Dauerstreit, Langeweile, Lustlosigkeit… aber wir lieben uns doch!

Hallo Beatrice,
ich habe ein Problem mit meinem Mann. Wir lieben uns sehr, denken wir zumindest. Wir sind 8 Jahre zusammen und davon 2 Jahre verheiratet. Wir haben auch ein einjähriges Kind.
In letzter Zeit möchte er immer öfter zärtlich sein, was dann meistens zum Sex führt, außer ich gehe nicht darauf ein. Ich fühle mich richtig bedrängt, obwohl er mich nicht bedrängt. Aber ich kann einfach nicht. Ich kann keine Lust entwickeln. Ich empfinde ihn dann auch oft als widerlich. Was ist denn los mit mir? Macht der Alltag uns kaputt?
Unsere Beziehung ist ziemlich langweilig geworden und wir streiten uns ständig, wegen allen möglichen Kleinigkeiten, was sich dann auch immer zu einem Riesenstreit entwickelt und ich die Beziehung beenden möchte. Die Streits nehmen oft 80 % der Zeit in Anspruch, die wir zusammen haben.
„ComicIch habe schon paar mal versucht einen Abend mit ihm auszugehen und es hätte fast geklappt, doch dann ist ihm wichtiger gewesen, sich um andere Dinge zu kümmern, und wenn ich dann sauer war, meinte er, er wusste nicht, dass mir so viel daran liegt. Hat er denn keine Lust mit mir auszugehen, an unserer Beziehung zu arbeiten? Mir scheint, als ob ihm alles egal ist.
Er sagt auch immer, was ich denn habe, es sei doch alles in Ordnung.
Was mich auch sehr aufregt, ist, wenn ich mit ihm reden möchte, dass er sagt: Ich will nicht diskutieren, du willst alles immer totreden.
Was soll ich tun?
Ich könnte nur noch heulen und denke nur noch, dass uns eine Trennung gut tun würde. Aber ich liebe ihn doch. Bitte hilf mir, Beatrice. Mit meinen Freunden kann ich darüber nicht reden und mit meinem Mann auch nicht.
Franzi (28)

Liebe Franzi,
da hilft nur eines: Radikal-Kur. Dein Mann muss leider ordentlich eins vor den Bug kriegen, damit er mal aufwacht. Du hast nämlich vollkommen recht: Es ist allerhöchste Zeit, dass ihr was für eure Beziehung tut! Sonst geht sie komplett den Bach runter. Deine Lustlosigkeit ist ein wirklich ernstes Signal dafür, und ich kann dich gut verstehen, dass du bei all den Streitereien und der Passivität und Sturköpfigkeit deines Mannes keine Lust auf Intimität mehr hast.
Du berichtest: “Die Streits nehmen oft 80 % der Zeit in Anspruch, die wir zusammen haben.”
Du meine Güte! Das ist VIEL ZU VIEL!!!!!!! Dass du die Beziehung oft beenden möchtest und sie als “langweilig” bezeichnest, sind auch schlimme Alarmzeichen.

Also: Mach so bald wie möglich einen Termin bei einer Ehe- oder Paarberatung (z.B. bei Pro Familia). Dort könnt ihr z.B. herausfinden, warum ihr so viel streitet, und lernen, eure Konflikte auf eine friedlichere und für beide befriedigendere Art zu lösen.
Frag deinen Mann, ob er mitkommt. Ich schätze, er wird nein sagen, also geh allein hin und schildere dem Berater / der Beraterin deine Eheprobleme, auch die Lustlosigkeit (das ist ja sehr verbreitet, also schäm dich nicht!). Wenn du das Gefühl hast, dass diese Beratung deiner Ehe nützen würde, dann erzähle deinem Mann davon. Versuch ihn zu überreden, wenigstens zu einem Termin mitzugehen. Zeig ihm, dass du´s überaus ernst meinst.
Er will nicht?
Dann pack dein Kind und ein paar Sachen und zieh aus (zu deiner Familie, zu einer Freundin…). Lass dich nicht von ihm aufhalten! (mach´s am besten, wenn er nicht zuhaus ist). Sei konsequent! Es geht um die Rettung deiner Ehe! Dein Mann wird alles Mögliche versuchen, um dich nach Haus zu kriegen. Lass dich nicht mit dem bloßen Versprechen locken, sondern komm erst heim, wenn er tatsächlich mit dir eine Eheberatungs-Sitzung gemacht hat.
Selbst wenn die Beratung nicht viel nützt (meiner Erfahrung nach nützt sie meist ganz gut), so wird er doch dann inzwischen erkannt haben, dass er tatsächlich was an seiner Einstellung gegenüber der Beziehung ändern muss – und natürlich an der Beziehung selbst auch.
Und mach dir keine Sorgen, dass er dir davonläuft oder sowas: Das wird er nicht. Jedenfalls nicht, wenn er dich tatsächlich noch liebt. Ich denke halt eher, dass ihr euch im Lauf der Zeit in eine gegenseitige Abwehrhaltung hineinmanövriert habt.
Alles alles Gute
Beatrice Poschenrieder