Sie hat einen geliebten Menschen verloren… verliere ich jetzt sie?

Hallo Beatrice!
Ich habe ein großes Problem mit meiner Freundin (18). In der letzten Zeit hatte sie sehr viele Probleme in ihrer Familie und es gab sogar einen Todesfall, der ihr sehr nahe ging. Seitdem kapselt sie sich immer mehr von ihrer Umwelt ab, läuft mit Kopfhörern durch die Stadt, will einfach nichts mitkriegen um sie herum. Das wäre ja nicht so schlimm, wenn sie das gleiche nicht mit mir machen würde. Sie meint, dass sie im Moment nicht mehr sagen könne, dass sie mich liebt, und küssen will sie auch nicht mehr. Sie fühle sich im Moment von jedem so bedrängt, dass sie damit nicht zurecht kommt. Sie sagt, das hätte mit der Person zu tun, die sie verloren hat, die sie sehr geliebt habe. Aber was hat sich denn zwischen uns verändert? Vorher war alles so perfekt, alles war wunderschön, aber jetzt bekomm ich langsam das Gefühl, dass ich sie verliere! Kannst du mir helfen?
Maximilian (20)

Lieber Maximilian,
einen geliebten Menschen durch den Tod zu verlieren, ist ein tiefer und nachhaltiger Schock. Und er kann so extreme Gefühle auslösen, dass Außenstehende das einfach nicht verstehen können. Oft ist nicht mal den Betroffenen selbst ganz klar, was da in ihnen vorgeht.
Was bei deiner Freundin der Fall sein könnte: der Tod der geliebten Person hat sie so verstört und eine unterschwellige Angst ausgelöst (was übrigens sehr oft vorkommt, vor allem bei sehr jungen Menschen), dass sie die Angst unbewusst auf alle anderen Personen “überträgt”, die sie liebt und die ihr nahe stehen. Und im hilflosen Versuch, sich von dieser Angst abzuschotten, schottet sie sich von ihrer Umgebung und auch dir ab. Vielleicht ist sie auch der Typ Mensch, der mit dieser Art von Trauer und Schmerz allein fertig werden muss. Und ein Teil Depression (oder depressive Stimmung) ist auch beigemischt.
Sie zu bedrängen und ihr deinen Beistand aufzudrängen, bringt nichts, im Gegenteil.
Ich weiß, es ist verdammt schwer, wenn man befürchtet, sein Liebstes zu verlieren: das Beste wäre, du übst dich in Verständnis und Geduld, signalisierst ihr zwar (unaufdringlich!), dass du für sie da bist, wenn sie dich braucht, aber lässt sie in Ruhe. Du kannst ihr anbieten, ob sie mit dir über den Verlust dieser Person sprechen möchte, und falls sie das wahrnimmt, dann solltest du einfach nur zuhören und verständnisvoll sein (keine Ratschläge, kein Analysieren!). Doch wie gesagt: dräng dich nicht auf, halte dich eher zurück; versuch, dich abzulenken, indem du dich wieder ein bisschen mehr um dich selbst kümmerst.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder