Frag Beatrice

Meine Freundin ist verärgert, dass ich auch Zeit für mich und meine Kumpels brauche

Hallo Beatrice,
meine Freundin (bald 19) und ich (20) sind seit 9 Monaten zusammen. An und für sich sind wir recht glücklich, aber in letzter Zeit haben sich einige Sachen eingeschlichen, die mir absolut nicht passen.
 Das wohl größte Problem ist zeitlicher Natur… Obwohl wir recht nah beieinander wohnen, haben wir außerhalb der Schule recht wenig Zeit uns zu sehen. Darum sehen wir uns größtenteils am Wochenende. Doch irgendwann habe ich festgestellt, dass mir auch meine Freunde fehlen – und die kann ich ebenfalls fast ausschließlich am Wochenende sehen. Als ich ihr das sagte, meinte sie, sie hätte ja keine Ahnung gehabt, und schlug den Kompromiss vor, dass wir uns eben nicht über das ganze Wochenende sehen, sondern dass ich auch gern mal was mit meinen Freunden machen könne.
Der Punkt ist der, dass sie sich selbst nicht an diesen Kompromiss hält. Sie sagt einerseits, dass sie mich nicht von meinen Freunden wegzerren will, aber andererseits zeigt sie sich enttäuscht (was ich an ihren Reaktionen eindeutig erkenne), was ich wiederum nicht will. Dann sagt sie, dass es nicht schlimm sei, aber im nächsten Moment wirft sie mir das vor. Ich habe ihr beschrieben, wie schwer es mir fällt, ihr gegenüber “Nein” zu sagen, weil sie dann immer schwer enttäuscht ist. Bisher hat sie dieses abgestritten, aber überzeugen kann sie mich nicht.

Ich habe versucht, meinen Zeitplan so zu ändern, dass wir uns während der Woche auch früher sehen können, aber ganz ist mir das nicht gelungen… ich will nicht immer ein schlechtes Gewissen haben, nur weil ich überhaupt darüber nachdenke, mal einen Abend nichts mit ihr zu machen.
Aber das Schlimmste, was mir zu schaffen macht, ist die Erkenntnis meinerseits, dass ich sie zwar sehr liebe und wirklich nicht vermissen will, aber gleichzeitig nicht ständig bei ihr sein kann.
Letztlich endet es jedesmal im Streit, wenn wir darüber diskutieren. Ich komme mit ihrer offenbaren Unschlüssigkeit nicht zurecht, sie nicht mit meinem Wunsch nach unbeschwerter Zeit für mich selbst.
Hätten Sie vielleicht einen Rat für mich? Ich bin mit meinem Latein am Ende.
Vielen Dank im Voraus, Marten (20)

Lieber Marten,
ich hätte ein paar Fragen an dich:
1) Wie oft seht ihr euch tatsächlich? Und für jeweils wie lange?
2) Was macht ihr, wenn ihr euch seht?
3) Ist das, was ihr in eurer gemeinsamen Zeit macht, nach dem Geschmack deiner Freundin? Oder eher nach deinem?
4) Wie oft und wie lange siehst du deine Kumpels?
5) Wäre es evtl. möglich, ab und zu deine Freundin zu den Treffen mit den Kumpels mitzunehmen? Wenn nein, warum nicht?
6) “Ich habe versucht, meinen Zeitplan so zu ändern, dass wir uns während der Woche auch früher sehen können, aber ganz ist mir das nicht gelungen…” Inwiefern? Kannst du deine Freundin nicht nachmittags sehen? Warum nicht?
7) Wenn du frei entscheiden könntest – wie oft und wie lange jeweils würdest du sie sehen wollen?
Bis dann, Beatrice

Hi Beatrice,
Zu Ihren Fragen:

1. Grundlegend mindestens einmal die Woche am Wochenende, dann auch häufig für den halben Tag, ab und zu übernachtet sie bei mir oder ich bei ihr. Dann unregelmäßig innerhalb der Woche, meist dann auch nur ein oder zwei Tage, jeweils für vielleicht drei bis vier Stunden.
2. Die meiste Zeit bleiben wir dann bei demjenigen zu Hause, reden viel, hören Musik, schlafen auch recht häufig miteinander.
Allerdings versuchen wir wenigstens alle zwei Wochen etwas anderes zu machen, wir gehen ins Kino, Schwimmen etc.
3. Wir versuchen so weit es geht, etwas zu finden was uns beiden Spaß macht. Wir haben bereits akzeptiert, dass wir in unserer Freizeit gern unterschiedliche Dinge tun – so bin ich eher ein Partygänger, während sie lieber in die Disko geht – was ich persönlich gar nicht leiden kann. Doch das war bisher nicht so ein Problem, da wir beide Spaß an unseren gemeinsamen Unternehmungen haben.
4. Recht selten, alle zwei Wochen meist einen Abend lang, und das ausgerechnet am Wochenende. Weiterhin habe ich noch eine kleine Truppe (sechs Mann) von Freunden, mit denen ich meinen Sonntag Nachmittag verbringe, innerhalb der Woche allerdings fast nie.
5. Das haben wir bereits ein paar Mal versucht und dann aufgegeben. Sie kommt mit meiner Clique nicht gut klar, weil sie völlig verschiedene Gemüter haben. Das heißt nicht, dass meine Kumpels sie nicht mögen, sie wurde ein paar Mal ausdrücklich zu Sachen eingeladen. Allerdings stellt sie sich da teilweise selbst quer, von wegen sie möchte nicht so viel Zeit mit Leuten verbringen, die sie kaum beachten und mit denen sie sich kaum unterhalten kann. Ich selber kann das zwar nachvollziehen, aber für mich wäre das kein Grund, um nicht zu versuchen, mich mit ihren Bekannten anzufreunden.
6. Der Punkt ist, dass wir beide in diesem Jahr Abitur machen. Daher ist unser Stundenplan ohnehin schon recht voll, aber von mir wird noch anderes verlangt. Ich gehe regelmäßig zum Training, muss mich teilweise um den Haushalt kümmern und zwischendurch immer wieder dies und das, wie z.B. Gartenarbeiten oder Hunderundgänge. Das sind alles Sachen, die es mir (besonders zuzüglich Hausaufgaben, Referate und Lernen) nicht erlauben, vor fünf oder sechs Uhr irgendeine Art von Freizeit einzuplanen. Natürlich möchte ich davon auch einen gewissen Teil für mich.
7. Das ist eine schwierige Frage für mich. Ich möchte schon mehr mit ihr zusammen sein, andererseits bin ich ein Mensch, der auch recht viel Zeit für sich selbst braucht. Ich kann mich nur schwer auf (grobe) Zeiten festlegen… Die Vorstellung, mit ihr zusammen zu wohnen, ist für mich kein Thema, doch wie wir uns jetzt sehen, ist mir auch zu wenig. Wenn wir wenigstens noch ein, zwei freie Tage während der Woche hätten, wo wir uns für einige Stunden sehen könnten, was weiß ich, vier, fünf Stunden, dann wäre das gut so. Immerhin ist sie mir da recht ähnlich und braucht auch einige Zeit für sich. Der Konflikt besteht allerdings weniger darin, wie oft wir uns sehen wollen, sondern wie oft wir es schaffen – dazu kommt eben noch mein Wunsch, mehr mit meinen Freunden zu unternehmen.
Gruß, Marten

Lieber Marten,
zu deinem Problem hätte ich folgendes zu sagen:
Zum Teil ist es ja dadurch bedingt, dass ihr in der Abiturphase seid und viel Zeit für Schule und Lernen drauf geht. Aber ich schätze, ihr habt´s bald hinter euch, oder? In ein paar Monaten? Das ist eine absehbare Zeit, und manchmal kann man eine schwierige Phase besser überstehen, wenn man vor Augen hat, dass die erschwerenden Faktoren bald weniger werden.
Ferner ist es so, dass man, wenn man wenig Zeit hat, leider immer Prioritäten setzen muss. Was ist dir wichtiger: die Freundin oder die Kumpels? Wobei eine Beziehung natürlich wesentlich mehr Pflege braucht als eine Kumpelfreundschaft.
Eine Beziehung kann kaputtgehen, wenn du nur einmal in der Woche dafür Zeit hast, denn das ist keine Basis für eine funktionierende Beziehung. Ein halber Tag am Wochenende und ein paar Stunden in der Woche, das ist auch zu wenig, vor allem wenn man noch nicht mal ein Jahr zusammen ist.
Hingegen eine gute Kumpelfreundschaft übersteht es sogar, wenn man sich mal ein paar Monate nicht sieht. Vielleicht solltest du deine Freunde auf die Zeit nach dem Abi vertrösten? Wichtig ist nur, dass man regelmäßig Kontakt hält, z.B. über Telefon und Email.
Ferner kannst du überlegen, ob du nicht ein paar deiner Tätigkeiten mit deiner Freundin verbinden kannst? Z.B. zusammen lernen, zusammen den Hund ausführen… Immerhin wohnt ihr nah beisammen, da kann man sich doch auch prima mal nur für ein oder zwei Stündchen sehen. Das ist allemal besser als sich nicht sehen.
Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder

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