Habe eine schlimme Ehe mit einem Säufer hinter mir, wie werde ich mit der Wut fertig?

Hallo Beatrice!
Ich, Mutter von zwei Kindern (17 + 9 Jahre), habe mich nach einer langen schlimmen Ehe von meinem Mann getrennt, da er sich für den Alkohol entschieden hat. Ich musste ihn vor die Wahl stellen; er ist Quartalssäufer, kam ständig angetrunken nach Hause, oder schlief hier den Rausch aus, und wenn er wieder nüchtern war, musste er wieder auf zu seinen Kumpels. Jetzt keimt in mir die Wut. Die schönsten Jahre meines Lebens habe ich damit verbracht, ihm die Haushälterin, die Büroangestellte, die Waschfrau usw. zu machen. Doch ich war immer das letzte Rad am Wagen. Seine Freunde und der Alkohol waren alles. Immer wieder habe ich versucht – auch mit den Waffen der Frau – zu kämpfen, ihn vom Alk abzubringen. Ohne Erfolg.
Jetzt fühle ich mich gedemütigt, benutzt, verbraucht, habe unbändige Wut. Dazu kommt, dass ich nun vom Sozialamt abhängig bin; das ist geradezu entwürdigend.
Wie kann ich mit dieser Wut fertig werden?
Angie (46)

Mein Mann ist schwerer Alkoholiker, ich habe es nicht mehr ausgehalten

Als Säufer schläft man auch mal in der Öffentlichkeit seinen Rausch aus…

Liebe Angie,
allzu viel kann ich nicht für dich tun, denn ich mach ja hier Liebes- und Sex-Beratung, und dein Problem ist in erster Linie ein emotionales/psychologisches. Ein paar Worte möchte ich trotzdem dazu sagen. 
Ich kann es gut verstehen, dass du wütend bist. Aber diese Wut sehe ich keineswegs negativ, im Gegenteil, sie ist heilsam und sie zeigt, dass du noch viel Energie hast und nicht in Passivität und Resignation versinkst (wie das viele in deiner Lage tun würden).
Du kannst stolz auf dich sein, dass du es geschafft hast, dich zu trennen. Viele Frauen bringen nicht den Mut und die Kraft auf, sich aus einer schlechten Ehe zu lösen. Du bist eine Kämpferin, und zwar zumindest seit du die Trennung vollzogen hast. Ab jetzt wirst du eine Kämpferin bleiben! Momentan schaust du zwar voller Reue zurück, aber ich schätze, das wirst du nicht mehr lange tun, nicht? Denn diese Reue und das Zurückschauen sind nicht nur völlig nutzlos, sondern sie lähmen dich, und eine Frau wie du hasst es, sich gelähmt zu fühlen.
Lass die Vergangenheit vergangen sein, schau nach vorn und tu, was du schon so oft getan hast: Krempel die Ärmel hoch und stecke deine Energie, die momentan in der Wut gebunden ist, in etwas Neues! Schreib dir eine Liste von Dingen, die du anpacken möchtest, egal ob das eine Veränderung deines Äußern ist, eine Wendung zu gesünderer Lebensweise, ein paar neue Freunde, ein neues Hobby oder auch die Suche nach einem Job, damit du dir das “entwürdigende” Sozialamt sparen kannst. Ich möchte wetten, du hast jede Menge Fähigkeiten. Mach was draus!
Und fang gleich morgen damit an, etwas von der Liste in die Tat umzusetzen.
Du hast dich befreit von einem Alptraum. Jetzt wird es Zeit, dass du dich selbst in den Mittelpunkt stellst – deine Kinder sind groß genug, um das zu verstehen. Also schau ruhig mal auf dich selbst und kümmere dich um die Dinge, die dir helfen, dass du dich endlich gut fühlst. Dein Selbstbewusstsein hat arg gelitten, das musst du jetzt auch aufpäppeln! Geh auch zu deinem Hausarzt und besprich mit ihm, ob du zumindest eine Kurz-Psychotherapie oder eine Kur bekommen kannst, denn anhaltende Wut schädigt die Gesundheit.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder