Die Liebe meines Lebens kann sich nicht aus ihrer Ehe lösen

Hallo Beatrice,
ich bin selbständig, verheiratet und habe zwei Kinder im Alter von 3 und 7 Jahren. Vor fast genau einem Jahr habe ich mich in eine Frau (M) verliebt, die ebenfalls verheiratet ist und auch zwei Kinder in ähnlichem Alter hat. Ich habe meine Verliebtheit selbst zunächst für eine Schwärmerei gehalten und war einige Monate ausschließlich ein “stiller Bewunderer” dieser Frau. Ich habe ihre Nähe gesucht, wo immer es ging. Wir haben uns angefreundet, haben viele gemeinsame Interessen entdeckt; uns einfach blendend verstanden. Es folgten Monate voller endloser Telefonate, SMS und E-Mails. Wir haben jede mögliche Minute unserer Freizeit miteinander verbracht; sind ins Kino gegangen, in die Disco oder zum Sport. Unsere enge Freundschaft fiel zwar auch im Bekanntenkreis auf – aber niemand argwöhnte etwas. Und bis zum Anfang dieses Jahres ahnte auch M nichts von meinen Gefühlen, die während dieser Zeit immer stärker und auch immer beständiger wurden. Immer wieder hatte ich mir vorgestellt, dass es nur negative Folgen haben könnte, wenn ich ihr meine Liebe gestehen würde.
Und doch: Im Februar ergab sich bei einem abendlichen Treffen die Gelegenheit, meine Gefühle zu offenbaren. M reagierte einerseits sehr verständnisvoll und geschmeichelt. Andererseits habe ich sie doch sehr verwirrt. Ich hatte auch im Traum nicht erwartet, dass sie ähnliche Geuehle für mich hegen würde. Und doch: M gestand mir bald darauf, ebenfalls in mich verliebt zu sein. Heute, zwei Monate später, wissen wir beide, dass aus dem Verliebtsein viel mehr geworden ist. Wir lieben uns. M ist die Frau meines Lebens. Ich würde alle Brücken abbrechen, um mit ihr zusammenleben zu können. Leider ist die Sache für sie weniger klar. Sie sagt, dass sie auch ihren Mann noch liebt, sie würde eine Trennung als grenzenlose Ungerechtigkeit gegenüber der Familie und vor allem ihren Kindern empfinden.
Und seit einigen Wochen ist unsere Beziehung nicht mehr nur platonisch. Auch die Erotik und der Sex sind an Phantasie und Gleichklang nicht zu übertreffen. Unsere Herzen schlagen in einem Takt. Wir wollten einmal eine Woche lang Funkstille halten; wir haben es kaum einen Tag geschafft, nicht miteinander zu sprechen. Unseren Partnern gegenüber führen wir die Beziehungen möglichst normal fort. Und doch fürchten wir, dass unser Verhältnis bald doch einmal ans Tageslicht kommt. M sagt mir immer wieder, dass wir zurück müssen zu unserer Freundschaft; dass wir keine Zärtlichkeiten mehr miteinander haben dürfen. Und doch hält gerade sie dies jeweils nur kurz aus.
Wir haben uns auch schon oft ausgemalt, wie unser gemeinsamer Alltag mit ihren Kindern, die ich sehr mag, aussehen würde.
Ich glaube, dass auch sie im tiefsten Inneren weiß, dass wir zusammengehören, aber der Berg der Konventionen für sie unüberwindlich ist. Sicher wird die Zeit zeigen, ob die Beziehung tragfähig ist. Und ich würde ihr gern alle Zeit der Welt geben, um dies herauszufinden! Aber – wie schon erwähnt – es ist zu fürchten, dass schon bald unsere Beziehung auffliegt und ein plötzliches Ende erzwungen wird. Was sollten wir Deiner Ansicht nach tun? Welchen Rat gibst Du uns?
Grüße von Timo (40)

Mein Herz schlägt nur für sie

Unsere Herzen schlagen im gleichen Takt… Liebe meines Lebens!

Lieber Timo,
da gibst du mir ja eine schwere Kopfnuss auf! Im Grunde müsste ich euch raten, euch vier bis sechs Monate überhaupt nicht zu sehen und dann zu kucken, ob ihr euch beide immer noch vermisst wie verrückt, und dann eure Konsequenzen ziehen, aber sicherlich würdet ihr das beide nicht aushalten.
Du meinst, was euch beiden im Weg steht, ist, dass “der Berg der Konventionen für sie unüberwindlich ist”. Ich denke, der viel stärkere Grund für sie ist, dass sie ihren Mann und ihre Kinder liebt! Sie liebt ihre Familie und will sie nicht auseinanderreißen!
Ich überlege hin und her, dennoch komme ich immer zu dem gleichen Ergebnis: Wenn M noch nicht bereit ist, ihre Ehe aufs Spiel zu setzen, muss sich eure ganze Situation danach richten. Darin solltest du konsequent sein, doch vor allem sie. Konsequent, das bedeutet: Sie will ihre Ehe nicht riskieren, also dürft ihr auch nichts mehr riskieren. Das wiederum bedeutet, dass ihr tatsächlich zu eurer Freundschaft zurückkehren solltet oder noch besser, euch weniger und nur auf neutralem Terrain sehen, denn bei jedem “privaten” Treffen ist die Versuchung ja wieder groß. Wenn das nicht gelingt, müsst ihr zumindest alle erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen, um eure Liebe zu verheimlichen. Das beinhaltet auch, dass du den Kontakt mit ihrer Familie strikt meiden solltest und sie den Kontakt mit deiner (denn starke Gefühle lassen sich auch vor anderen schlecht verheimlichen! und grade Kinder haben da einen sechsten Sinn dafür!). Ihr solltet euch auch möglichst nicht treffen, wenn Leute dabei sind, die eure Familienangehörigen kennen.
Ich weiß, das alles wird schwer für euch, aber es gibt wohl kaum eine andere Möglichkeit, um M Zeit zu geben, sich darüber klar zu werden, was sie tun soll. Wenn du auch für sie die “Liebe ihres Lebens” bist, wird die Zeit für euch arbeiten und euch irgendwann zusammenführen.
Ich wünsch es euch von Herzen
Beatrice Poschenrieder