Frag Beatrice

Mein Liebster ist gegangen, weil ich zu viel trinke

Hallo Beatrice,
ich bin heute den ersten Tag allein, da mein Partner nach 3 Jahren ohne Vorwarnung seine Sachen gepackt hat und gegangen ist mit einem Abschiedsbrief, dass er nicht mehr kann. Er ging einfach weg und ließ mir zum Abschied nur einen Zettel da Ich weiß im Moment nicht wohin mit meinen Gefühlen. Ich habe auch noch keine Träne vergossen, obwohl ich einen Wasserfall heulen könnte. 3 Jahre und 3 Tage hat die Beziehung gehalten und ich kann nicht verstehen, warum dies das Ende sein soll.
Ich gebe nicht auf, werde kämpfen, doch ich weiß nicht recht wie, da ich mich nicht aufdrängen möchte.
Wir haben uns die letzten Monate fast immer gestritten und gegenseitig beleidigt und ignoriert. Wir haben gleichzeitig aber auch Dinge gemeinsam unternommen, welche wunderschön für beide Seiten waren.

Wir haben heute auch telefoniert und ein vernünftiges Gespräch geführt. Das war das erste Gespräch, wo wir uns wirklich Zeit und Ruhe genommen haben.
Ich habe einen anstrengenden Job im Schichtdienst inkl. Wochenende. Viel Freizeit bleibt uns oft nicht übrig. Aber diese nutzen wir auch. Er hat viele Freiheiten, was mir nicht sonderlich etwas ausmacht.

Viele kleine Alltagsprobleme sind entstanden und ich habe angefangen mit Trinken. Dies meist heimlich und fast täglich (das heißt, andere Leute haben nichts mitgekriegt, aber er schon). Er hatte Angst nach Hause zu kommen, da er nicht wusste, hat sie was getrunken, kann man den Abend noch retten?
Es gab auch Zeiten, da habe ich Wochen nichts getrunken. Wir waren gemeinsam bei einer Therapie. Es hat sich viel gebessert.
Vor 3 Tagen habe ich ihm nun eine SMS geschrieben, dass er bitte eine Flasche Wein mitbringen soll, da ich gekocht habe und es ein gemütlicher Abend sein sollte, anlässlich der 3 Jahre.
Laut ihm war dies nun der ausschlaggebende Punkt, dass er gestern, während ich arbeiten war, gegangen ist.
Allerdings war mir dies nie so bewusst, da wir auch nie richtig in Ruhe gesprochen haben.

Nun bin ich bereit, mein Leben etwas zu ändern. Habe ihm den Vorschlag gemacht, mir eine Chance zu geben, um zu beweisen, dass es wieder wie am Anfang der Beziehung sein kann. Wir haben eine Wohnung gemeinsam, Katze, viel aufgebaut und durchgemacht. Er kann doch dies nicht alles wegschmeißen?

Wie soll ich mich verhalten? Was soll ich tun, dass ich die Beziehung rette, bzw. er darüber nachdenkt, dass nicht alles schlecht war?
Für alle waren wir das Dreamteam, viele gemeinsame Hobbys. Er hat Sachen für mich getan, das habe ich noch nie erlebt.
Das kann es doch nicht gewesen sein? Bitte hilf mir.
Sandra (30)

Liebe Sandra,
offenbar war dein Alkoholproblem der letzte springende Punkt, warum er ging – deshalb ist das auch der wichtigste Punkt, wo du ansetzen musst, wenn du willst, dass er euch eventuell noch eine Chance gibt. Selbst wenn du glaubst, du hast den Alkohol jetzt im Griff, rate ich dir, nochmal deswegen in Therapie zu gehen sowie zu einer Selbsthilfegruppe (z.B. AA).
Soweit ich weiß, sollte jemand, der ein Alkoholproblem hat und es überwinden will, über viele Jahre hinweg keinen Tropfen anrühren, also auch keinen Wein zum Essen.
Dein (Ex)Freund hat einfach Angst, dass, wenn du wieder was trinkst, der ganze Mist wieder von vorne losgeht, und das will er einfach nicht mehr mitmachen.
Nimm es so bald wie möglich in Angriff, am besten heute noch, und teile es deinem Freund mit.

Dazu kommt noch etwas Gravierendes. Du meinst, für die anderen wart ihr das “Dreamteam” – na und? Was bringt diese Fehleinschätzung von außen, wenn ihr nach innen überhaupt kein Dreamteam mehr wart?
«Wir haben uns die letzten Monate fast immer gestritten und gegenseitig beleidigt und ignoriert.»
Das kommt ja nicht plötzlich und “einfach so”. In der Regel entwickelt es sich über längere Zeit dahin, dass ein Paar so ekelhaft miteinander umgeht.
Was war und ist im Innern mit euch los?? (Im Innern eurer Paarbeziehung und im Innern vom einzelnen.) Ihr habt nicht mal in Ruhe über deinen Alkoholismus und seine Gefühle dazu gesprochen!!
Da musst du für dich jetzt erst mal ganz tief reinsteigen und nicht nur an deinem Suchtproblem arbeiten, sondern auch an anderen seelischen Baustellen. Bitte deinen Ex hierzu um ein schonungslos offenes Gespräch, und wenn er nicht will, musst du es alleine rausfinden.

Und lass dich in deinem Kummer unterstützen von Freunden und Familie.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder

Nach oben scrollen