Nach seinem Seitensprung gab ich ihm eine 2. Chance, er nutzte sie nicht

Servus Beatrice,
ich (23) habe ein riesiges Problem mit meinem Freund (22). Wir haben uns vor 2 Jahren kennengelernt und nach ein paar Wochen wurde ich schwanger. Wir setzten uns mit dem „Problem“ intensiv auseinander und entschlossen uns, das Kind zu bekommen. Wir freuten uns beide riesig darauf und es lief so super zwischen uns. Wir verstanden uns blind und konnten über alles miteinander reden. Er war nicht nur mein Partner, sondern auch mein bester Freund. Wir redeten auch viel darüber, wie es ist, wenn plötzlich so ein kleines Wesen die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wir haben alles für einander gemacht und das Vertrauen war grenzenlos. Das Baby war auf der Welt und für uns war es das größte Glück auf Erden. Es hat einfach alles gepasst.

Statt mit mir eine Familie zu gründen, geht er mir fremd

Ich dachte, wenn das Kind da ist, wird alles romantisch, aber von ihm kommt eher ein Stoppschild


4 Monate später ist er dann fremdgegangen und ich verstehe bis heute nicht, warum er mir das angetan hat. In dem Moment war unsere Welt zusammen gebrochen. Das ist jetzt ca. 9 Monate her. Wir haben viel darüber geredet und ich habe ihm eine zweite Chance gegeben. Das Schlimme daran ist, dass er mich nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf betrogen hat. Er hat mir erzählt, dass er mich liebt und an sie gedacht hat (wie wohl der Sex mit ihr wäre). Er hat mir vorher aber immer versichert, dass er mich über alles liebt und mir auf keinen Fall so weh tun könnte. Ich habe ihm dann, wie gesagt, die 2. Chance und gleichzeitig zu verstehen gegeben, dass er sich mein Vertrauen erst wieder erarbeiten muss. Das hat er alles eingesehen und verstanden. Aber es kam nichts. Ich habe ihm oft die Möglichkeiten (wie er es mir beweisen könnte) vor die Füße gelegt, aber er ist einfach darüber hinweg gelaufen. Immer und immer wieder.
Dann habe ich vor kurzem mitbekommen, wie er mit einer anderen Frau die Nächte telefoniert. Er sagt, er hat sie auf einem Seminar kennengelernt und sich mit ihr nur über unsere Probleme und sonst belanglose Dinge unterhalten. Sie sagte mir zu Anfang, dass er mich liebt und dass zwischen den beiden nie was war und auch nicht sein wird, weil sie gegen mich nicht ankommt. Im gleichen Atemzug erzählt sie mir auch, dass sie sich wohl geküsst hätten und er ihr Hoffnung gemacht hat, mit seinen Äußerungen ihr gegenüber.
Ich weiß einfach nicht, was ich glauben soll. Er hat mich schon einmal betrogen und hat es nicht gebacken bekommen, danach um mich zu kämpfen. Was immer wieder zu Streitereien geführt hat und dass ich mich immer mehr verschlossen habe, einfach aus Angst, von ihm nochmal so enttäuscht zu werden. Ich weiß nicht, was ich machen soll. Er hat bis jetzt nichts gemacht, was mich spüren lassen würde, dass er es bereut und mich wirklich liebt. Ich liebe ihn und möchte ihn auch nicht aufgeben, aber ich kann diese Ungewissheit und unsere häufigen Streitereien nicht mehr ertragen. Ich merke, wie ich daran kaputt gehe. Ich habe auch schon oft an Trennung gedacht, aber das bring ich nicht fertig, weil ich ihn einfach immer noch zu doll liebe und die Hoffnung noch da ist, dass diese Beziehung endlich wieder ins Reine kommt. Er sagt, dass er das auch möchte, aber ich merke halt nichts davon… Bitte hilf mir! Ich bin echt mit meinen Nerven am Ende…
Bianca (23)

Liebe Bianca,
bei euch ist ja alles ein wenig vertrackt… Dein Freund ist wahrscheinlich viel schneller in feste Beziehung, Vaterschaft und Verantwortung hineingerutscht, als es ihm lieb war. Möglicherweise fehlt ihm auch (noch) ein wenig die Reife dazu. Kann sein, dass das Fremdgehen und auch die neue Kontaktaufnahme mit der anderen Frau eine Art Fluchtversuch sind – Flucht nicht vor dir, aber vor der zu schnell entstandenen großen Nähe und der Verantwortung. Dazu kommt vielleicht, dass ihr durch das Kind zu wenig Sex hattet? Oder dass du dem Kind sehr viel Aufmerksamkeit und Zuwendung gabst, ihm aber immer weniger? Auch in der Hinsicht sind Männer oft frustriert und holen sich Trost bei anderen Frauen. Ich will ihn nicht entschuldigen, ich will dir nur klar machen, dass das, was du erlebst, sehr oft vorkommt.
Aber du hast ja auch richtig reagiert: du hast ihm eine 2. Chance gegeben. Nun sagst du aber, dass er sie nicht wirklich nutzt, also nicht richtig um dich kämpft. Aber die Frage ist ja: Gibst du ihm Grund, um dich zu kämpfen? Wahrscheinlich nicht. Du bist ja trotz seiner Verfehlungen bei ihm geblieben. Und ein Mann kämpft nur aus zwei Gründen um seine Partnerin:
1) Er hat konkrete Angst, sie zu verlieren,
2) er hat tatsächlich etwas zu verlieren, nämlich eine tolle Frau und eine tolle Beziehung.
Aber möglicherweise warst du ihm in letzter Zeit nicht mehr eine tolle Partnerin. Hast vielleicht kaum noch mit ihm geschlafen, ihn mit Misstrauen überhäuft, an ihm rum gemäkelt, warst unzufrieden… Klar ist es normal, dass man sich so verhält, wenn man betrogen worden ist. Aber es sind leider auch genau die Verhaltensweisen, die den Partner noch weiter weg treiben. Es wäre gut, wenn du es schaffen würdest, ihm genau diese beiden Gründe zu geben. Also zum Beispiel ihm ein paar Tage lang genau wieder die Partnerin zu sein, die er haben will, aber dann, wenn er sich immer noch nicht stärker um dich bemüht, einfach das Kind zu packen, auszuziehen (oder ihn rauszuwerfen, aber radikal!) und zwei Wochen Abstand zu halten. Und wenn er dann ankommt, solltest du ihn nur unter einer Bedingung zurücknehmen: dass er mit dir eine Paartherapie / Paarberatung macht. Denn die würde euch am besten helfen.

Es kann auch noch folgender Aspekt eine Rolle spielen:
Du beschreibst, wie es in den ersten paar Monaten so super mit euch war und dass ihr euch “blind” verstandet. Nun, das ist ja eigentlich nicht der Normalzustand. Zwei Menschen sind zwei verschiedene Individuen, die niemals in allem gleichziehen und “sich blind verstehen” können – das ist ein Ideal, das viele Paare am Anfang zu etablieren versuchen, indem sie sich intuitiv sehr stark auf den anderen einstellen, um größtmögliche Harmonie herzustellen – die aber eine Scheinharmonie ist. Den wenigsten Menschen, die das so halten, gelingt es, sich anhaltend so zu verstellen und ihre Individualität so weit zurückzustellen, dass diese starke Übereinstimmung mit dem Partner bestehen bleibt.
Nun gibt es aber auch Männer und Frauen, die schon in der Kindheit lernen mussten, sich so stark auf eine Bezugsperson einzustellen, weil sonst Ablehnung oder Bindungsabbruch eintrat. Solche Menschen wahren vorneherum die Harmonie und dass sie sich auf den anderen einstellen, hintenherum machen sie aber heimlich ihr eigenes Ding, um sich selbst zu “versichern”, dass sie selbst über sich bestimmen.
Falls das auf deinen Freund zutrifft, könnt ihr auch dies nicht in Eigenregie lösen, sondern nur mit fachlicher Hilfe.

Bitte geh auch hier in meiner Liebes-Beratung stöbern nach Briefen, die zu eurer Thematik passen (vor allem in den Rubriken “Affären / Treue” und “Beziehungsprobleme” – da gibt´s viele davon!

Alles Gute
Beatrice Poschenrieder