Wir sind verliebt, er ist verheiratet; Tipps, damit er sich für mich entscheidet?

Hallo liebe Beatrice,
ich (w., 51, Single) hätte gerne Ihre Meinung zu meiner Geschichte. Ich habe ihn vor 1 1/2 Jahren durch meine Anzeige im Internet kennengelernt. Ich suchte nur Spaß. Er (50, verh., keine Kinder, anderes Bundesland, ca. 4 Stunden von mir entfernt), ist ca. alle 4 Wochen beruflich in meiner Nachbarstadt. Wegen mir übernachtet er aber in meiner Stadt im Hotel (zahlt die Firma). Wir sahen uns anfangs jeweils nur für einen Abend. Dass er verheiratet ist, hatte er gleich zu Anfang gesagt. Im Juli letzen Jahres hatte ich mir eingestanden, dass ich mich ihn verliebt habe.
Zwei Monate später fragte er, ob wir uns am nächsten Abend auch sehen wollen. Wir waren im Kino, mit Händchen halten und küssen, ich kam mir vor wie mit 16. Ab da war es zwischen uns ernster. Seit Oktober letzten Jahres übernachte ich auch bei ihm im Hotel (er zahlt dann meinen Anteil privat, da er ja ein Einzelzimmer hat). Mittlerweile sehen wir uns alle drei bis vier Wochen für je 2-3 Abende/Nächte, manchmal auch zwei Wochen hintereinander für 2 oder drei Tage. Er versucht oft Termine hier zu machen. Wir unternehmen immer etwas (essen gehen, Kino, Musical, spazieren gehen), er macht mir Geschenke. In der Öffentlichkeit gehen wir Arm in Arm oder Hand in Hand und er küsst mich auch öffentlich (klar, es kennt ihn ja keiner…), jeder würde uns für ein verliebtes Paar halten. Und GENAU so verhält er sich auch. Er küsst mich auf die Nase, Stirn, Kopf, hält mein Gesicht in seinen Händen, ist einfühlsam, aufmerksam, einfach ein Traummann, wenn er nicht gebunden wäre…
 
Er zeigt seine Gefühle, ich kann sie auch zeigen (die berühmten kleinen Gesten), wir können uns beide fallen lassen und genießen. Ich kann ihm sagen, dass ich ihn liebe, er sagt zwar nichts, streichelt und küsst mich stattdessen. Dass er mich auch liebt, kann ich spüren, und er zeigt es auch, außerdem hat er es in einer spielerischen Neckerei meinerseits durch die Blume gesagt.
ABER, er ist verheiratet und vor allem auch beruflich an seine Stadt gebunden. Wir reden nicht über seine Ehe, ich frage nichts und er sagt auch nichts darüber. Als bei uns noch alles frisch war, habe ich ihm ein paar Fragen gestellt. Er schrieb, dass mit seiner Ehe alles in Ordnung wäre, vielleicht zu wenig Sex. Nur um den Sex geht es bei uns nicht mehr, dazu bemüht er sich viel zu sehr um mich. Er investiert viel Gefühl, Zeit und auch finanziell einiges in mich, um mich zu sehen.
 
Ein Ultimatum werde ich nicht stellen, das kann ich nur für mich irgendwann tun. Noch genieße ich es und mir geht es richtig gut. Nur verstehen kann ich es nicht. Da verlieben sich zwei Menschen und können nicht zusammen sein? Dass er verliebt ist, spüre ich eindeutig, so wie er sich verhält. Wenn es einen Weg für uns geben würde, würde ich auch irgendwann zu ihm ziehen, obwohl es mir schwer fallen würde, meine Tochter, Familie und Freunde nicht mehr so oft zu sehen. Aber ich würde es tun, denn ich möchte eine Zukunft mit ihm.
 
Was halten Sie davon? Wird er sich doch noch für mich entscheiden, oder ist es hoffnungslos, weil es schon länger so mit uns geht und ich keine Forderungen stelle? Vor ihm hatte ich jemand, den ich mit meinen Fragen, Verhalten und Druck (sein empfinden) vergrault hatte. Aber bei meinem jetzigen Freund (er sieht mich nicht als Affäre sondern als seine Freundin) brauche ich das nicht. Es fühlt sich alles richtig an.
 
Viele Grüße, Maria (51)

Liebe Maria,
Sie fragen: “Wird er sich doch noch für mich entscheiden?”
Schwer zu sagen. Ich denke, er ist verliebt in Sie, aber vielleicht sind die Ängste, die mit einer Trennung von der Ehefrau verbunden sind, stärker als der Wille, mit Ihnen eine richtige Beziehung zu führen. Das dürfen Sie ihm nicht übelnehmen, denn leider werden die allermeisten Menschen viel stärker von ihren Ängsten gesteuert als von ihren Wünschen. Oftmals ist die Geliebte sogar der „Stabilisator“ der Ehe, da sie dem Mann das gibt, was er in der Ehe nicht mehr bekommt – er hat dann das schöne Gesamtpaket, nämlich Sicherheit und das gewohnte Leben plus Verliebtheit, tollen Sex und Selbstbestätigung. Solange sich die Geliebte da klaglos einfügt, hat er natürlich wenig Anlass, sich von der Ehefrau zu trennen.

Sie fragen: “oder ist es hoffnungslos, weil es schon länger so mit uns geht und ich keine Forderungen stelle?”
Nun ja, es ist nicht so, dass ein gebundener Mann erst bei Forderungen seitens der Geliebten anfängt, sich über eine echte Beziehung mit ihr Gedanken zu machen. Im Gegenteil, das ist oftmals sogar kontraproduktiv, denn Druck erzeugt immer (in irgendeiner Form) Gegendruck oder Ausweichen. Denn ein verliebter Mann, der aus seiner alten Beziehung raus will, ist ja durchaus in der Lage, sich auch von selbst Gedanken zu machen. Das einzige, was er dazu vielleicht als Anschub und Motivation braucht, ist die Gewissheit, dass die Geliebte tatsächlich mit ihm zusammen sein will und dafür auch die erforderlichen Schritte tun würde. Das können Sie ihm auch ruhig sagen und anbieten, aber eben ohne drangehängte Forderungen und Erwartungen. Sondern er muss eher das Gefühl haben, dass wenn er nicht bald aus den Puschen kommt, die Geliebte weg ist. Das heißt, Sie sollten sich seinen Bedingungen und seinem Zeitplan nicht 100 % einfügen, sondern ihm auch mal eine Absage erteilen, wenn er z.B. ankündigt, nächstes Wochenende zu kommen. Dann könnten Sie z.B. sagen, „da kann ich leider nicht, bin verabredet“, ohne ihm zu verraten, mit wem.
Sie dürfen auch nicht immer sofort auf seine Anrufe und Nachrichten reagieren, sondern gern mal mit anderthalb bis drei Tagen Verzögerung, so als hätten Sie grade einen wichtigeren Flirt in petto.
Wenn Sie immer und sofort zur Verfügung stehen (in welcher Hinsicht auch immer), setzt sich bei ihm fest, dass Sie ja eh da sind, egal ob er noch eine normale Ehe führt und Sie kurz hält.
Flirten Sie auch mit anderen Männern! (Tipps dazu finden Sie auf www.tippsfuersingles.de)
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder

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