Ihre Eifersucht tötet meine Gefühle für sie

Auf der neuen Arbeitsstelle hat er sich mit Kollegen und Kolleginnen befreundet, unternimmt öfter etwas mit ihnen. Seine Frau dreht durch vor Eifersucht

Liebe Beatrice,
vielleicht kannst du mir und uns helfen!
Ich habe eine neue Arbeitsstelle seit vier Monaten mit sehr vielen netten Arbeitskollegen/innen. Wir unternehmen mittlerweile gelegentlich was, sei es zusammen ausgehen, ins Schwimmbad gehen, Firmenfeiern ect. (so ca. 1 x in der Woche). Verbunden damit ist, ich fahre jeden Tag zur Arbeitsstätte 160 KM, dass ich hier dann auch mal in der Firma übernachte, allein aus Kosten- und Bequemlichkeitsgründen. Und genau das ist mein Problem, bzw. es ist ein Problem meiner Ehefrau, mit der ich seit gut sieben Jahren zusammen und seit einem Jahr glücklich verheiratet bin (wir haben sexuell überhaupt keine Probleme).
Ich habe meine Frau auch in aller Offenheit über das gute Verhältnis zu 3 -­ 4 Arbeitskolleginnen unterrichtet. Auch dass ich mit zwei Frauen im gelegentlichen belanglosen SMS-und Mail-Verkehr stehe. Ich habe ihr versucht zu erklären, dass es sich hier wirklich um ein total gutes freundschaftliches Verhältnis handelt.
Aber meine Ehefrau schiebt jetzt schon seitdem absolute Panik, dass da irgendwie mehr wäre. Ich habe ihr zigfach erklärt, dass dem nicht so ist, aber sie glaubt es nicht. Ich hab es ihr geschworen, bei unserem Kinde, aber sie glaubt es nicht und schnüffelt inzwischen in meinen Sachen herum, stellt mir nach, liest meine SMS und löscht sie dann und belügt mich, dass sie das nicht war. Im Nachhinein hat sie es dann doch nach mehreren Aufforderungen zugegeben.

Sie schnüffelt nicht nur in meinem Handy, sie löscht sogar Nachrichten an mich!


Sie versucht mich nun zu überwachen, mich einzuschränken und engt mich immer mehr ein. Inzwischen nimmt sie mir gar die Luft zum Atmen! Habe ich ein mehrtägiges Seminar, bekommt sie die Krise, weil ich notgedrungen auswärts übernachte. Bin von ca. 365 Nächten ca. 360 Nächte bei ihr und das ist schön so, weil wir neben Schmuserei auch jeden Abend ca. 1 – 2 mal Sex haben und in der Früh meistens auch noch.
Mittlerweile hat sie sich bei einem gemeinsamen guten Freund ausgeweint. Sie hat mich bei ihm angeklagt, sie hat ihm die Situation mit meinen Arbeitskollegen erläutert, hat ihm aber auch Intimitäten erzählt, die uns nur beide was angehen, die ich ihr aus meiner früheren Jugendzeit anvertraut habe und auch nichts mit ihrem krankhaften Eifersuchtsproblem zu tun haben.

Sie hat nun erreicht, dass ich absolut down bin. Ich bin so was von fertig, das vermag sie sich gar nicht vorstellen. Ich weiß nicht, wie ich mich auf meine Arbeit konzentrieren soll.
Sie kann mir doch nicht anordnen, ich solle den Kontakt mit meinen Kolleginnen meiden und ja schön jeden Abend nach Hause kommen, nur damit sie absolut sicher ist, dass ich bei keiner im Bett liege. Ich habe zu ihr gesagt, dass ich bei einer Stunde Mittagspause täglich genug Zeit hätte, mit der oder der rumzubumsen, wenn da was wäre, aber ich will ihr zu verstehen geben, dass da doch nichts ist, überhaupt nichts. Von meiner Seite und auch von Seiten meiner Kolleginnen!
Mit zwei dieser Kolleginnen habe ich ein sehr gutes und auch inniges freundschaftliches Verhältnis, das ich mit Sicherheit auch durch ihre hysterische Eifersucht nicht kaputt machen lassen will.

Ich bin froh, dass ich jetzt Freunde gefunden habe, die sie mir aber aufgrund unbegründeter krankhafter Eifersucht nehmen will.
Weißt du, wie viel Freunde ich habe? Richtige Freunde? Eigentlich keine! Eltern habe ich keine, sind gestorben, bin seit meiner Kindheit in einem Heim aufgewachsen. Meine Freunde vom Kinderheim sind nach allen Richtungen verzogen. Geschwister habe ich welche, weiß aber nicht wo die leben. Habe sie nie kennen gelernt.
Ihre Eltern, hauptsächlich ihr Vater, sehen in mir ein Heimkind, akzeptieren mich nicht.
Zuletzt meine Kinder, aus 1. Ehe, die ich auch über alles liebe, sie lieben mich, sind aber nicht bei mir. Ich hab sie verlassen wegen meiner jetzigen Ehefrau.

Ich habe meiner Ehefrau vor kurzem gesagt, dass ich mit ihr verheiratet bin, weil ich sie begehre und liebe. Ich sagte ihr: „Vertrau und glaub mir endlich. Wir müssen uns gegenseitig vertrauen und das Tun und die Wünsche des Anderen akzeptieren, dürfen uns nicht belügen. Wenn wir beide das schaffen, dann sehe ich unserer gemeinsamen Zukunft positiv entgegen, denn die Voraussetzungen dazu haben wir ja.“
Wir haben auch die Verantwortung für zwei kleine hilflose Kinder, das zweite Kind ist unterwegs, die Mama und auch Papa brauchen.
Und da liegt evtl. der Knackpunkt. Sie hat Angst, dass es ihr so geht wie meiner ersten Frau, die ich wegen ihr verlassen habe. Sie verspricht mir immer, sie wolle sich ändern, die krankhafte Eifersucht abstellen, aber sobald das Telefon, das Handy geht…, schreckt sie schon hoch! Ich war schon immer sehr selbständig, habe mit 16 Jahren meine eigene Wohnung gehabt, aber das was mir nun widerfährt, kommt mir so vor, als ob ich entmündigt geworden bin und mir ein Vormund in Form meiner Ehefrau gestellt wurde.
Wenn sie so weitermacht, macht sie alles kaputt!!!
Soll ich etwa mein Arbeitsverhältnis kündigen? Wir haben gebaut, ich bin so gut wie Alleinverdiener, wir benötigen doch das Geld!
Gruß, Frank (39)

Lieber Frank,
ich verstehe, dass du dich entmündigt, kontrolliert und eingeengt fühlst, und das bewirkt leider, dass du deine Frau allmählich betrachtest wie einen Feind. Das ist verständlich, aber extrem kontraproduktiv. Bitte versuche, sie trotz ihrer teils unangenehmen Aktionen mit den Augen der Liebe zu betrachten und zu behandeln. Sie tut das alles nicht, weil sie dir schaden will, sondern weil sie von Angst und Panik erfüllt ist. Diese hängen schon auch mit dem „Schicksal“ deiner Exfrau zusammen, aber es muss dafür auch noch ein paar andere Gründe geben. Neben einer starken Verlustangst, die ihre Ursachen sicher in der Kindheit deiner Frau hat, könnte es noch ein paar Neben-Auslöser geben.
War der Ton in einigen der SMSen von den Kolleginnen zu flirtend oder gar anzüglich? Bist du deiner Frau schon mal fremdgegangen? Ist ihr das mit ihren Expartnern passiert? Musste sie in ihrer Kindheit unter den Seitensprüngen ihrer Eltern leiden? Hat sie als Kind einen schmerzhaften Verlust erlitten? Wurde sie von einem Elternteil abgelehnt oder sehr viel alleingelassen?
Was auch immer es ist: Ich kann hier weder Ursachenforschung noch ­-behebung betreiben und lege euch wärmstens eine Eheberatung ans Herz. Sprich nochmal mit deiner Frau, und zwar mit den Worten der Liebe, nicht anklagend: Ihr müsst schnellstens was tun, bevor eure Ehe den Bach runtergeht. Mach ihr liebevoll klar, wie ernst dir damit ist.

Bis die Eheberatung einsetzt, solltest du vorübergehend so weit wie möglich auf deine Frau eingehen, einfach um sie zu beruhigen und wieder positiver zu stimmen:
– Unterlass jegliche SMSen mit den Kolleginnen (schließlich siehst du die auch auf der Arbeit!).
– Meide auch Telefonate mit ihnen so weit als möglich, sag ihnen, sie sollen dich nicht in deiner Freizeit anrufen, stell das Handy ab.
– Falls du mal wesentlich länger auf der Arbeit bleiben oder gar übernachten musst, dann ruf deine Frau so bald wie möglich an, um Bescheid zu geben, sende zusätzlich eine Gute-Nacht-SMS.
– Stemple sie nicht als “krankhaft“ ab, so als ob das Ganze nur ihrem wahnhaften Hirn entspringt. Mach dir intensive Gedanken, in welchen Punkten du dazu beiträgst bzw. beigetragen hast.

Ich sage nicht, dass du die Freundschaft mit den Kolleginnen lassen sollst. Aber beschränke sie vorerst auf die Arbeitszeit. Außerdem finde auch ich als Außenstehende es ein wenig merkwürdig, dass du bis jetzt keine richtigen Freunde hattest und nun plötzlich mit zwei Kolleginnen eng befreundet bist (“sehr gutes und auch inniges freundschaftliches Verhältnis”). An Stelle deiner Frau würde mich das auch sehr stutzig machen. Da ist sicher nicht nur Freundschaft, sondern auch ein wenig Flirt, oder? Und wieso hast du keine engen männlichen Freunde? Für eure Ehe wäre es sicher gut, wenn du da mal ansetzen würdest.

Bitte lies auch in meiner Liebes-Beratung:
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Alles Gute, Beatrice Poschenrieder