Woran liegt es, dass ich mich in eine andere verliebt habe?

Hallo Beatrice,
ich bin ratlos. Als dynamischer Vierziger, beruflich erfolgreich, mit Familie (2 Kinder), Haus, Ferienhaus und allen sonstigen Vorteilen des Mittelstands, lebte ich bisher in einer vertrauensvollen, monogamen Ehe. Gute und schlechte Zeiten haben die Parnerschaft reifen lassen. Lediglich in Sachen Sex gibt es quantitative Defizite (ca. 2 – 3 Monatsrhythmen). So wir Sex haben, ist das auch O.K.
Nun habe ich mich offensichtlich verliebt. Sie ist so alt wie meine Frau, sieht nicht so gut aus, aber bringt mir sehr viel Aufmerksamkeit und Bestätigung entgegen. Nach einigen Zärtlichkeiten (ohne Sex) trennten sich unsere Wege. Über moderne Medien ist das Kommunizieren jedoch recht einfach, so dass wir telefonisch weitere Zärtlichkeiten austauschten.
Nun wollen wir uns treffen. Klar geht es auch um Sex.
Nun meine Fragen:
Als bisheriger “Prinzipienreiter” (Ehe = treu) habe ich Schwierigkeiten, meine Morallosigkeit zu akzeptieren. Ich würde meine Familie niemals! aufgeben. Trotzdem bin ich entschlossen, das “Abenteuer” zu fortzusetzen und damit genau dieses Risiko einzugehen.
Wo muss ich den Fehler im System suchen? Bei meiner Partnerschaft?, bei meinem Ego?, bei meinem Alter?
Passiert das anderen, eigentlich gefestigten Menschen auch? Kann man das steuern? unterbinden?
In dankbarer Erwartung eines Denkanstoßes
Uli (41)

Verliebt in jemand anderen, aber ich will meine Ehe bewahren

Ehe beenden, nur weil ich in eine andere verknallt bin? Niemals! Abspringen verboten!

Lieber Uli,
Passiert das anderen, eigentlich gefestigten Menschen auch? Kann man das steuern? unterbinden? Dreimal ja.
Du fragst: “Wo muss ich den Fehler im System suchen? Bei meiner Partnerschaft?, bei meinem Ego?, bei meinem Alter?”
Ich schätze, in allem; naja, im Alter wohl weniger als in der Dauer der Beziehung. Ihr seid sicher schon lang zusammen – da ist viel Vertrautheit, aber keine Spannung, kein Prickeln mehr.

Ich rate dir dringend, diese andere Frau erst mal auf Eis zu legen (komplett!) und zu versuchen, wieder das in deine Ehe zu bringen, was dir fehlt und du jetzt teils von der anderen Frau bekommst: Aufmerksamkeit, Bestätigung, Zärtlichkeit, Prickeln und natürlich auch Sex.
Fang damit an, dass du genau das deiner Frau gibst (außer vielleicht Sex, falls sie da nicht so scharf drauf ist). Erinnere dich an eure Anfangszeit: wie toll du sie da fandest. Versuch, dieses Gefühl wieder in dir wachzurufen. Nimm ein bisschen inneren Abstand vom Ehetrott und betrachte sie wie ein Mann, der sie eben erst kennen lernt.
Wirb wieder um sie. Mach ein paar romantische Aktionen oder worauf auch immer sie steht. Bemüh dich, für sie wieder attraktiv zu sein (in welcher Hinsicht auch immer).
So schaffst du die Grundlagen, dass auch sie wieder anfängt, dich als einen begehrenswerten und interessanten Mann zu sehen.
Sag deiner Frau auch, dass du das Gefühl hast, die Liebe versandet allmählich im Ehetrott und dass du was machen willst, um das zu ändern. Macht euch gemeinsam Gedanken, wie ihr wieder frischen Wind in eure verstaubte Kiste bringen könnt. Verreist ohne die Kinder. Fangt zusammen ein paar neue Hobbies an. Reserviert euch jede Woche ein paar Stunden nur für euch beide und macht dann Dinge, die euch einander wieder näher bringen.
Und: Sag ihr direkt oder indirekt, dass du mehr Bestätigung, Zuwendung und Zärtlichkeit brauchst. Verrate ihr ja nichts von deiner „Freundin“, aber mach ihr irgendwie klar, dass dir ernst ist und dir in eurer Ehe vieles fehlt.

Auf meiner Seite gibt´s dazu eine Menge Briefe mit Anregungen, z.B.:
“Frischer Wind in die Beziehung”.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder
(UNTER DER WERBUNG GEHT´S WEITER!)

Hallo Beatrice,
danke.
Der rechte Weg ist mitunter ja fast zu offensichtlich. Damit Du den weiteren Verlauf kennst, hier eine kurze Zusammenfassung.
Ich habe meiner Frau die gleiche Aufmerksamkeit wie der “anderen” zukommen lassen. Da ich gerade 10 kg. abgenommen habe, ließ sich die neue Grundhaltung mit der zugewonnenen Zufriedenheit gut erklären. Meiner Frau tut das gut. Mir auch. Auch habe ich meine Bedenken und Wünsche hinsichtlich Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit und Zweisamkeit artikuliert und sie hat es verstanden. Und das wird jetzt auch besser.
Die andere habe ich allerdings schon vor Deiner Antwort getroffen. Es ging direkt ins Hotel. Die Zärtlichkeiten waren sensationell (was man alles schon vergessen hatte…). Zum Sex kam es nicht, da ich nicht konnte. Alle Bemühungen schlugen fehl. Ich schätze, dass meine Prinzipien im Unterbewustsein fest verankert sind….
Die Zeit nach diesem Treffen führte zu umgekehrten Tendenzen. Das Leben mit meiner Frau wird immer lockerer, und die Gefühle zur anderen immer etwas sparsamer.
Nach 14 Tagen dann das zweite Treffen. Da wir offen und ehrlich miteinander waren, kam die andere zur Überzeugung, dass wir in eine Sackgasse rennen. Sie weiß, dass sie mich nicht gewinnen kann, allerdings hat sie zu Hause keine so gute Basis wie ich. Darum ihre Entscheidung, unsere Affäre zu beenden, da der tägliche Schmerz die Befriedigung mehr als aufzehre. Nach einem sehr schönen Nachmittag trennten sich unsere Wege trotz bestehender inniger Zuneigung. Außer Kuscheln ist auch diesmal nichts gelaufen. Das hat den Vorteil, dass keiner “wirklich” fremdgegangen ist, obschon ich das mentale Abdriften gleichsetzen würde.
Was bleibt, ist ein fades Gefühl, das sich durch Begeisterung für meine Frau kompensieren lässt.
Meine neu gewonnene Dynamik hoffe ich hält noch ein wenig an. Wenigstens solange bis meine Frau mich wirklich wieder entdeckt Nein ich glaube, dass die eigene Trägheit der Anfang vom Ende ist. Daher der feste Vorsatz, auch meiner Frau gegenüber mehr Gefühl und Aufmerksamkeit aufzubringen.
Ende gut, alles gut?!? Wer weiß das schon.
Ich danke für deine Mail und die Aufmerksamkeit, die mir half, mich auf das Wesenliche zu konzentrieren.
Lieben Gruß, Uli