Mein Partner ist stinkfaul und unordentlich, obwohl er mich liebt

Hallo Beatrice,
ich bin seit 2,5 Jahren verheiratet, mein Mann und ich kennen uns 2 Jahre und 8 Monate. Ich habe gelesen, dass du es für überstürzt hältst, nach so kurzer Zeit zu heiraten, aber wir sind beide immer noch davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Aber ich würde dir ja nicht schreiben, wenn da nicht doch ein Problem wäre…
Mein Süßer ist leider stinkfaul. Das geht los damit, dass er seine Jacke nie an die Garderobe hängt, weil er auf dem Balkon raucht und dafür braucht er sie ja alle halbe Stunde… benutzte Tassen nicht in die Spülmaschine, leere Milchtüte nicht in den Gelben Sack (es wären nur 2 kleine Bewegungen!), Wäsche nicht in Korb und so weiter, bla bla bla… Putzen einfach mal so, geht gar nicht!
Ich selber lass auch mal was stehen, aber wenn ich meine Tasse vom Morgen auf meinem Schreibtisch abends sehe, räume ich sie weg. Bei ihm würde sie wohl für immer da stehen, wenn ich sie nicht wegräumen würde…

Das klingt jetzt, als würde er mich nicht lieben, aber das tut er. Ich denke, die Faulheit und die Unordentlichkeit stecken einfach in ihm drin. Der Gedanke bringt mir aber nix, weil daheim immer Chaos.
Ich hab schon einiges versucht, mit unterschiedlichen Systemen, Listen, Aufgabenverteilung etc., es hilft nicht. Drüber reden geht nur kurz, führt aber nicht zu einem Ende, da er sich tierisch ärgert und die Diskussion (zu so einer wird´s jedesmal, bzw sogar zu Streit) beendet.

Wir reden ab und zu über getrennte Wohnung, aber das will eigentlich keiner von uns so richtig, hört sich beim Streiten immer wie die Lösung an, ist es aber nicht… Bin ratlos.
Liebe Grüße
Giselle (30)

Mein Partner hilft nicht im Haushalt, ist faul, schlampig

So sieht es nach seinem Frühstück aus… und zwar tagelang, wenn ich es nicht wegräume!

Liebe Giselle,
ich glaub nicht, dass Faulheit und Unordentlichkeit “einfach in jemandem drinstecken”, denn man kommt nicht mit diesen Eigenschaften auf die Welt. Man hat sie entwickelt und kann sie auch wieder ändern. Und sicherlich ist dein Mann keineswegs in allen Bereichen faul und schlampig, sonst würdest du ihn vermutlich weder achten noch lieben. Aus irgendwelchen Gründen hat er große innere Widerstände gegen Hausarbeit und häusliche Ordnung. Das kann u.a. mit Vorgängen in seiner Kindheit und Jugend zu tun haben und vielleicht auch zum Teil damit, dass du ihn seinen Anteil nicht tun lässt, wie er es eben tun würde, sondern ihm reinredest. Das führt bei vielen Männern dazu, dass sie dann gar nichts mehr tun. Oder vielleicht war er in seinem Elternhaus der Pascha, der nie einen Finger krumm machen musste, und du hast ihm auch von Anfang an zu viel durchgehen lassen und zu viel für ihn mit erledigt (hier hätten wir schon mal einen Nachteil einer so frühen Heirat: Wenn du ihn so früh heiratest, ohne auf wirklich beziehungsströrende Macken zu achten, dann setzt du damit das starke Signal, dass du ihn nimmst und behältst, egal wie er sich verhält).

Als erstes solltest du aufhören, zu klagen, zu jammern, zu diskutieren (wie du gemerkt hast, bringt das nur Streit).
Als zweites solltest du aufhören, ihm seinen Kram hinterherzuräumen.
Außer… in eine bestimmte Richtung. Für euer Problem wäre es das Beste, wenn er ein eigenes Zimmer hätte. Da müsstest du auch ganz konsequent sein und ihn in seinem Zimmer Chaos haben lassen, wie er will. Sein Zimmer wäre Sperrgebiet für dich, außer für gewisse Maßnahmen, nämlich: Allen Kram, den er in eurem gemeinsamen Teil der Wohnung stehen oder liegen lässt, dürftest du in sein Zimmer werfen (bzw. stellen, falls es was Zerbrechliches ist). Sprich: Tür auf, Jacke reinwerfen, Tür zu. Tür auf, seine gebrauchte Tasse (die er am Sofa stehen ließ) reinstellen, Tür zu. Tür auf, seine leere Milchtüte rein, Tür zu. Dann kann er in seinem Chaos wohnen, oder er macht was dagegen.

Streng verboten wäre, dass du in sein Zimmer gehst, um Hausarbeiten irgendwelcher Art zu machen. Ob da dreckige Socken oder 2 Monate alte Bettwäsche liegen, geht dich nichts an. Wasch nur die Wäsche, die er selbst in den Wäschekorb oder in die Waschmaschine tut. Und nur das Geschirr, das er selbst in die Spülmaschine tut, wird halt sauber. Leg dir drei eigene Tassen zu, falls sonst keine sauberen für dich übrig sind, und erkläre sie als “tabu” für ihn.
Und so weiter.

Worum es geht (auch wenn das mit “seinem” Zimmer nicht machbar ist): Hör auf, die Mutti zu sein, die ihn ermahnt, ihm Zeug hinterherräumt, alles macht und die Verantwortung übernimmt. Überlass die Verantwortung für sein Chaos ihm selbst, auch wenn das bedeutet, dass du´s vorübergehend ebenso ein bisschen chaotischer hast – es wird nur vorübergehend sein!

Natürlich tust du auch was für ihn / euch, wenn er mal was für dich/ euch tut. Aber sonst nicht.
Und, ganz wichtig: Du musst ihn seine Hausarbeiten so machen lassen, wie er sie eben macht, und nicht, wie DU denkst dass er sie machen sollte. Kontrolle, Druck und Kritisiererei bewirken hier, wie überall im Leben, nur eine innere Blockade.
Wenn er überhaupt mal was zum Haushalt beiträgt, dann mach es NIEMALS runter (selbst wenn du´s für Pipifax hältst); reagiere entweder neutral oder erfreut.

Lies dazu auch unbedingt diese Beiträge:
Mein Freund und ich sind immer bei ihm, aber seine Wohnung ist gruselig!
«Wie rette ich unsere Beziehung?»
Darin findest du auch ein Video von mir, das du bitte auf jeden Fall anschauen sollst!

Viel Erfolg
Beatrice Poschenrieder