Gefährden Zank / Streitereien die Beziehung? Sind kleine Machtspiele normal?

Zank, Streit, Kabbeleien, Machtspielchen, dicke Luft in einer Partnerschaft: Was ist normal, wann wird es gefährlich für die Paarbeziehung?

Zank, Streit, Kabbeleien, Machtspielchen, dicke Luft: eine Gefahr für die Beziehung?

Hi Beatrice,
ich kenne meine Freundin seit zwei Jahren. Unsere Beziehung ist super, wir lieben uns unendlich. Der Sex mit ihr ist auch herrlich, tabulos und reichlich.
Eigentlich ist es eine perfekte Beziehung. Das einzige, was jetzt schon ein paarmal vorgekommen ist: Streitereien. Genauer gesagt, dass wir uns über lächerliche Kleinigkeiten zanken (“Du wolltest um 19 Uhr anrufen, jetzt ist´s 20 Uhr…”). Allerdings merken wir beide, dass es uns oftmals nur darum geht, zu schauen, wessen Herz als erstes erweicht und wer als erstes nachgibt. Das passiert aber eigentlich nur am Telefon! Ansonsten habe ich mich mit ihr in den letzten zwei Jahren fast nie gestritten, höchstens mal gekabbelt.
Sind diese kleinen Machtspiele normal und siehst Du darin eine Beziehungsgefahr?
Dass noch was… Neulich waren wir uns mal uneinig (hatten eine Auseinandersetzung, wie oft wir ihre Eltern besuchen) und dann gab es ein paar Stunden lang Schweigen und dicke Luft zwischen uns. Ist das beunruhigend?
Herzlichst, Bruno (25)

Hi Bruno,
das klingt ja eigentlich nach einer tollen Beziehung!
Du willst wissen: Sind diese kleinen Machtspiele normal? Ja.
Sehe ich darin eine Beziehungsgefahr? Nur wenn der Zank überhand nimmt und einen merklichen Teil eurer gemeinsamen Zeit vergiftet. Aber mal ausnahmsweise ein paar Stunden miteinander schmollen, das ist noch kein Grund zur Beunruhigung.

Streit, Zänkereien, kleine Machtspiele, Auseinandersetzungen: All das gehört zu einer lebendigen Beziehung. Denn es wird nie zwei Menschen geben, die genau gleich sind und immer das gleiche wollen. Es gibt immer Punkte, wo der eine dies will, der andere das, oder der eine dies meint, der andere das. Und darüber muss man sich auseinandersetzen, um auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. In den meisten Partnerschaften, in denen (angeblich) nie gezankt wird, ordnet sich der eine stets unter – und irgendwann (oft erst nach Jahrzehnten) platzt die Bombe: da wird dann heimgezahlt oder zu jemand anderem übergewechselt oder einfach gegangen.
Auseinandersetzungen dienen dazu, seine Individualität zu wahren, was sehr beziehungsförderlich ist, denn so wird man einander nicht so schnell langweilig und das “Prickeln” bleibt gewahrt.

Wichtig ist eigentlich nur, dass man “fair” streitet und diskutiert: nicht verletzend wird, nicht allzu unsachlich, nicht verallgemeinernd (“immer bist du..”, “nie machst du…”); ganz furchtbar ist auch, in uralten Geschichten herumzurühren oder dem Partner ein Etikett aufzukleben (“Du bist und bleibst eine Nörgeltante”).

Wichtig ist ebenso, dass man nie aus den Augen verliert, worum es eigentlich geht (nein, es geht nicht um die eine Stunde, die du zu spät angerufen hast! sondern darum, dass sie das Gefühl hat, du hast sie “vergessen” oder denkst nicht so viel an sie wie sie an dich), und letztendlich eine machbare Lösung oder den erwähnten gemeinsamen Nenner findet.

Wenn ein Streit in eine finstere Sackgasse geraten ist, ist Humor ein guter Ausweg, oder auch eine kleine versöhnliche Geste: z.B. sich in den Arm nehmen oder den Partner einfach nur berühren.
Es kann nicht schaden, wenn du für euch beide dazu diese beiden Bücher besorgst, wo es gute Tipps und Hintergrund-Infos bezüglich Streiten gibt:
Streit ist auch keine Lösung: Wie Sie in Ihrer Partnerschaft das bekommen, was Sie wirklich wollen

Konflikt und Streit: Wie wir konstruktiv mit ihnen umgehen

Auch ganz unten bei den “Verwandten Beiträgen” findet ihr noch ein paar interessante Briefe!

Alles Gute wünscht euch
Beatrice Poschenrieder