Ich onaniere zu Pornos, meine Freundin reagierte extrem böse, als ich´s ihr gestand

Liebe Beatrice,
vor kurzer Zeit habe ich meiner Freundin gestanden, dass ich häufig onaniere und mir dabei auch Anregung im Internet hole. Von selbst hätte ich das wohl nicht getan, aber ich wollte sie, nachdem sie gefragt hat, auch nicht belügen. Zumal Selbstbefriedigung für mich etwas ganz Natürliches ist und es im umgekehrten Fall auch kein Problem darstellen würde.
Dass sie nicht begeistert wäre zu erfahren, dass ich mir Pornos anschaue, war mir klar, aber nicht, dass sie derart heftig reagieren würde. Für sie kommt es einem Betrug gleich. Meine Pornosammlung (von der sie wusste) habe ich gelöscht, was bei dem heutigen Überangebot an Sexclips usw. sicher nur eine Geste ist. Ich habe versucht ihr klar zu machen, dass diese Frauen keinerlei Konkurrenz für sie darstellen, da sie für mich nicht realer sind als Phantasien. Auch Häufigkeit und Qualität unseres Sexuallebens sind mit menschlichen Worten wohl kaum zu beschreiben, soll heißen „wundervoll“ wäre eine maßlose Untertreibung.
Selbstbefriedigung ist für mich kein Sexersatz, sondern etwas Eigenständiges. Ich habe Freude an mir und genieße es einfach. Wenn ich gewusst hätte, wie schlimm das für sie ist, hätte ich versucht diesem Bedürfnis zu widerstehen.
Für sie ist das die Erklärung, warum wir längere Zeit keinen Sex hatten; wobei das ihre Sicht der Dinge ist; ich halte 3 Tage ohne Sex nicht für einen langen Zeitraum, sondern eher für eine natürliche Schwankung, die nicht im Zusammenhang mit meiner Selbstbefriedigung steht. Es ist auch nicht so, dass ich dadurch weniger Lust auf sie hätte. Was sie mir aber leider nicht glaubt. Sie sagt, sie könne mir nicht mehr vertrauen. Was mir das Gefühl gibt, ich hätte etwas Unverzeihliches getan. Ich liebe meine Freundin mehr als ich jemals jemanden auf dieser Welt geliebt habe, und es erfüllt mich mit absoluter Panik, dass ich das Einzige zerstört haben könnte, was dieses Leben lebenswert macht.
Ich hoffe, Du kannst mir einen Rat geben, wie ich diese Beziehung retten kann, denn ich weiß nicht, ob ich ohne sie leben kann.
Sebastian (31)

Lieber Sebastian,
einerseits gebe ich dir Recht: hast du absolut nichts Unverzeihliches getan, sondern etwas, was sehr viele Männer tun. Andererseits muss ich dir widersprechen, wenn du es “etwas ganz Natürliches” nennst. Nun, Selbstbefriedigung ist durchaus etwas Natürliches, aber Pornos eben nicht – und falls du so vor deiner Freundin argumentiert hast, macht sie das noch wütender und verstörter.
Auch deine Argumentation “Selbstbefriedigung ist für mich kein Sexersatz, sondern etwas Eigenständiges. Ich habe Freude an mir” finde ich etwas schief und krumm, denn unter “Freude an sich selbst” würde man sich ja was anderes vorstellen als Pornokonsum. Zumal du ja offenbar eine ganze Sammlung hattest, und da war bestimmt auch hartes Zeug dabei.
Deine Freundin ist ja gar nicht gegen dein Onanieren, sie ist gegen den Pornokonsum! Schau mal, ob du die Pornos dabei weglassen kannst. Und wenn du das nicht kannst, dann steh dazu, statt es mit den o.g. Argumenten zu verbrämen. Weißt du, wenn mein Freund etwas machen würde, von dem ich denke, dass es unsere Beziehung untergräbt, und er tut das ab mit so schiefen und beschönigenden Argumenten, dann krieg ich erst recht ein Vertrauensproblem! Da wär´s mir lieber, er sagt geradeheraus: “Ich steh da halt drauf und mag es ungern lassen.”
Dann weiß ich, woran ich bin und dass er einen ehrlichen Blick auf seine Sache da hat, und dann haben wir eine Verhandlungsbasis.

Jetzt zu deiner Freundin. Ja, sie könnte (und sollte) gelassener reagieren. Es ist ziemlich übertrieben von ihr, da so ein Fass aufzumachen und dir die Hölle heiß zu machen. Ich meine, was denkt sie denn – dass du ihr Besitz bist? „Für sie kommt es einem Betrug gleich“ – das ist so albern! Ihr Getöse hat viel mehr mit einem Mangel an Selbstwertgefühl zu tun als mit einem „Vergehen“ deinerseits. Immerhin habt ihr ja ein gutes Sexualleben und eine gute Beziehung! Das wäre was anderes, wenn du lieblos und kalt wärst und dir immer nur vor dem PC einen runterholen würdest, statt mit ihr zu schlafen. Denn wenn sie Pornomädels als Konkurrenz betrachtet, hat sie tatsächlich ein viel zu geringes Selbstwertgefühl. Und dass sie jetzt indirekte Drohungen äußert – „sie könne mir nicht mehr vertrauen“ – zeigt, dass sie ihren Ängsten erlaubt, die Beziehung zu stören. Das ist nicht gut.
Ferner ist überhaupt nicht gut, dass ihr beide zu fixiert aufeinander seid – sie, indem sie schon in Panik gerät und dir total zusetzt, nur weil du zu Pornobildchen onanierst, und du, indem du ebenso in Panik gerätst von ihrer völlig unangemessenen Reaktion: „Es erfüllt mich mit absoluter Panik, dass ich das einzige zerstört haben könnte, was dieses Leben lebenswert macht. Ich hoffe, Du kannst mir einen Rat geben, wie ich diese Beziehung retten kann, denn ich weiß nicht, ob ich ohne sie leben kann.“
Hilfe, das ist absolut nicht gesund für eine Beziehung, wenn man emotional so extrem abhängig voneinander ist! Denn dann passieren genau solche Sachen wie bei euch jetzt: dass einen schon harmloses Zeug aus der Bahn wirft und großen Kummer bereitet.
Von daher lautet mein sehr ernsthafter Rat: Steh zu deiner “Pornonanie”, selbst wenn es deiner Freundin nicht gefällt, reduziere den Pornokonsum aus freien Stücken. Sie wird sich wieder beruhigen. Und wenn sie sich nicht beruhigt, dann liebt sie dich nicht wirklich. Denn wegen sowas macht man nicht eine Beziehung kaputt. (Das meine ich ernst.) Wenn sie es nicht glaubt: Schick sie zu mir in die Intensiv-Beratung (siehe www.liebesberaterin.de).
Herzlichst, Beatrice Poschenrieder