Zusammenziehen, obwohl sie so unordentlich ist?

Hallo Beatrice!
Ich bin 24, schon seit 5 Jahren mit meiner gleichaltrigen Freundin zusammen und wir wollen Ende des Jahres zusammenziehen. Da genau liegt mein Problem. Ich will ehrlich mit ihr zusammenziehen, aber sie ist ziemlich unordentlich. Ich bin sehr zur Ordnung erzogen worden. Das heißt, meine Mutter kann auch total übertreiben. Man muss nicht vom Fußboden essen können und es muss auch nicht wie in einem Museum oder Möbelhaus aussehen. Man sollte schon sehen, dass dort jemand wohnt. Also Ordnung muss sein, aber es gibt da auch Grenzen. Meine Freundin nimmt es allerdings mit der Ordnung nicht so genau, und in ihrem Zimmer sieht es so aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen. Ich habe sie schon mal öfter vorsichtig drauf angesprochen, da hat sie immer Ausreden gehabt, z.B. wenn ihre Schwester ausziehen würde, hätte sie mehr Platz für ihre Klamotten. Sie hat sich nämlich den Dachboden mit ihrer Schwester geteilt, die mittlerweile zu ihrem Freund gezogen ist, aber meine Liebste hat imemr noch genauso viel Unordnung. Dann wollte sie sich einen großen Kleiderschrank kaufen. Sie hat ihn zwar, aber es hat sich nix geändert.
Ich habe jetzt Angst, dass wenn wir zusammen ziehen, es da große Probleme geben könnte. Sie meint zwar immer, bei einer eigenen Wohnung wäre das ja was anderes, aber ich glaube ihr nicht. Wie kann ich ihr sagen, dass ich so nicht mit ihr zusammen ziehen möchte? und sollten wir es tun, dass ich keine Lust habe, hinter ihr aufzuräumen? Wäre es vielleicht eine Idee ihr vorzuschlagen, wenn sie z.B. 3 Monate ihr Zimmer in Ordnung hält und ich ihr vielleicht mithelfe, dass es dann in Ordnung wäre. Ich möchte sie ja auch nicht verletzen.
Ich hoffe, ich habe nicht zu viel Blödsinn geschrieben und mich einigermaßen klar ausgedrückt. Wäre schön, wenn Du mir schnell antworten könntest, denn sie studiert schon die Wohnungsanzeigen.
Sven (24)

Hi Sven,
vor etlichen Jahren stand ich vor der Entscheidung, ob ich mit meinem damaligen Freund zusammenziehen sollte. Ich hab es nicht getan, weil ich wusste: Würde ich es tun, müsste ich den Löwenanteil an Hausarbeit machen, denn er war der Chaot vor dem Herrn, und wir hätten uns mit Sicherheit früher getrennt, als wir es dann getan haben. Ist man in der eigenen Wohnung ordentlicher? Manche ja, manche nein. Deine Freundin hat ja jetzt schon mehr oder weniger ihren eigenen Bereich und schafft es offenbar nicht, also haben deine Bedenken sicherlich ihre Berechtigung. Ich denke, ihr solltet auf jeden Fall vereinbaren, dass ihr nur dann eine Wohnung bezieht, wenn sie groß genug ist, dass dort jeder sein eigenes Zimmer hat (optimal wären also drei Zimmer: zwei Schlafzimmer und ein gemeinsames Wohnzimmer). Falls ihr euch das nicht leisten könnt, würde ich es mir an deiner Stelle gut überlegen, und vielleicht von vornherein so etwas wie einen Vertrag aufsetzen, oder besser gesagt, schriftliche Vereinbarungen bezüglich Ordnung und Haushaltsführung.
Auf jeden Fall solltest du die Wohnungssuche deiner Freundin erst mal bremsen und ihr deine Bedenken ganz offen sagen, selbst wenn sie dann erst mal schwer beleidigt ist. Aber das ist immer noch besser als zusammenziehen und dann den Mega-Streit mit anschließender Trennung zu haben, nicht? Deine Idee mit den drei „Probe-Monaten“ finde ich sehr gut. Ja, mach das. Und hilf ihr eher nicht dabei. Belehre und kritisiere sie aber auch nicht. Gib ihr nur positives Feedback in Form von Lob, so oft sie ein ordentliches Zimmer hat.
Viel Erfolg
Beatrice Poschenrieder