Erst verließ er seine Familie für mich, nach der Geburt unseres Kindes auch mich

Hallo Beatrice,
ich bin in eine wirklich verzwickte und fast aussichtslose Situation geraten.
Seit fast 2 Jahren bin ich mit einem Mann (30) zusammen, für den ich schon immer die Traumfrau gewesen war. Wir kennen uns viele Jahre, aber erst vor 2 Jahren haben wir uns unsere Liebe gestanden. Daraufhin haben wir uns wieder so ineinander verliebt, dass uns keiner mehr auseinander bekommen hat. Da sowohl Freunde als auch Familie nicht hinter unserer Beziehung standen und sich daraufhin von uns distanziert haben, mussten wir lange darum kämpfen, uns eine kleine schöne Welt aufzubauen. Wir lagen von Anfang an 100% auf einer Welle und haben unsere Beziehung als ein Märchen beschrieben.
Die Sache hatte nur einen Haken: Wir waren beide verheiratet. Aus seiner Ehe sind 2 Kinder hervorgegangen.
Wir haben uns beide von unseren Ehegatten getrennt, um zusammen sein zu können.
Nach einem halben Jahr Beziehung bin ich schwanger geworden und hatte sehr damit zu kämpfen. Ich habe überlegt mich von meinem Freund zu trennen, weil ich Angst hatte, dass er nach der Geburt des Kindes zurück zu seiner Familie gehen würde, da er sehr an seinen Kindern gehangen hat und damit nicht wirklich klar kam. In der Zeit, wo ich mir nicht mehr sicher war, bei ihm zu bleiben, hat er mit allen Mitteln und seiner ganzen Liebe um mich gekämpft. Obwohl ich mich dadurch bedrängt und eingeengt gefühlt habe, glaubte ich seinen großen Liebesbeweisen und habe mich ganz darauf eingelassen. Er hat schon lange von einer Familie mit mir geschwärmt und sich sehr ein Kind mit mir gewünscht. Natürlich „irgendwann mal“ und nicht „sofort“.
In meiner Schwangerschaft hat er mich sehr unterstützt. Wir sind zusammengezogen und hatten eine schöne aber auch durch die Schwangerschaft bedingt schwere Zeit. Die Monate vor der Geburt habe ich noch meine Scheidung durchgezogen, um uns einen guten Start als kleine Familie zu ermöglichen. In dieser Zeit hat sich mein Freund angefangen zurückzuziehen. Aber da uns niemals jemand auseinander bekommen hat, dachte ich auch nicht daran, selbst wenn er leiden würde, dass er mich jemals verlassen würde.

Zwei Wochen nach der Geburt ist er bei mir ausgezogen und hat mich im Stich gelassen. Für ihn war es nur eine Flucht, um mit der neuen Situation klarzukommen. Außerdem musste er für sein Studium lernen und ein schreiendes Baby war für ihn eher hinderlich. Leider ist er aus finanziellen Gründen nicht in sein eigenes Reich, sondern zurück zu seiner Frau gezogen, mit der er aber nachweislich keine Beziehung geführt hat. Natürlich kam ich damit nicht klar und habe ihm jeden Tag das Leben schwer gemacht. Vorwürfe waren an der Tagesordnung, aber für ihn zählte nur das Examen und er hat mich auf die Zeit danach vertröstet, dass dann alles anders werden würde.
Dass es ein Fehler war dorthin zu ziehen, hat sich mein Freund nach kurzer Zeit schon eingestehen müssen, denn nun stand er zwischen zwei Fronten. Er ist daran sichtlich kaputt gegangen und hat sich selbst und jeglichen Halt verloren.

Drei Monate nach der Geburt ging er desöfteren mit anderen Frauen aus. Mir erschien das als eine Flucht. Leider hat sich daraus eine „Affäre“ entwickelt. Er selbst sagt, dass er weiß, dass das keine Zukunft hat, aber macht trotzdem weiter.

Nun steht er zwischen drei Frauen. Ich war seine Traumfrau, er hat mich über alles geliebt, und selbst seine Frau dachte niemals, daß wir uns trennen würden. Jede von uns Frauen kämpft um ihn. Aber nur eine ist in der Lage, ihm keine Forderungen zu stellen, und hat somit die besseren Karten.
Letzte Woche hat mein Freund, mit dem ich aus Wut kurzzeitig Schluss gemacht hatte, mir gestanden, dass er mich noch liebt und starke Sehnsucht nach mir hat und er es nicht ertragen könnte mich mit einem anderen Mann zu sehen. Aber seitdem ist er auf einmal eiskalt. Wie ausgewechselt. Absolut gleichgültig und sagt, dass er nicht mehr weiß, wen er will und was er fühlt. Versucht mich sogar psychisch fertig zu machen und mir die Schuld indirekt zu geben. Ich komme mir vor wie in einem Krieg.

Was sagst Du dazu liebe Beatrice? Lohnt es sich noch, um diesen Mann zu kämpfen, oder würdest Du einen Schlussstrich ziehen? Ich reagiere nur noch über und kann mit ihm kaum noch umgehen. Damit hat er besondere Probleme. Und dazwischen ein Baby, was noch keinen normalen Tag erlebt hat. Ich bin mit der Situation absolut überfordert. Statt dem großen Familienglück hat mich eine Katastrophe heimgesucht. Mir ist von ihm so viel versprochen worden. Er hat mit mir große Träume geträumt und wollte mich später heiraten. Ist es der Hass auf sich selbst, den er jetzt auf mich legt?
Aimee (29)

Liebe Aimee,
er ist jetzt so eiskalt, weil die Situation ihn so überfordert, dass er nicht nur (wie so oft) aus den äußeren Umständen flieht, sondern jetzt sogar die innere Flucht antritt. Er scheint psychisch ziemlich instabil zu sein, und das Verhalten, was er seit der Geburt an den Tag gelegt hat, stimmt mich sehr skeptisch, ob er stark genug ist, zwei parallele Familien zu führen.

Du sagst: „Jede von uns Frauen kämpft um ihn. Aber nur eine ist in der Lage, ihm keine Forderungen zu stellen, und hat somit die besseren Karten“.
Du könntest noch bessere Karten haben als sie, wenn du ebenfalls keine Forderungen stellst, weil er zu dir stärkere Bande hat als zu der Neuen.
Forderungen, Jammern, Drängen und Überreagieren bringt dir sowieso keinen Pappelstil ein bei diesem Mann, im Gegenteil, also hör sofort auf damit. Und hör bitte auch sofort auf, ihn zu idealisieren und sein Verhalten ständig zu entschuldigen. Er ist ein Feigling und ein Schwächling, sorry. Lässt dich nach der Geburt im Stich, wo du ihn am dringendsten gebraucht hättest, und kriecht zurück an den Schoß seiner Frau, und als ihm das auch zu viel wird, lässt er auch sie im Stich, um sich einer ganz anderen zuzuwenden. Ich bitte dich, das ist doch echt ziemlich Scheiße und nicht mehr entschuldbar mit „Studium“ oder „finanziellen Gründen“.
Ich finde, man kann nicht einfach Kinder in die Welt setzen und sich dann um die Verantwortung drücken. Wenn sein Studium (oder was auch immer) es schwierig macht, ein Baby zu haben, dann mach ich doch erst mal kein Baby, oder? Verdammt nochmal. Und das selbe tut er mit dir. Erst setzt er alles dran, dich zu einer Beziehung zu kriegen und mit dir eine kleine Familie zu gründen, und genau dann, als es so weit ist, stiehlt er sich aus der Verantwortung.

„…dazwischen ein Baby, was noch keinen normalen Tag erlebt hat…“
Ich denke, du solltest allein schon dem Baby zuliebe anfangen, diesen Mann loszulassen und dir ein von ihm unabhängiges Leben aufzubauen.
Da du aber – auch durch das Baby – in die ganze Geschichte so stark verstrickt und überfordert bist, kann ich dir nicht wirklich helfen. Ich lege dir sehr ans Herz, dich an eine Familienberatung zu wenden (z.B. Pro Familia). Die helfen dir nicht nur in praktischen Dingen, sondern haben immer auch psychologisch geschulte Beraterinnen, die dir in seelischer Hinsicht beistehen.

Alles Liebe und Gute
Beatrice Poschenrieder