
Lieben Gruß, Stan (26)

Lieber Stan,
ich verstehe, dass es dich fast zerreißt vor Sehnsucht und Schmerz und Unsicherheit und daher dem Drang, wieder in engeren Kontakt mit ihr zu treten. Du willst ja auch wissen, woran du jetzt bist.
Aber:
WENN DU SIE WIRKLICH LIEBST, DANN LÄSST DU IHR JETZT IHRE RUHE.

Deine Freundin hat so unglaublich Schlimmes durchgemacht und steckt noch mittendrin, sie braucht jetzt ABSOLUTE RUHE! Sie braucht all ihre Kraft und all ihr Denken und ihre Gefühle dafür, gesund zu werden. Sie kann sich jetzt nicht mit dir auseinandersetzen oder irgendwelche Entscheidungen treffen.
Wenn du diese Frau wirklich aufrichtig liebst, dann stellst du dich selbst und deine Ängste und Sehnsüchte jetzt komplett zurück und geduldest dich und lässt ihr alle Zeit der Welt.
Du brauchst dich auch nicht dauernd in Erinnerung bringen. Deine Freundin weiß, dass du auf sie wartest. Sie wird von selbst auf dich zukommen, und zwar genau dann wenn sie so weit ist.

In der Zwischenzeit solltest du lieber deine ganze Energie darauf konzentrieren, bei dir selbst die nötigen Veränderungen einzuleiten, damit sie leichter wieder zu dir zurückkommen kann. Das heißt:

1) Mach eine Therapie, um dieses Einengende, Besitzergreifende wegzukriegen, diesen Mangel an Gelassenheit, bzw. eben alle Eigenschaften an dir, die deiner Freundin „nicht gut tun“. Mir scheint, du willst es weder wahrhaben noch akzeptieren, aber wenn sie selbst sagt, dass du ihr nicht gut tust, dann ist das so. Das haben ihr nicht die Psychologen irgendwie eingeredet. Ich selbst kann es gut nachvollziehen. Du hast ihr auf der Tasche gelegen, sie musste, um euch durchzufüttern, einen noch stressigeren Job annehmen, obendrein hast du sie auch noch bedrängt mit deiner einengenden, eifersüchtigen Art… Allein von der bloßen Vorstellung krieg ich schon Bauchweh!!

2) Sorge dafür, dein Leben NOCH besser auf Reihe zu kriegen – das Berufliche, das Finanzielle – damit die Belastung für deine Freundin nie wieder so hoch werden kann.

3) Überlege dir, wie du auch ein noch besserer Vater werden könntest. Bestimmt machst du das jetzt schon gut, aber es gibt immer Möglichkeiten zur Verbesserung.

Dies alles sind natürlich keine Garantien, dass ihr wieder ein Paar werdet. Aber es ist deine beste Chance, dass es überhaupt eintritt.

Wegen einer Therapie kannst du dich z.B. erst mal an eine Familienberatung oder den Sozialmedizinischen Dienst wenden, da kostet es wenig oder nichts; wende dich aber parallel dazu auch an deinen Hausarzt und sag, du hättest eine akute Anpassungsstörung (was stimmt) und bräuchtest so schnell wie möglich Psychotherapie8.
Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder