Ab wann ist man süchtig, ist es eine Sucht? (nach Liebe, Beziehung, Sex, Handy o.a.)

Frage:
Ich lese bei dir hier auf der Webseite öfter, dass jemand süchtig ist bzw eine Sucht hat (z.B. pornosüchtig, sexsüchtig, oder auch Sucht nach Liebe, Beziehungen, Drama). Ich dachte eigentlich, Sucht bezieht sich auf eine starke Abhängigkeit, z.B. nach Drogen oder Alkohol…

Viele junge Leute sitzen zusammen am Tisch, sind aber nicht zusammen, sondern mit ihrem Handy beschäftigt

Man kann auch süchtig nach Handy/ Smartphone, WhatsApp, Instagram usw. sein…

Antwort:
Sehr viele Menschen verbinden “süchtig” nur mit der Abhängigkeit von den typischen Substanzen, wie Drogen, Alkohol, Medikamenten, dabei kann man eine echte Sucht nach allem Möglichen entwickeln, etwa:
• Nach Essen oder bestimmten Esswaren
• Nach bestimmten Getränken (z.B. Cola, süße Brause, Energydrinks; es gibt sogar eine Sucht nach Wasser-Trinken!)
• Nach Tätigkeiten wie z.B. Putzen, Sport, bestimmten Sportarten
• Nach Kontrolle (z.B. die Aktivitäten des Partners ausspionieren)
• Nach Ablenkungen / Unterhaltung, z.B. Fernsehen, Internet, Smartphone, Youtube
• Nach bestimmten Formen von Sex (auch Selbstbefriedigung), nach Pornographie
• Nach Paarbeziehungen (d.h., man kann das Alleinsein oder Singlesein nicht gut aushalten und wechselt am liebsten von einer Beziehung/ “Liaison” zur nächsten)
• Nach “Liebe” – aber damit ist eher gemeint: nach Zuwendung, Aufmerksamkeit, Anerkennung, Geliebt-Werden, Bewundert-Werden u.ä.
• Nach einem bestimmten Liebesobjekt (das kann der Partner/ die Partnerin sein, oder auch jemand, mit dem man keine Paarbeziehung führt, oder keine richtige).

Eine Sucht ist es dann, wenn – wie bei Substanzabhängigkeiten – mindestens drei dieser sechs Kriterien gleichzeitig zutreffen:

1. Starker, oft unüberwindbarer Drang danach (beherrscht das Denken und Handeln).
2. Zunehmender Kontrollverlust (z.B. man tut unliebsame Dinge, die man normalerweise nicht täte).
3. Entzugssymptome, wenn der Drang nicht rasch befriedigt werden kann (z.B. Nervosität, Gereiztheit, Angst, gedrückte Stimmung).
4. Toleranzentwicklung und Dosissteigerung (um sich befriedigt zu fühlen, braucht man immer stärkere Reize oder höhere Mengen).
5. Vernachlässigung anderer Aktivitäten, Vergnügen, Interessen, Pflichten (z.B. um seiner Sucht nachzukommen, vernachlässigt man Freunde, Familie, Partner und/oder belügt sie; man beginnt mit Heimlichkeiten und Vertuschungen).
6. Der Konsum wird fortgesetzt, obwohl man sich der schädlichen Folgen und Nachteile bereits bewusst ist (z.B. man investiert mehr Zeit/ Geld als üblich, um sein Suchtmittel zu bekommen, und die Partnerschaft leidet oder wird gefährdet).

© Beatrice Poschenrieder