Warum halten meine Beziehungen immer nur drei Monate? Teil 2!

Bin ich wirklich beziehungssüchtig? Ich klammere ja nicht, aber: Je mehr sich mein Partner von mir entfernt, desto mehr Nähe will ich wieder herstellen

Liebe Beatrice!
vielen dank für die schnelle Antwort ((für Teil 1 bitte hier klicken!)). Sie lässt bei mir neue Fragen und vor allem Zweifel an mir selbst aufkommen.
Bin ich denn wirklich beziehungssüchtig? Nur weil in meinen Beziehungen viel schief gelaufen ist? Ich bin überhaupt nicht der Klammertyp, ich mache nur folgendes: Je mehr sich mein Partner von mir entfernt (ich check das ja auch, wenn er es „schleifen“ lässt), desto mehr Nähe will ich wieder herstellen, ist das nicht völlig normal? Wenn ich merke, dass mein Partner an irgendetwas zweifelt oder Probleme mit sich herum schleppt und sich emotional von mir entfernt, dann hab ich doch ein Recht darauf, zu erfahren, was ihn bewegt, und erst recht, wenn es um die Beziehung geht, oder nicht? Ich will doch auch wissen, woran ich bin.
Dieses „mehr Nähe herstellen“ beginnt meist innerhalb des zweiten Monats der Beziehung, denn immer an dem Punkt entfernt er sich von mir und lässt die Beziehung schleifen. Bin ich dann nicht mehr interessant oder sexy für ihn? Du sagtest, es liegt daran, dass die Männer meine oberflächlichen Gefühle intuitiv spüren… Ich dachte immer, Männer haben gar keine Intuition, jedenfalls keine sehr ausgeprägte. Und was ich am allerwenigsten verstehe: Wenn sie es doch spüren, wieso reden sie nicht mit mir darüber? Wieso lassen sie mich nicht wissen, dass sie denken, ich will eh nur etwas Oberflächliches? Ich bring mich deswegen sicher nicht um. Ich empfinde es auch nicht so, dass ich jemanden vorschnell mit meinen Gefühlen „überrumpele“. Wenn ich Gefühlsbekundungen mache, dann sehr überlegt und nicht, damit der andere bei mir bleibt. Natürlich ist es das ein oder andere mal vorgekommen, das bestreite ich gar nicht.
Das „Zurechtschnitzen“: Wenn ich ihm sagte, was er besser oder anders machen könnte, kam oft dabei rum, dass es ihn einen Dreck interessierte und er die Dinge, die mich geärgert haben, immer wieder tat. Ich denke auch, dass das wohl der Grund ist, warum das alles so blöd gelaufen ist. Denn immer wenn ich versucht habe, mitzuteilen, was mich störte oder ärgerte (nörgeln, jammern), dann schaltete er auf stur und tat nichts, reagierte in keinster Weise darauf. Zeigte mir das, dass er sich nicht interessiert? Und wenn ja, wäre es dann nicht besser gewesen, die Beziehung (oder was auch immer) meinerseits zu beenden? Es ist nicht so, dass ich mir immer Arschlöcher aussuche. Sondern dass ihrerseits die Gefühle ziemlich schnell den Bach hinunter gingen.
Was kann ich also tun, um das in den Griff zu bekommen?
Viele liebe Grüße, Pia (27)

Liebe Pia,
du schreibst:
„Du sagtest, es liegt daran, dass die Männer meine oberflächlichen Gefühle intuitiv spüren…… ich dachte immer, Männer haben gar keine Intuition… Und was ich am allerwenigsten verstehe: wenn sie es doch spüren, wieso reden sie nicht mit mir darüber? wieso lassen sie mich nicht wissen, dass sie denken, ich will eh nur etwas Oberflächliches?“
Männer haben genauso viel Intuition wie Frauen, nur sind sie sich dessen oft nicht bewusst. Das heißt, sie denken auch nicht drüber nach, sondern handeln mehr spontan aus dem Bauch raus. Also spüren sie es auch nicht bewusst und können es deswegen nicht in Worte fassen -­ oder wollen auch nicht, weil ihnen dafür die sprachliche Umsetzung fehlt. Sie spüren nur: Zu wenig Akzeptanz, zu viele Erwartungen. Das kann auch passieren, wenn du dich zu sehr auf ihn fixierst oder wenn du beunruhigt anfängst nachzubohren, sobald er eine leise Regung zeigt, wieder mehr eigene Wege zu gehen. Das passiert sehr oft schon innerhalb der ersten Wochen ­oder eben, wie du feststellst, im zweiten Monat. Und wie gesagt, ich kann das ja schlecht beurteilen – wie ich schon schrieb, musst du dazu deine nähere Umgebung befragen und am besten auch deine Ex-Männer.
Du schreibst:
“Ich bin überhaupt nicht der Klammertyp, ich mache nur folgendes: Je mehr sich mein Partner von mir entfernt (ich check das ja auch, wenn er es „schleifen“ lässt), desto mehr Nähe will ich wieder herstellen, ist das nicht völlig normal?”
Leider ist das ziemlich normal, aber eben “leider”, denn dieses Verhalten, was wir Frauen da oft an den Tag legen, nämlich Nähe herstellen wollen, wenn der Mann sich von uns entfernt oder ein bisschen zurückzieht, das ist überaus ungünstig!! Wenn ein Mann sich zurückzieht, müssen wir ihn in Ruhe lassen, statt uns an ihn dranzuhängen – denn genau letzteres empfinden die Männer als Klammern!
Der Autor und Beziehungscoach Christian Sander erklärt das echt gut in einigen seiner Bücher, etwa in dem Buch, was ich dir beim letzten Mailaustausch schon empfohlen hab: Wie gewinne ich das Herz eines Mannes?

Das selbe gilt für diese Aussage von dir:
“Wenn ich merke, dass mein Partner an irgendetwas zweifelt oder Probleme mit sich herum schleppt und sich emotional von mir entfernt, dann hab ich doch ein Recht darauf, zu erfahren, was ihn bewegt, und erst recht, wenn es um die Beziehung geht, oder nicht?”
Du kannst da drauf beharren, dass du da ein Recht drauf hast, aber im Sinne der Erhaltung seines Bindungswillens hilft das gar nichts, sondern du bewirkst eher dasd Gegenteil – zumal, und das ist wichtig, es für ihn zu diesem Zeitpunkt noch keine Beziehung ist. Wenn du dich aber schon in einer festen Beziehung wähnst und daraus “Rechte” ableitest und Erwartungen hegst, dann fühlt er sich wie im Schraubstock.

Du schreibst:
„denn immer wenn ich versucht habe, mitzuteilen, was mich störte oder ärgerte (nörgeln, jammern), dann schaltete er auf stur und tat nichts, reagierte in keinster Weise darauf.“
Die meisten Männer reagieren nur so, wenn die Frau ihre Kritik in negativer Weise anbringt. Denn wie wir Frauen wollen auch Männer so geliebt werden, wie sie sind, und erwarten, dass wir ihr Verhalten im Grunde akzeptieren, selbst wenn es uns nicht so gefällt. Das ist „Liebe“.
„Es ist nicht so, dass ich mir immer Arschlöcher aussuche. Sondern dass ihrerseits die Gefühle ziemlich schnell den Bach hinunter gingen.“
Es könnte sein, dass es etwas in deinem Verhalten ist, was das befördert. Finde es heraus. Wie gesagt, am besten indem du die Jungs selbst befragst.
Unten in den “Verwandten Beiträgen” gibt es auch noch ein paar nützliche Texte!
Liebe Grüße, Beatrice Poschenrieder