Er hat seine Liebste durch einen Unfall verloren, wie kann ich helfen?

Hallo Beatrice,
ich hab folgendes Problem: Mein bester Freund (28) hat vor einem dreiviertel Jahr seine Freundin bei einem Autounfall verloren. Er ist allerdings nicht dabei gewesen. Er ist deswegen noch immer sehr traurig. Als das passiert ist, kannten wir uns noch nicht. Nun zu meinem Problem: ich hab mit dem Thema “Tod” noch nie direkt Kontakt gehabt. Trotzdem möchte ich ihm gerne helfen, wenn er mit mir über seine Freundin reden will. Ich weiß natürlich, dass es kein “Patentrezept” gibt, aber ich finde, ich müsste als seine beste Freundin mehr tun, als ihn nur im Arm zu halten und ihm zuzuhören. Natürlich ist es manchmal genau das richtige, aber ich kann doch nicht einfach nur schweigen, oder? Ich würde ihm gerne etwas sagen, was ihm hilft, darüber hinweg zu kommen. Was ist denn besser? Konfrontation? Oder soll ich warten bis er mit dem Thema anfängt? Soll ich ihn möglichst von dem Thema ablenken?
Oder….???? Man, was sagt man jemanden, der einen geliebten Menschen verloren hat?
Bitte hilf mir schnell!
Marie-Claire (27)

Liebe Marie-Claire,
du meinst: “ich müsste als seine beste Freundin mehr tun, als ihn nur im Arm zu halten und ihm zuzuhören” – ich finde, das ist schon sehr viel und tatsächlich das Beste, was du tun kannst. Konfrontation, Ablenkung oder krampfhaftes Ringen nach tröstlichen Worten – all das kann tierisch daneben gehen. Ein dreiviertel Jahr ist nicht allzu viel Zeit nach so einem Verlust, der so unerwartet und schockmäßig kommt und dadurch noch ein viel tieferes Loch hinterlässt als eine Trennung, die sich zumindest durch gewisse Zeichen ankündigt.
Sprich ihn nicht an auf das Thema. Rede nur mit ihm darüber, wenn er es anschneidet. Frag ihn dann ruhig nach seinen Empfindungen, aber kommentiere und werte sie nicht. Hör einfach zu und sag ihm, dass er sich in der Hinsicht immer an dich wenden kann und immer mit deiner Unterstützung rechnen kann. Du kannst ihn auch fragen, was du tun kannst, um ihm in dieser Sache zu helfen. Aber dräng dich auch nicht auf. Letztendlich muss er ganz allein durch seinen Schmerz durch.
Ich denke, Ansätze wie Konfrontation sollte man erst dann in Erwägung ziehen, wenn der Trauernde selbst nach Jahren noch nicht loslassen kann und sich selber im Weg steht.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder