Mein Freund zeigt immer weniger Initiative, liebt er mich nicht mehr?

Hi Beatrice,
ich hoffe, Du hast einen Rat für mich.
Ich bin seit 9 Monaten mit meinem Freund (20) zusammen und hänge sehr an ihm. Er ist zwar das genaue Gegenteil von mir, aber genau dass er so anders ist als ich, reizt mich an ihm. Er ist ziemlich spießig (bin ich überhaupt nicht), eher inaktiv (ich muss immer was machen) und auch sonst sind wir sehr verschieden. Die letzten Monate hat‘s super geklappt, wir haben uns toll ergänzt – er hat mir manchmal meine Hektik abgenommen und ich ihm sein Rumhängen ausgeredet. Ein Problem ist, dass er 50 km weit weg wohnt und er arbeitet und ich zur Schule gehe – das heißt, wir sehen uns oft nur am Wochenende (meistens auf meine Initiative).
In der letzten Zeit hat er immer weniger die Initiative ergriffen, mal herzukommen oder mich zu treffen. Er freut sich immer wahnsinnig, wenn wir uns sehen, und meckert rum, wenn ich mal keine Zeit hab.
Naja, mein eigentliches Problem ist, dass ich nicht weiß, was ich tun soll. Meine beste Freundin und meine Mutter sagen beide, ich wäre abhängig von ihm, was ich aber nicht finde. Ich liebe ihn sehr und will mich eigentlich auch nicht von ihm trennen, aber ich weiß nicht mehr, was ich denken soll. Wenn er mich so liebt, wie er es sagt, würde er dann öfter herkommen, oder ist er einfach so und ich muss es akzeptieren? Vielleicht hat er auch nur einen Durchhänger oder weiß nicht, wie nahe mir sein Verhalten geht. Aber vielleicht will er mich auch los sein. Ich will ihn nicht darauf ansprechen, weil ich Angst vor einer Antwort habe.
Vielleicht hast du ja einen Tipp für mich….
Olivia (19)

Hi Olivia,
ich schätze, bei dir ist es wie bei mir: wir beide sind die Energiebündel, unsere Jungs im Vergleich dazu eher die Phlegmatiker. Einer meiner Ex war leider auch so. In den ersten 6 Monaten hatte er sich noch ziemlich reingehängt, dann ließ er allmählich nach. Seine wahre Natur (Faulheit) brach durch – immer weniger Eigeninitiative. Ist ja auch praktisch, wenn man so eine aktive und zupackende Freundin hat, die übernimmt das Planen und so weiter für einen. Gell?
Dass er mich noch lieb hatte, erkannte ich daran, dass es, so oft wir zusammen waren, sehr nett und harmonisch und zärtlich war, und dass er mich täglich anrief (falls ich ihn nicht anrief), wenn wir uns nicht sahen.
ABER: Man will ja nicht immer alles allein auf die Beine stellen. Also dachte ich mir, jetzt lasse ich mal meine Initiativen und Aktivitäten, mal sehen, was dann von ihm kommt. Ich musste mich bloß ein paar Tage in Geduld üben, dann fragte er am Telefon, ‘wann sehen wir uns?‘
Ich: ‘Weiß nicht.‘
Er: ‘Übermorgen?‘
Ich: ‘Da bin ich schon mit Steffi verabredet.‘
Er wurde nervös und fing an zu planen (‘äh, äh, wir könnten ja morgen ins Kino gehen oder zum Badminton…?‘), und ich ließ ihn machen und blieb ganz ruhig und freundlich. Seitdem wartete ich öfter ab, denn offenbar brauchte er einfach ein bisschen länger, um die Initiative zu ergreifen.
Vielleicht hast du auch wie ich die Tendenz zur Ungeduld und zur Schnelligkeit, während wir bei Menschen mit einem anderen Tempo eben ab und zu mal Geduld üben müssen. Damit sie überhaupt Gelegenheit haben, Initiative zu entwickeln.
Versuch‘s doch mal! Und bitte schau dazu auch mein Youtube-Video “Mann ändern” (siehe unten).
Beatrice Poschenrieder