Hab sie auf Abstand gehalten, sie hat sich getrennt, wie krieg ich sie zurück?

Liebe Beatrice,
es geht um meine Freundin (29), die sich heute von mir (30) getrennt hat.
Ich war schon in der Schule in sie verliebt. Aber danach hatten wir keinen Kontakt, erst einige Jahre später. Ein gutes Jahr lang war ich single, da haben wir uns gefunden. Da ich aber sehr verschlossen und im meinem Handeln sehr sachlich bin, kam es schnell zu Problemen. Sie hat mich am Anfang der Beziehung mit ihrer Liebe überschüttet. Ich war aber nicht so weit und brauchte Zeit. Ich war mit meiner Reaktion auf ihre Liebesbezeigungen sehr zurückhaltend. Ich wollte sie im gewissen Sinne auch prüfen.
Es verging so ein Jahr, wo es immer schlechter lief. Wir waren auch beide stark mit uns selbst beschäftigt. Meine Freundin war nach 2 Monaten Beziehung schon krank geschrieben und dann die ganze Zeit. Sie hat fast immer Schmerzen und musste ihren Beruf nun auch offiziell aufgeben. Ich hatte mich am Anfang der Beziehung sehr ausgeruht und hatte dazu Probleme mit dem Job und sie hat zu Anfang der Beziehung ziemlich viel investiert. Dann kamen bei ihr die Veränderungen: Absetzungen von Medikamenten, starke Schmerzen etc. Ein normales Beziehungsleben war nicht mehr möglich. Ihr ging es oft schlecht und sie hat dies auch an mir ausgelassen. Ich dachte, die Probleme lösen sich, wenn wir endlich zusammenziehen. Das ging aber erst bei ihr nicht. Dann konnte ich nicht zu ihr ziehen. Und jetzt ist alles zu spät. Ich sitze auf gepackten Koffern und kann zumindestens in die Nähe ziehen.
Sie hat mir dann vor drei Monaten gesagt, dass es so nicht mehr weitergehen kann. Da war mir schon klar, dass es nun meine letzte Chance ist, ihr zu zeigen, dass ich sie will und dass mir meine Fehler wirklich leid tun. Ich finde, dass ich mich wirklich geöffnet habe und auch meine Fehler einsehe. In den ganzen letzten drei Monaten konnte sie mir keine Nähe mehr geben. Aber ich habe trotzdem versucht ihr meine Liebe und Nähe zu zeigen. Sie hat mir in den vielen Gesprächen und im langen Urlaub aber immer mir vorgeworfen, dass ich Schuld bin: Ihre Liebe mit den Füssen getreten habe und auch sie so verletzt habe. Sie wollte mir aber auch eine zweite Chance geben. In der ganzen Zeit wusste ich nicht mehr wie und was ich machen kann und war, da ich unter dem Entzug der Nähe sehr „wehleidig“ reagiere, sehr sensibel und traurig. Ich kam einfach nicht an sie ran.
Heute hat sie mir dann gesagt, dass es Schluss ist. Sie habe festgestellt, dass es auch Menschen gibt, die ihr das geben können. Ich konnte es unter der distanzierten Nähe schlecht zeigen. Auch vergisst sie, wie schwierig für mich ihre Krankheit und die dadurch entstehenden schlechten Launen waren und dass streckenweise garkeine Beziehung möglich war.

Meine Fragen:
Ich will ihr zeigen, dass ihre damalige Liebe zu mir richtig war und dass ich der Richtige sein kann. Sie sagt heute zwar, dass sie nicht mehr daran glaubt und schließt auch nicht aus, dass sie sich auf andere einlässt.
Ich möchte sie aber auch nicht vergraulen, in dem ich zuviel Druck aufbaue. Sie sieht im Moment alles so negativ. Ich will ihr zeigen, dass auch vieles Positives war, dies aber zum grossen Teil unter den Verletzungen versteckt ist. Dass ich auch auf meine Art vieles gezeigt habe. Und dass sie nicht alles sehen wollte oder konnte.
Warum kann man, auch wenn wir seit zwei Monaten viel Kraft gelassen hatten und kaum zur Ruhe gekommen sind, es nicht nochmal versuchen? Warum wegschmeißen? Die Probleme bleiben doch gleich. Wie weit muss ich zurückgehen?
Sie spürt Erleichterung, ich zum Teil auch. Es ist was passiert. Ich will sie aber auch zurück. Über Erfahrungen würde ich mich freuen

Was kann ich tun, um sie zurück zu gewinnen?
Wie kann ich erreichen, dass sie mir die Verletzungen verzeiht? Sie sagt immer, dass ich dies alles hauptsächlich zu verantworten hätte, da ich ihre Liebe nicht wollte. Aber sie sieht alles so, als wären die anderthalb Jahre total schlecht. Ich könnte ihr das nicht geben. Sie sieht nichts Positives mehr und sagt, dass sie an eine Veränderung von mir nicht glauben kann und auch keine mehr sieht – es wäre zuviel passiert. Im gewissen Sinne hat sie mir alles auch ungewollt mit Distanz und auch Verletzungen zurückgezahlt. Aber warum konnte sie sich nicht mehr öffnen und hat mir auch keine Chance mehr gegeben? Dafür ist der ganze Jahresurlaub daraufgegangen und ich kam nicht mehr an ihr Herz.

Ich habe nun so viel geschrieben. Aber ich muss ja was machen? Aber was?
Sie war die Frau, die ich trotz aller meiner schlechten Erfahrungen an mich am nächsten rangelassen habe.
Ich will nicht jedesmal vor den Trümmern meiner Beziehungen stehen. Das wäre dann die dritte längere Beziehung, die es nicht geschafft hat. Bin ich beziehungsunfähig?
Vielleicht kannst Du mir ja helfen.
Christoph (30)

Lieber Christoph,
Du findest, deine Ex sieht das alles zu schwarz… aber wenn man einem Menschen all seine Liebe und Zuwendung schenkt und immer wieder auf Abstand gedrückt wird, ist das schon sehr sehr verletzend – und irgendwann ist das Maß an Verletzungen so voll, dass man einen Wall aus Selbstschutz aufbaut, der verhindert, dass man noch mehr gibt und Nähe zulässt. Und das ist bei deiner Freundin leider passiert. Und schätzungsweise wären ihre Launen wegen der Schmerzen weniger doll gewesen, wenn du sie mehr aufgefangen hättest, ihr mehr Nähe und Geborgenheit gegeben hättest. Es klingt, als ob du sie nicht oder nur sehr wenig aufgefangen hättest, sondern dich auf den Lorbeeren ihrer Liebe “ausgeruht” (wie du es selber formulierst) hättest. Das ist ein sehr großes Versäumnis und klingt gar nicht danach, als ob du sie auch nur annähernd geliebt hättest.
Du fragst: «Aber warum konnte sie sich nicht mehr öffnen und hat mir auch keine Chance mehr gegeben? Dafür ist der ganze Jahresurlaub daraufgegangen und ich kam nicht mehr an ihr Herz.»
Ich nehme an, du hast für deine Verhältnisse durchaus was gemacht, um an ihr Herz zu kommen, aber für ihre Verhältnisse zu wenig. Ich vermute, es gibt bei dir eine Art “Blockade”, ganz viel Liebe zu zeigen und zu geben. Denn ich denke, mit “ganz viel” hättest du sie wohl wieder auf deine Seite ziehen können.
So leid es mir tut: Du stehst schon wieder vor den Trümmern und die wirst du wohl auch nicht mehr zusammensetzen können – dafür ist zu viel kaputt. Über ein Jahr lang Distanziertheit und Verletzungen sind nicht durch ein paar Monate mit ein bisschen mehr Nähe zu reparieren.
Und selbst wenn es dir mit viel Mühe gelänge, sie von einem Neustart zu überzeugen, wäret ihr bald doch wieder am jetzigen Punkt. Denn du zeigst viele Symptome von Bindungs- und Näheangst. Und solange du die nicht bearbeitest und bewältigen lernst, wirst du immer wieder Frauenseelen verletzen und vor den Trümmern deiner Beziehungen stehen.
Es gibt ein phantastisches Buch, was dir sehr weiterhelfen wird (auch um das Verhalten deiner Ex zu verstehen), also besorge es dir so schnell wie möglich:
Jein!: Bindungsängste erkennen und bewältigen. Hilfe für Betroffene und deren Partner

Herzlichst, Beatrice

Dieser Brief hat eine Fortsetzung, für Teil 2 bitte hier klicken!