Ich bin Türkin und seit 10 Jahren heimlich mit einem Griechen zusammen

Hallo Beatrice,
ich bin Muslimin (Türkin) und bin seit 10 Jahren mit einem Griechen zusammen. Meine Eltern wussten bis vor ein paar Wochen nichts, bzw. mein Vater weiß es nicht, nur jetzt meine Mutter. Als sie es erfahren hat, war sie nicht begeistert; sie ist nicht mehr ansprechbar und weint permanent. Sie ist strikt dagegen und hat mich auch schon vor die Wahl gestellt, ob nun Familie oder er. Bei einem Telefonat hatte sie mir auch gesagt, dass ich schuldig wäre, wenn der Familie was passieren würde bzw. meinem Vater, wenn sie es ihm sagen will…
Ich liebe meinen Partner sehr, da wir die selben Interessen haben und uns super ergänzen und er ein sehr lieber Mensch ist, nicht vergleichbar mit manch anderen Griechen. Kulturell gesehen unterscheidet sich wenig mit der türkischen Kultur, nur dass die Religion anders ist.
Ich weiß auch nicht mehr weiter, denn ich kann nicht vernünftig mit ihr reden, obwohl man sonst immer sehr gut mit ihr reden konnte und ich auch ein gutes Verhältnis zu ihr hatte. Sie will es meinem Vater auch nicht sagen, da ich es selber tun soll.
Ich bin verzweifelt, da ich es nicht verstehen kann, warum Eltern immer so egoistisch denken in solchen Sachen. Ich sie verstehe ja, da sie trotz ihres langen Aufenthaltes hier in Deutschland ihre kulturellen Denkweisen nie aufgegeben haben… Aber ich möchte glücklich werden und sein und in diesem Punkt sind wir uns nicht einig… Wenn ich meinen Eltern den Gefallen tue und mich trenne, weiß ich, wie todunglücklich ich sein werde und es ihnen auch nicht werde verzeihen können. Meinen Freund und mich verbindet zuviel und unsere Liebe ist so stark, dass er mich bis hier hin begleitet hat trotz manchen Schwierigkeiten.
B. (30)

türkische Frau und europäischer Mann - immer noch schwierig

Heimliche Liebe: Ich bin Muslimin und liebe einen Griechen – meine Eltern dulden so etwas nicht

Liebe B.,
zuerst hätte ich folgende Fragen:
1) Wohnst du zuhaus? Wenn ja, warum noch in deinem Alter?
2) Bist du finanziell unabhängig?
3) Besteht eine gemeinsame Zukunft mit deinem Freund, z.B. Heirats- und Familienpläne? Wie steht er dazu?
4) Wer ist dir wichtiger: dein Freund oder dein Vater? Anders gesagt: Bei wem von beiden würde es dich mehr schmerzen, ihn zu verlieren?
5) Was wäre, wenn dein Freund sich ganz höflich und formell bei deinen Eltern vorstellen und um deine Hand bitten würde?
Bis bald, Beatrice

Hallo Beatrice!
Ich wohne nicht mehr zuhause und bin finanziell auch nicht abhängig…
Mein Freund steht natürlich zu mir. Er wünscht sich nichts mehr als dass es endlich ein Ende hat und wir offen gegenüber meinen Eltern sein können. Wichtig sind beide Parteien für mich, aber am wichtigsten bin ich und meine Zukunft… Natürlich liebe ich meine Eltern über alles. Sie sind generell nicht konservativ, aber gerade in dieser Situation reagieren sie eben nicht zu meinen Gunsten.
Ich kann sie auch verstehen, weil die eben nicht mit sowas aufgewachsen sind wie wir jungen Leute. Meine Eltern fahren jedes Jahr für fast 6 Monate in die Türkei und machen dort Urlaub, d.h. dass ich meinen Vater noch nicht damit konfrontieren konnte. Die kommen erst ab November wieder…. Ich weiß eben nicht, wie es sein würde, wenn mein Freund bei ihnen auftaucht und ganz höflich um meine Hand anhalten würde. Wobei meine Geschwister alle zu mir stehen und ihn auch kennen…
B.

Liebe B.,
was ich dir rate, ist klar, oder? Du bist längst in einem Alter, wo die Partnerschaft wichtiger sein sollte als die Eltern – zumal du ja weder wohnlich noch finanziell von ihnen abhängig bist und zumal du einen wunderbaren Mann gefunden hast.
Wenn du jetzt erzählt hättest, dass er dich nicht gut behandelt oder eure Beziehung nicht gut läuft – okay, da hätte ich vielleicht eher zur Trennung geraten. Aber trennen, nur weil die Eltern die unterschiedliche Religion nicht akzeptieren? Niemals!!! Mach lieber endlich Nägel mit Köpfen. Zehn Jahre zusammen, das ist lang genug – du solltest deinem Freund zu Liebe endlich die Beziehung offiziell machen und auch in eine Heirat oder ins Zusammenziehen einwilligen, falls er das schon vorgeschlagen hat.
Mach es am besten so, wie ich es angedeutet habe: dein Freund soll sich ganz höflich und formell bei deinen Eltern vorstellen (und evtl um deine Hand bitten). Unterstütze ihn, indem du beteuerst, wie sehr du ihn liebst und was für ein wunderbarer Mann er ist. Bestelle deine Geschwister dazu und bitte sie, dir beizustehen.
Deine Eltern werden erst mal dagegen sein, aber fast alle Eltern beruhigen sich irgendwann und gewöhnen sich an die neue Situation – auch Türken! 😉
Alles Gute,
Beatrice Poschenrieder