Frag Beatrice

Sie hat mich betrogen und verlassen, trotz Baby

Meine Frau will mich verlassen und mich von meinem Kind trennen. Sie hat mich betrogen, will aus der Wohnung und tut alles, um mich fertig zu machen!

Hi Beatrice,
ich habe eine wunderschöne Tochter (14 Monate), doch deren Mutter will mich verlassen und mich von meinem Kind trennen. Wir waren vor der Hochzeit 12 Jahre mit etlichen Höhen und einigen Tiefen zusammen und werden wohl den 1. Hochzeitstag nicht als Familie erleben. Sie hat mich betrogen, will aus der Wohnung und alles zerstören. Sie tut alles, um mich fertig zu machen.
Fairerweise muss ich sagen, dass sie mir unser Kind nicht vorenthalten will. Sie war schon immer labil und wird jetzt wieder eine Therapie machen (Magersucht, Depressionen).
Was würdest du machen? Ich lebe für meine Familie und habe so viele Kröten u.a. wegen ihrer Krankheit geschluckt, ich kann auch nicht mehr. Sie wirft mir „Kälte und autoritäres Gehabe vor“ – gibt aber zu, dass ich immer Nähe suchte, und sie hat dennoch abweisend reagiert. Sie weiß nicht, was sie will. Ich habe Angst. Ich glaube, dass ich sie immer noch liebe, aber sie lässt mich nicht mehr an sich ran. Andererseits benimmt sie sich wie ein A… (du weißt schon).
Alles was ich konnte, habe ich getan. Ich weiß nicht mehr weiter. Verzeihen kann ich ihr auch nicht, sie aber schiebt alles auf mich.

Jetzt werden wir uns räumlich trennen (haha). Seit langer Zeit habe ich die Sprache verloren, finde keinen Zugang mehr zu ihr. Eigentlich will ich auch weg… komme aber nicht los.
Ich bin Kroate, einziger Sohn, habe nie gelernt, großartig im Haushalt zu helfen – gebe mir aber die größte Mühe und mache meine Sache recht ordentlich (finde ich, aber sie findet das nicht), aber die Krümel, die sie sieht in ihrem Putzwahn, sehe ich nicht. Dann heißt es es wieder „Macho“ u.a., (s.o.)!
Mein Kind und meine Partnerin sind mir sehr wichtig – meine Akkus sind aber leer.
Ich habe sie übrigens noch nie betrogen, zumindest während der Ehe nicht. Vorher gab´s viel Party – als Studenten – schöne Zeit; wir haben uns viel gegeben und nichts geschenkt. Aber seit unser Kind da ist, erkenne ich sie nicht wieder. Zusätzlich habe ich einen wunderbaren, aber stressigen Job, der viel abverlangt (Migrationssozialberatung); witzig, viele solcher – und noch viel schlimmere – Probleme habe ich begleitet. Ich bin trotzdem am Ende.
Ich schreibe dir beim 4. oder 5. Bier – und übermorgen soll ich hier weg in ein trostloses Hotelzimmer, weil sie bis dahin berufliche Termine hat. Gott, bin ich ein Idiot.
Dank im voraus für deinen Rat
Mirko (38)

Lieber Mirko,
ich finde keinen Hinweis darauf, dass du ein Idiot sein könntest… Sicher wirst du nicht alles richtig gemacht haben, aber in dieser Geschichte hat deine Frau ja ebenso Anteil am Niedergang eurer Beziehung. Naja, aber du auch. Sie hat dich betrogen, aber du sie ja wohl auch! Du schreibst: “Ich habe sie übrigens noch nie betrogen, zumindest während der Ehe nicht.” Aber ihr seid noch nicht mal ein Jahr verheiratet – also vorher bist du ihr offenbar durchaus fremdgegangen!
Und ihre Vorwürfe von wegen “Macho”, “Kälte und autoritäres Gehabe”, die musst du ernst nehmen und dran arbeiten, selbst wenn ihr euch endgültig trennt.

Tja, und sie muss auch an sich arbeiten, zumal psychisch bei ihr ja wohl einiges im Argen liegt und dringend behandelt werden muss. Frauen, denen es an „Grundsubstanz“ fehlt, die kein Urvertrauen in sich selbst und in ihre Mitmenschen haben, tendieren zu solch extremem Verhalten. Aber das weißt du ja selber nur zu gut. Wofür du vielleicht den Blick verloren hast, ist: Wenn man (du) mit so einem Menschen zusammen ist, geht man oft selber kaputt. Von daher kann ich dir leider nichts anderes raten als:
Lass sie los!!!!!! Eure Situation klingt so schlimm und verfahren und ruiniert, mir scheint, da ist kaum noch Rettung möglich. Vielleicht kurzfristig, wenn sie es sich wiedermal anders überlegt, aber ihr würdet sicher immer wieder an den Punkt kommen wie jetzt (oder noch schlimmmer). Auch dieses müsstest du aus deiner Arbeit wissen, aber in der eigenen Lage ist man ja oft „betriebsblind“.
Ich rate dir, diese jetzige (durchaus miserable) Lage auch als Chance zu betrachten: um dein Leben komplett zu ändern und ganz neu anzufangen. Mit dir allein, jawohl. Das ist zunächst schwer, wenn man so lange an der Seite eines vertrauten Menschen war, und die Aussicht auf ein einsames Hotelzimmer ist auch nicht grade verlockend, aber durch diese schrecklichen ersten Tage musst du dich durchbeißen und dann wird sich allmählich auch eine gewisse Erleichterung einstellen: Nicht mehr dauernd Streit und Psychostress, Zeit für dich allein, Zeit, um dich neu zu orientieren. Und vielleicht bekommst ja du das Kind, wenn sie jetzt erst mal eine Therapie macht?
Du bist intelligent – du wirst zurecht kommen. Auch mit dem Alltagskram. Momentan tendierst du dazu, ein wenig schwarz zu malen, aber du wirst sehen, es wird sich alles finden. Falls du jetzt nicht zum Alkoholiker wirst!!!

Noch eins. Ob man das noch Liebe nennen kann, was du für sie empfindest? Denn dein Brief sagt mir was anderes. Versuch mal drüber nachzudenken, ob es wirklich Liebe ist und nicht eher Verlustangst, Angst vorm Alleinsein, verletztes Selbstwertgefühl und ähnliches. Sprich mit Freunden über deinen Kummer, das hilft sehr.

Und schau mal bitte unten bei den “Verwandten Beiträgen”, was dir da noch weiterhelfen kann!
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder

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