Ich kann meinem Partner nicht vertrauen – NEUE ANTWORT

Was, wenn eine Frau ihr generelles Misstrauen gegenüber Männern auch auf ihren Partner überträgt und ihn vielleicht zu Unrecht verdächtigt? Was, wenn das Misstrauen berechtigt ist?

Frage:
Ich vertraue Männern nicht. In meiner jetzigen Beziehung habe ich deswegen ständig Stress: Mein Freund ist viel unterwegs. Ich habe immer ein ungutes Gefühl. Was, wenn er etwas mit einer anderen anfängt? Er hat mir schon unzählige Male geschworen, dass er treu ist, und ich habe auch keine Beweise für das Gegenteil. Aber er blockt mich auch ab, wenn ich immer mit dem selben Thema komme, und schaltet auf stur. Wie kann ich ihm vertrauen, ohne Angst zu haben?
Immer quält mich der Gedanke: das könnte es jetzt gewesen sein. Ich käme mir so unendlich dumm vor, wenn ich ihm Vertrauen schenken würde – und er dann doch fremdgeht. Deshalb bleibe ich lieber misstrauisch; aber ich fühle mich wie ausgelaugt dabei.

Ich misstraue jedem Mann, sogar meinem Partner, und suche mit der Lupe nach Beweisen…

Antwort:
Ich schätze, dein Vertrauen ist irgendwann einmal in der Vergangenheit von einem Menschen, den du sehr geliebt hast, schwer enttäuscht worden. Wenn es so ausgeprägt ist wie bei dir, fanden in der Regel die ersten Vertrauensbrüche und Enttäuschungen in der Kindheit durch eine enge Bezugsperson statt, z.B. Vater oder Mutter oder beide. Jedenfalls ist die Angst, dass das wieder passiert, immer noch sehr wirksam. Das Fatale ist, dass sich Leute in deiner Lage oft Partner suchen, die diese Gefühle wieder aufleben lassen. Oder sie bringen ihre Partner dazu, so zu agieren, dass die Angst wieder wach wird. Warum tut man so etwas? Ich denke, um das Problem irgendwie zu be- und verarbeiten; weil man will, dass die Angst endlich weggeht, und das macht man vom Partner abhängig.
Dass dein Freund abblockt, klingt nicht grade, als ob er besonders liebevoll ist…? Aber vielleicht ist ja genau dieser Punkt – dein Misstrauen – der ewige Zankapfel zwischen euch beiden und er ist schon total genervt.

Die Crux ist: Je mehr du erwartest, dass er dich betrügt oder Schluss macht, desto eher tritt es ein. Wenn du irgend kannst, dann schalte dein Misstrauen ab! Du schreibst: “Ich käme mir so unendlich dumm vor, wenn ich ihm Vertrauen schenken würde – und er dann doch fremdgeht.”
Das hängt meist damit zusammen, dass diese ersten schweren Enttäuschungen völlig unerwartet kamen, zu einer Zeit, wo man noch voller Vertrauen war. Vor allem in den ganz frühen Kinderjahren, wo das Kind Vorgänge noch nicht so differenziert einordnen kann wie ein Erwachsener, prägen sich u.U. fatale Zusammenhänge ein wie: “Wenn ich blindlings vertraue, werde ich schlimm enttäuscht und verletzt” und infolgedessen: “Sobald ich in Zukunft blindlings vertraue, werde ich wieder so enttäuscht werden”.
Und nun meint die eigene Psyche, man würde besser fahren, wenn man sich “wappnet” und auf der Hut ist, weil dann erstens die Enttäuschung nicht ganz so unvorbereitet und als Schock daherkäme und zweitens dass man vielleicht vorbeugen könne, etwa den anderen dazu kriegen, einen nicht so arg zu enttäuschen.

Beides ist falsch, beides ist ein Trugschluss.
Ich bin überzeugt, letztendlich fährt man besser mit dem Gedanken, vielleicht ein wenig naiv zu sein, als den Partner mit seinem Misstrauen und seiner negativen Haltung wegzutreiben. Verstehst du, was ich sagen will? Mit Vertrauen und einer positiven Einstellung ist die Wahrscheinlichkeit viel höher, dass er bei dir bleibt und sich mit dir so gut fühlt, dass er sich zu anderen Frauen nicht hingezogen fühlt. Und du gewinnst mehr Lebensfreude.

Gut: Deine Angst, wieder enttäuscht zu werden und dann daran zu zerbrechen, ist offenbar größer. Und damit bist du so beschäftigt, dass du vielleicht gar nicht mehr darüber nachdenkst, ob es wirklich nötig ist, so um diese Beziehung zu bangen. Macht dieser Mann dich überhaupt glücklich? Wirklich glücklich, im Sinne von: Bereichert er dein Leben? Unterstützt er dich? Ist er für dich da, wenn es dir nicht gut geht? Vielleicht sagt dir die ehrliche Analyse ja, dass es gar nicht so viel Grund gibt, seinen Verlust so sehr zu fürchten. Sondern dass der Hauptgrund für deine Verlustangst die früheren unschönen Erfahrungen sind. Ich denke, es wäre keine schlechte Idee, das mit therapeutischer Hilfe herauszufinden.

Was du auch mal versuchen kannst, ist das “Als-ob-Spiel”: Du tust drei Tage lang, als ob alles in Ordnung wäre und es absolut keinen Grund zum Misstrauen gibt. Wichtig ist, dass man sich fest vornimmt: Heute muss ich Vertrauen haben und positiv sein – negative Gedanken werden strikt auf übermorgen (oder überübermorgen) verschoben. Die Regel ist: es darf keine Abweichung geben. Drei Tage sind überschaubar, das ist gut durchzuhalten. Drei Tage lang kann man seine üblichen Schutzmechanismen über Bord werfen. Und wenn du danach feststellst, dass dir das Als-ob-Spiel gutgetan hat, verlängerst du es einfach um einen oder mehrere Tage. Und so weiter.

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Alles Gute
Beatrice Poschenrieder