Mit dem Ex befreundet, aber noch in ihn verliebt…

Während sie anderthalb Jahre herumreiste, verliebte sich ihr Freund in eine andere. Sie eroberte ihn zurück, aber nicht für lange…

Liebe Beatrice,
ich (30) war 7 Jahre mit einem Mann zusammen, nennen wir ihn mal Ken. Na, Ken jedenfalls war und ist mein Traummann, der Mann, mit dem ich Kinder haben wollte, etc.. Da wir uns ziemlich früh kennenlernten, war unsere Beziehung nicht verschont von Höhen und Tiefen. Und zu allem Überfluss fuhr ich vor 3 Jahren in die USA; ich war das erste Mal alleine unterwegs und fand es toll! Dementsprechend wurden aus den 3 Wochen 12 Monate, wo ich in Amerika herumreiste, und der gute Ken wartete auf mich. Doch das Fernweh ließ mich nicht los und ich fuhr noch einmal… gewissenlos, egoistisch? Für mich war das einfach ok, hey!
Doch Ken fand es überhaupt nicht gut… küsste andere Frauen, schrieb nur noch selten und entfernte sich von mir.
Nach einen halben Jahr hab ich es dann nicht mehr ausgehalten und bin zu ihm zurück, meinem Liebsten! Doch der hatte eine andere, und es gab ein „Tauziehen“, das ich mit Überlegenheit gewann! Wir waren also wieder zusammen, aber dieses Mädel, das mit ihm die Affäre hatte, arbeitete mit ihm in seiner Bar… und mir wurde immer kotzübel, wenn sie ihn anhimmelte, ihm Briefe zusteckte oder Emails schrieb, wie sehr sie ihn doch liebt! Das war eine total neue Situation! Jemand hatte sich in MEINEN Freund verliebt! und Ken, der fand sie irgendwie „süß“ und „unterhaltend“. Sie ist ja auch 10 Jahre jünger als wir…
Ich hab es mit argwöhnischen Adleraugen und Sticheln gut sein lassen, nichts gesagt, was bringt es schon… außerdem hat er mir ja seine Liebe gezeigt! Irgendwann haben wir dann aufgehört, miteinander zu schlafen, ich hab ihm nicht mehr getraut, dachte, er hat Sex mit dieser Frau, sobald ich ihm den Rücken kehrte. Diese Tussi, der Ken ja alles erzählte („wir sind total gute Kumpels“)… Mir war kotzübel!
Irgendwann holte ich ihn von der Arbeit ab. Er war gereizt, müde, fertig, und unter Tränen bettelnd, dass wir befreundet bleiben, machte er Schluss. Ich heulte wie ein Schlosshund und wir lagen uns in den Armen…

Seine neue Freundin lief nackt in seiner Wohnung herum

Ich sah sie nackt im Badezimmer stehen – das zog mir den Boden unter den Füßen weg!

Ein paar Tage ohne Kontakt ging ich in seine Wohnung (hatte ja noch seinen Schlüssel), und als die Tür sich öffnete, sprang er mir nackt entgegen: raus, sofort raus, sie stand nackt in seinem Badezimmer und hantierte, als ob es ihres wäre. Ich hab nur geweint.
Das ist jetzt alles über 6 Monate her und wir versuchen, alles möglichst friedlich zu halten. Ich bin sein bester Freund, ich kann gar nicht anders, aber ich habe bis heute nicht überwunden, was er mir damit angetan hat. Er sagt, wenn ich wegen ihr nicht mehr mit ihm befreundet sein könnte, mache er Schluss, hat er halt keine Freundin mehr und so blöd das klingt, vielleicht würde er das, aber was hilft das? Sie ist gleich bei ihm eingezogen, ich hatte nicht mal Zeit, meine Sachen zu holen… und seitdem ist es so schwierig. Nachts liege ich da und fühle mich halbiert. Klar sag ich ihm das und wie schwer es mir fällt, so mit ihm befreundet zu sein. Aber er ist so wichtig und ich will doch auch nicht zu diesen Frauen gehören, die sagen: Hey, liebst du mich nicht, will ich dich nicht mehr… Das finde ich nämlich blöd. Immerhin kann man dagegen nichts machen, wenn man sich verliebt.
Ich weiß, ich bin ihm wichtig, und dass er mich lieb hat. Aber ich glaube, er hat mich nie geliebt und das macht mich furchtbar traurig. Außerdem unterhalten wir uns seit diesem furchtbaren Tag über nichts Wesentliches mehr, außer wie sehr wir uns doch mögen und dass wir uns nicht im Stich lassen. Mein Kopf sagt mir: Hey, halt dich da raus. Der Mensch tut dir nicht gut. Mein Herz sagt: Hey, du brauchst doch einen guten Freund… und der würde alles für dich tun, er ist halt nur nicht mehr DEIN Freund. Er sagt, er habe niemanden, der ihm wichtig sei, außer seiner Freundin und mich; wir sehen uns einmal in der Woche und trinken Kaffee… Ach, Beatrice, das sind die bittersten Kaffees, die ich je trank. Immer mit diesem Gefühl, ich darf ihn nicht berühren und er umarmt mich plötzlich wie eine Schwester… Ich darf ihm das doch nicht zum Vorwurf machen, aber es nervt mich alles so, dass wir uns oft streiten: über seine Neue, über uns… Ich hab ihn verloren, und solange ich ihn sehe, kann ich nicht mal trauern. Ist es nicht schlimmer, ihn ganz zu verlieren? Habe ich das nicht schon? Mich macht das noch wahnsinnig!
Suzanne (30)

Liebe Suzanne,
das stimmt: Solange du ihn siehst, kannst du nicht trauern, nicht richtig jedenfalls, und damit anfangen, über ihn wegzukommen. Seine „Freundschaft“ bringt dir momentan nichts außer Leid. Also wäre es das Beste, du vermeidest eine Zeit lang strikt den Kontakt mit ihm. Keine Treffen, keine Telefonate, keine Mails, nicht mal Sehen von weitem – nichts. Es wird zuerst weh tun, aber ist letztendlich besser für dich. Eine Freundschaft mit ihm funktioniert erst, wenn du ihn losgelassen hast. Du musst versuchen, andere Freunde zu mobilisieren und aufzutun, wenn nötig, neue kennen lernen. Das wird dir gut tun. Lenk dich ab, so gut es geht, und versuche nebenher, die Beziehung realistisch aufzuarbeiten: Was ist schiefgegangen? Hör auf, sie zu idealisieren, denn wenn sie so ideal gewesen wäre, wäre alles anders gelaufen. Du redest u.a. davon, was er dir „angetan“ habe. Ds kann man nun wirklich nicht sagen, dass er dir “was angetan” hat: Ihr wart getrennt, als du einfach ohne Erlaubnis in seine Wohnung marschiert bist und die beiden dort nackt gesehen hast. Es ist allein dein Ego, was meint, dass er dich ja wohl nicht liebte, wenn er so schnell mit einer anderen ins Bett springt.
Außerdem, du hast ihm ganz schön was angetan! Du hast ihn einfach anderthalb Jahre in Deutschland zurückgelassen, du kamst wieder und hast ihn dir zurückgeholt, dann hast du ihm mit deiner Eifersucht zugesetzt und es gab keinen Sex mehr… Und da wunderst du dich, dass er mit dem Mädel zusammenkommt, das ihm seine Liebe schenkt, emotional und körperlich, und benimmst dich, als wärst du das arme Opfer, dem ständig kotzübel wird, weil dir ja so übel mitgespielt wird?
Wie wär´s, stattdessen mal die Verantwortung dafür zu übernehmen, dass du deinen Teil zu der ganzen Entwicklung beigetragen hast?

Bitte lies den Brief „Liebeskummer überwinden – die besten Tipps
und schau dir auch die Briefe an, die ich dir unten zu den “Verwandten Beiträgen” eingefügt hab.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder