Er kommt meist nicht oder braucht ewig, sagt aber, er brauche keinen Orgasmus

Hallo Beatrice!
Ich habe seit vier Monaten einen Freund, mit dem ich sehr glücklich bin. Wir liegen in fast jeder Hinsicht auf einer Wellenlänge, egal ob bei Alltagsfragen oder bei sexuellen Wünschen. In die letzte Kategorie fällt allerdings das Problem, dass ich habe: Mein Freund hat mich schon zum Anfang unserer Beziehung mit seinem enormen Durchhalte- bzw. Stehvermögen überrascht. Es hat immer wieder vergleichsweise lange gedauert, bis er zum Orgasmus gekommen ist. Mittlerweile hat sich das aber schon so gesteigert, dass er fast nie kommt, wenn wir miteinander schlafen und er mir durch bestimmte Gesten (er nimmt mich in den Arm; sagt mir mehrmals, dass er mich liebt) signalisiert, dass wir „aufhören“ können. Sein Glied wird einfach nicht schlaff und der erlösende Orgasmus bleibt fast immer aus.
Da mich es mich sehr belastet hat, dass ich anscheinend nicht fähig bin ihn zu befriedigen, sprach ich ihn auf dieses Problem in einer ruhigen Minute an. Er war sehr erstaunt darüber, dass ich mir so viele Gedanken darum gemacht habe, und versicherte mir, dass er sehr gerne mit mir schläft und danach immer sehr glücklich und zufrieden ist. Als ich daraufhin einwendete, dass ich Befriedigung bei einem Mann immer noch über den Orgasmus definiere, meinte er, das sei vielleicht bei anderen Männern so, aber er brauche keinen Orgasmus um Befriedigung zu erlangen.
Die Frage, die sich mir nun stellt, ist: Kann es sein, dass Männer auch befriedigt sind, ohne dass sie einen Orgasmus hatten? Oder ist es eher so, dass ich etwas falsch mache und er deshalb nicht kommt? Woran kann es liegen, dass er solche Orgasmusprobleme hat?
Ich hoffe wirklich, Du kannst mir in dieser Sache helfen!!!
Diana (23)

Liebe Diana,
ich bin mir sicher, dass es nicht an dir liegt. Es sei denn, du liegst bei Sex herum wie ein toter Fisch. Aber das trifft bestimmt nicht zu!
Also die meisten Männer definieren Befriedigung tatsächlich so, wie du es annimmst, aber wie in jeder sexuellen Angelegenheit gibt es auch hier Ausnahmen. Auch ich kenne Männer, für die „der Weg das Ziel“ ist oder die Probleme mit dem Kommen haben und daher auch mit einem schönen Verkehr zufrieden sind (bei Frauen trifft das ja noch viel öfter zu!). Ich denke, du kannst deinem Freund ruhig Glauben schenken, denn du hast ihm ja Gelegenheit gegeben, sich frei dazu zu äußern. Allerdings könntest du ein paar Sachen ausprobieren, einfach so, spaßeshalber, ohne ihm deine Absicht mitzuteilen (dass du seinen O beschleunigen willst) – bau es einfach in den Akt ein, als wär´ dir eben grade danach. Und zwar:

1) Spann deine Scheidenmuskeln beim Sex an, verenge so deine Scheide, das gibt mehr Reibung für ihn – das sind die selben Muskeln, die du brauchst, um auf der Toilette deinen Urinstrahl zu unterbrechen. Diese Muskulatur kann man auch gut trainieren (jederzeit, überall): anpannen – halten – loslassen – anspannen… usw.
Genauere Anleitungen zu diesem sog. Beckenboden-Training und Anleitungen, was du mit den Vaginalmuskeln machen kannst, findest du in meinem Buch «Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!».

2) Auch mit einigen Stellungen kannst du dich „verengen“: indem du die Beine eng zusammennimmst. Das geht im Missionar, von hinten, von der Seite, im Stehen…
Auch hierzu gibt es in meinem Buch «Sex für Faule und Gestresste: So holen Sie mehr aus Ihrem Liebesleben – mit weniger Aufwand!» genauere Anleitungen und auch Bilder.

3) Frag ihn auch und/oder finde heraus, welche Stellungen oder welche Sachen ihn besonders anmachen. Setze so viel davon um, wie dir möglich und angenehm ist.

4) Bevor ihr miteinander schlaft, reizst du seinen Penis per Hand oder Mund, bis er kurz vorm Kommen (oder höllenerregt) ist. Erst dann soll er eindringen und loslegen.

Noch eines: Benutzt ihr Kondome? Die verringern ja leider auch die Reibung und das „Fühlvergnügen“ für ihn. In dem Fall wäre es eine Überlegung wert, das Verhütungsmittel zu wechseln. All diese Tipps und noch mehr plus psychologische Hintergründe findest du übrigens in dem Brief «Er braucht zu lang zum Orgasmus».

Herzlichst, Beatrice Poschenrieder