Ist ihm sein Hobby wichtiger als ich? NEUE ANTWORT

Hallo Beatrice,
ich schreibe dir, weil ich ein großes Problem habe und damit nicht zurechtkomme. Es beschäftigt mich die ganze Zeit, ich kann an fast nichts anderes denken.
Ich bin jetzt mit meinem Freund seit fast einem halben Jahr zusammen, seit ca. 1 Monat wohnen wir auch zusammen. Soweit klappt alles ganz gut, es ist vielleicht für manche etwas früh, um zusammenzuziehen, aber wir waren uns da beide schon sicher.
Jetzt ist es so, dass mein Freund im Schichtdienst arbeitet, was ja auch eigentlich kein Problem ist, aber dazu kommt, dass er ein zeitaufwändiges Hobby hat, eine ehrenamtliche Tätigkeit. Das beansprucht natürlich Zeit, was ich ja auch verstehe. Aber ich finde, dass 3-4 Abende in der Woche doch schon viel sind, vor allem da er ja auch teilweise am Wochenende arbeitet und teilweise 24-Stunden-Schichten hat. Jedenfalls habe ich die erste Zeit nicht viel dazu gesagt, da hielt es sich auch noch in Grenzen, muss ich sagen. Er ist halt sehr engagiert und es macht ihm auch viel Spaß, und deshalb möchte ich dann nicht die „böse“ Freundin sein, die ihm irgendwas verbietet.
Das Schlimme ist noch, dass seine Kumpels, die auch diesem Hobby nachgehen, blöde Sprüche abgeben. Wenn er z.B. mal früher nach Hause fährt, dann heißt es direkt von denen, „er muss nach Hause wegen seiner Alten“. (Obwohl ich nie gesagt habe, er soll dann und dann wieder da sein).
Das Problem ist jetzt, dass sich die Treffen in letzter Zeit vermehrt haben. Werktags haben wir nur einen einzigen Abend (den er “mal ruhig verbringen” will, sprich, vor der Glotze), das halbe Wochenende arbeitet er, die andere Hälfte füllt er mit Hobby und Ausruhen. Wir unternehmen überhaupt nichts mehr! Und Zeit für Zärtlichkeit und genussvollen Sex bleibt auch kaum – den will er dann schnell mal abhaken, wenn er spätabends nach dem Ehrenamt zu mir ins Bett kriecht.
Also habe ich mittlerweile doch mal was gesagt, weil ich halt auch gerne Zeit mit ihm verbringen möchte, wir sind ja schließlich zusammen. Wenn ich dann aber versuche mit ihm darüber zu reden, sagt er zu mir, ich würde so tun, als ob wir uns nie sehen würden, dabei WOHNEN wir ja zusammen und sehen uns jeden Tag!! (Haha), außerdem wäre das sein Hobby und es macht ihm Spaß. Und entweder ich komme damit klar oder halt nicht.
Ich verstehe aber nicht, wie man das so egoistisch sehen kann. Ich verlange ja gar nicht, dass er es komplett aufgibt oder so. Er soll mir nur nicht das Gefühl geben, dass sein Hobby ihm wichtiger ist als ich.
Was soll ich denn jetzt machen? Ich will ihm nichts verbieten, ich will auch keinen Streit mehr mit ihm deswegen haben. Er versteht mich einfach nicht. Oder liegt es an mir, dass ich übertreibe? Ich weiß wirklich nicht mehr weiter, und ich glaube, wenn sich nicht bald was ändert, dann wird diese Beziehung scheitern, und das möchte ich auf keinen Fall. Ich liebe ihn, aber ich komme damit einfach so nicht zurecht.
Bitte hilf mir. Wie soll ich mich verhalten? Was soll ich sagen? Wie kann ich ihn halten, ohne ihm das Gefühl zu geben, dass ich was dagegen hätte? (Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, ich wohne schon seit zehn Jahren nicht mehr bei meinen Eltern und er ist jetzt gerade erst von seiner Mutter weggezogen mit mir zusammen, liegt es vielleicht daran?)
Ich wäre sehr sehr froh, wenn du mir eine Antwort schicken würdest
Clara (ohne Altersangabe)

Er kümmert sich nicht um mich, sondern sieht fern oder macht was anderes

Wenn er nicht grade Schichtdienst hat oder seinem Hobby nachgeht, hängt er vor der Glotze ab

Liebe Clara,
ich sag nur: Männer und ihre Hobbies…! Während wir Frauen uns oft zerreißen, um möglichst viel Zeit für die Beziehung rauszuschinden, scheinen sich etliche Männer da kaum drum zu scheren und gehen ihren eigenen Interessen nach. Im Prinzip müssen wir den Männern ihre Hobbies ja lassen, aber deiner übertreibt´s nun wirklich und meint im Ernst, er hätte durch das Zusammenziehen schon genug für die Beziehung getan und seine pure Anwesenheit so über Nacht und vielleicht mal am Frühstückstisch oder er auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzend, das müsste dir reichen. Gibt es heutzutage überhaupt noch Frauen, denen das reicht, außer den Mädels aus ganz armen Ländern, die einfach nur versorgt werden wollen?

Dich beklagen und Druck machen hilft nicht, das hast du selber schon gemerkt.
Im Prinzip gibt´s zwei Möglichkeiten:
1) Ihm viele Gründe geben, dass er lieber Zeit mit dir statt mit seinem Hobby und seinen Kumpels verbringt.
2) Sein Verhalten kopieren oder sogar noch übertreiben – sprich, du legst dir ein paar eigene Beschäftigungen zu, die dann von eurer gemeinsamen Zeit abgehen, und scherst dich überhaupt nicht um seinen Zeitplan und seine Schichten. Das braucht viel Willensstärke (denn es bedeutet ja erst mal, dass du ihn noch weniger siehst), aber es ist ja nur vorübergehend. Und es bewirkt, dass ihm klar wird, wie beziehungsschädigend er sich verhält und auch, dass du eine eigenständige Person bist, um die er sich mehr bemühen muss. (Momentan gibst du ihm gar keinen Grund, sich um dich zu bemühen – im Gegenteil bemühst du dich um seine Zuwendung! Warum sollte er also…)

Am besten kombinierst du Punkt 1 und 2, das heißt, in der dann wirklich knappen Zeit, die ihr euch seht, bist du zauberhaft zu ihm, sexy, verführerisch… So dass er nach mehr lechzt. Kriegt er aber erst mal nicht, weil du sooooo beschäftigt bist. Dann muss er sich auch mal nach dir richten.

Noch eins: Du schreibst:
“Vielleicht sollte ich noch dazu sagen, ich wohne schon seit zehn Jahren nicht mehr bei meinen Eltern und er ist jetzt gerade erst von seiner Mutter weggezogen mit mir zusammen, liegt es vielleicht daran?”
Vielleicht zum Teil. Er ist es gewöhnt, dass eine Frau im Hintergrund da ist, aber im Prinzip nichts von ihm will, schon gar nicht gemeinsame Unternehmungen. Möglicherweise weiß er noch gar nicht, dass man eine Beziehung auch gestalten muss; leider haben das viele Männer nicht auf dem Schirm, weil es bei deren Eltern auch so war, dass die Frau im Hintergrund da ist und den Mann sein Ding machen lässt – demgemäß macht der Sohn dann auch sein Ding und kümmert sich wenig um die Einrichtung und Gestaltung gemeinsamer Zeit. Allerdings war dieses Muster gang und gäbe in der klassischen Rollenverteilung (Mann geht arbeiten, versorgt die Frau finanziell, dafür passt sie sich an ihn an). Leider haben es manche Männer noch nicht gerafft, dass dieses Muster heute auf die allermeisten Frauen und Beziehungen nicht mehr passt.
Auch hier agierst du am besten mit dem o.g. Punkt 2.

Bitte lies dazu in meiner Liebes-Beratung:
* Er bezieht mich zu wenig in sein Leben und seine Aktivitäten mit ein

Ein Freund von mir schrieb zu deiner Situation folgendes:
»Es ist schon erstaunlich, dass viele denken, eine Beziehung würde einfach von selbst funktionieren, ohne dafür etwas tun zu müssen. Dabei braucht eine (gute) Beziehung den Einsatz von beiden Partnern, sonst geht sie ein wie eine Pflanze ohne Wasser. Imho ist der besagte Partner im Moment nicht fähig, eine Beziehung auf Augenhöhe zu führen. Er zieht von Mutti aus, zieht mit seiner Freundin zusammen und lebt weiter wie bisher. Zusätzlich scheint er sehr unter dem Einfluss seiner Kumpels zu stehen, was eine gewisse Unreife erahnen lässt. Das Miteinander-Wohnen steht so unter keinem guten Stern, da die Nähe des täglichen Alltags in Kombination mit großer emotionaler Distanz Frust erzeugt. Ich würde an Stelle der Frau nicht die Beziehung, aber die Idee des gemeinsamen Wohnens wieder aufgeben. Dann sehen beide, wie sich die Beziehung weiter entwickelt und ob der Partner bereit ist, mehr Zeit zu investieren. Jeder Mensch braucht in einer Beziehung Zeit, Liebe und Zuwendung, er ist kein Gegenstand, den man bei Bedarf aus dem Regal holt und wieder zurück stellt.«
Ich halte es auch für die beste Idee, dass du eine eigene Wohnung nimmst, wenn o.g. Maßnahmen nicht fruchten.

Ferner möchte ich dir folgendes Buch ans Herz legen:
«Das Geheimnis, wie sich ein Mann wieder in Sie verliebt: Wie Sie ihn wieder an sich binden, wenn er sich von Ihnen emotional entfernt hat» – darin wird ganz genau erklärt, was zu tun ist, wenn sich ein Mann nicht mehr so kümmert und nicht mehr so viel Zeit und Energie hergibt wie am Anfang und dass eine Frau dann NICHT rudern soll wie eine Blöde, sondern u.a. obige Maßnahmen ergreifen soll – und einiges mehr.
Viel Erfolg
Beatrice Poschenrieder