Kriegt mein Dozent Probleme, wenn ich etwas mit ihm anfange?

Hallo Beatrice!
Ich hab den Brief “Ich will meinen Dozenten verführen” gelesen, aber bei mir ist es etwas anders.
Ich bin Studentin und habe ernsthaftere Gefühle für meinen Dozent an der Uni. Ich habe diesen vor ca. einem dreiviertel Jahr kennengelernt und die ersten Monate war er für mich wirklich nur ein
Dozent. Allerdings waren wir relativ schnell per Du und er ist auch nur ein Jahr älter als ich. Im Laufe der letzten drei Monate hat sich das Ganze dann immer mehr auf eine private Ebene verlagert. Zum ersten Mal als „Mann“ aufgefallen ist er mir erst, nachdem er wiederholt Unterrichtsthemen präsentiert hat, die perfekt zu mir persönlich (und nur zu mir in diesem Kurs) passten und teilweise Details aus meinem Leben betreffen, die er weiß Gott woher kennt. Am Anfang habe ich dem nicht mal Bedeutung beigemessen und es für Zufall gehalten; nur, wenn das Ganze dreimal wöchentlich ein ganzes Semester immer wieder so geht, fragt man sich doch irgendwann, ob nicht irgendeine Absicht dahintersteckt. Irgendwann hat er dann angefangen, am Ende der Stunde auf mich zu warten, und wir sind dann immer noch gemeinsam ein Stück gegangen und haben uns ganz privat unterhalten. Später hat er mich dann öfter zu einem Kaffee eingeladen, mittlerweile hat er mir sehr viele private und teilweise auch sehr persönliche Sachen erzählt, aber er hat sich auch immer für mich, sowohl was das Studium betrifft als auch privat, interessiert. Ich weiß, dass man in Blicke sehr viel hineininterpretieren kann, aber es gibt schon sehr große Unterschiede in der Art, wie er andere StudentInnen oder mich anschaut; halt sehr viel intensiver und offener, ich habe das Gefühl in ihn hineingucken zu können.
Vor einer Woche hat er mich zu einem Fest an der Uni eingeladen, wo ich dann auch mit hingegangen bin. Leider sind andere Leute, die uns kennen, hinzugekommen, die wir auch nicht mehr losgeworden sind. Da er sehr schüchtern und unsicher auf mich wirkt, habe ich im Laufe des Abends zum ersten Mal einen (belanglosen!) Körperkontakt am Arm und am Rücken hergestellt (was übrigens für mich eine riesige Leistung war, denn ich bin ziemlich feige in solchen Dingen!) und er hat ihn auch sofort erwidert und sucht ihn seitdem auch immer wieder von selbst.
Wir sind inzwischen noch dreimal „einen trinken“ gewesen, nur leider jedesmal mit dem gleichen Erfolg, dass jemand hinzugekommen ist.
Soweit die bisherige Entwicklung, wobei das nur einige Punkte sind, die mir spontan wichtig erscheinen; alles zu schreiben, würde den Rahmen sprengen. Nun zu meinen Fragen:
Auch wenn ich die Signale insgesamt positiv bewerte, zweifle ich aufgrund früherer negativer Erlebnisse an meiner eigenen Urteilskraft und hätte gerne eine neutrale Meinung.
Außerdem würde ich selbst gerne etwas mehr zu einem „Fortschritt“ beisteuern, habe aber erstens Angst vor Zurückweisung und zweitens davor, zu weit vorzupreschen oder ins „Klammerphänomen“ zu verfallen (ein Fehler, den ich leider schon mehrmals begangen habe). Also, was könnte ich tun, was sich mit meiner Schüchternheit noch vereinbaren lässt?
Außerdem frage ich mich, ob es besser wäre, keine Veranstaltungen mehr bei ihm zu belegen, obwohl ich keine Noten von ihm bekomme. Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob solch eine Beziehung für ihn berufliche Probleme verursachen könnte. Ich kenne aber einen Fall von der gleichen Uni zwischen einer Studentin und einem Professor, die keine Probleme aufgeworfen hat. Trotzdem möchte ich ihn nicht in irgendwelche Schwierigkeiten bringen.
Deine Antwort erwartet sehnlichst,
Anonyma (27)

Liebe Anonyma,
wo liegt das Problem? Worauf wartest du noch? Greif an! Klingt doch alles wirklich vielversprechend.
Du fragst, “ob solch eine Beziehung für ihn berufliche Probleme verursachen könnte”?
Ich glaube nicht, so lange du keine Noten bekommst, Prüfungen bei ihm ablegst oder prüfungsrelevante Arbeiten für ihn schreibst. Außerdem würde ich mir über solche Fragen erst dann einen Kopf machen, wenn tatsächlich was zwischen euch läuft. In dem Fall müsstest du dann auch entscheiden, ob du seine Seminare noch besuchen willst oder nicht (meist ist es ja besser, Beruf und Privates zu trennen). Außerdem kann das auch er entscheiden, denn er als Dozent muss es viel genauer wissen, inwieweit er da Probleme kriegen kann und was er tun oder lieber lassen soll.
„Angst vor Zurückweisung“ brauchst du m.E. nicht zu haben, denn erstens klingt es ja so, als ob er zumindest sehr daran interessiert ist, dich näher kennen zu lernen, zweitens hat er sicherlich genug Feingefühl, dich nicht vor den Kopf zu stoßen, falls sein Interesse nur „platonisch“ sein sollte, drittens kommt es ja auch drauf an, wie weit du „vorpreschst“. Du musst es ja nur mal schaffen, ihn an einen Ort zu lotsen, wo du ihn für dich ganz allein hast (am besten wäre natürlich bei dir zuhause). Denk dir irgendeinen Vorwand aus, z.B. Probleme mit deinem Computer oder dass du ihm was zeigen willst (was mit dem Studium zu tun hat oder so). Und wenn ihr dann unter vier Augen seid, kommst du vom Uni-Talk allmählich zum Privaten. Sieh zu, dass er was Alkoholisches trinkt (das lockert), aber dass du nicht zu tief ins Glas schaust. Frag ihn ein bisschen aus: ob er schüchtern ist, wie er zu Frauen steht, wie seine Traumfrau beschaffen sein sollte usw.
Mit all dem vergibst du dir noch nichts, und du wirst hinterher wissen, woran du mit ihm bist…

Sehr viele Tipps fürs nähere Kennenlernen findest du in meiner Liebes-Beratung unter der Rubrik „Kennen lernen“!
Viel Erfolg
Beatrice Poschenrieder