Ich kann beim Verkehr nicht kommen, meine Lust ist so unterschiedlich, bin ich unnormal?

Hallo Beatrice!
Ich hab dir vor 3 Monaten schon mal geschrieben (dass mein Freund so nen Stress macht wegen meinem Orgasmus) und möchte nochmal genauer nachhaken.
Wir sind jetzt seit 8 Monaten zusammen (er ist 27). Nach 2 Monaten fing der Stress mit dem Sex an. Er schaffte es nicht, dass ich komme. Ich war nicht unglücklich oder unzufrieden, denn das hat eh noch keiner vorher geschafft außer ich selbst. Er solle Geduld mitbringen und mich „erforschen“, dann klappt das schon. Als ich ihm das sagte, war er erst mal wieder beruhigt. Aber wir beide unternahmen nix. Immer wieder kam etwas anderes dazwischen, sodass wir uns die besondere Zeit nicht nahmen. So kam es zum Eklat. Er wollte Schluss machen, weil er für sich sagte, dass er schlecht im Bett ist und es nicht bringt!
Ich habe geweint und geschrien, wie in Panik. Habe gekämpft, dass er nicht aufgibt und ihn so lange mit Argumenten versucht zu überzeugen, bis er sich wieder auf uns einließ.
Seitdem sind 4 Monate vergangen und nachdem ich ihm gezeigt habe, was mir Spaß bringt, kann er mich in den unterschiedlichsten Varianten per Hand und oral zum Höhepunkt bringen. Nur durch den Verkehr haben wir es ein Mal erst geschafft. Ich habe ehrlich gesagt echt den schönsten Sex aller Zeiten, das sage ich ihm, aber er fühlt sich so schlecht, weil ich bei ihm nicht durch den Akt komme.
„erSo hatten wir kürzlich wieder eine Diskussion über seine „Unfähigkeit“.
Er ist absolut verkrampft und denkt von Anfang an daran, dass ich jetzt kommen soll, dass er es schaffen soll, oder dass er nicht zu früh kommen darf. Und ich bin dann mit angespannt, sag ich zu ihm. Das überträgt sich doch unbewusst auf mich mit. Wenn ich spüre, dass es kribbelt, dass es warm wird und ein leiser Hauch von Orgasmus, dann denk ich, ja, komm endlich, ich will´s ja auch, komm nun doch. Oder ich sehe dann, wie mein Freund sich „abmüht“, dann denk ich, Menno, er bemüht sich und es ist alles für umsonst. Ich schaff es einfach nicht.
Es ist Stress pur. Wir lieben uns. Alles passt perfekt, bis auf die Sache, dass ich nicht per Verkehr kommen kann. Das andere Kommen ist für ihn nicht das Gleiche. Er ist ziemlich stur, aber ich verstehe ihn natürlich auch. Nur, es liegt an meiner Verkrampftheit. Was können wir tun? Wir reden auch zwischenzeitlich, was besonders schön war an dieser oder jener Stellung, aber das ist nicht immer schön. Was letztes Mal schön war, ist beim nächsten Mal unangenehm. Er kann auch meine Brüste nicht immer anfassen, weil die Brustwarzen so empfindlich sind, dass es mir unangenehm ist. Manchmal ist es aber auch so, dass ich ohne Anfassen und Berühren der Brustwarzen nicht kommen kann, wenn er mir es mit der Hand oder oral macht. Woher kommt diese Empfindlichkeit, ist das normal?

Wie soll ein ausreichendes Vorspiel stattfinden? Was ja sehr wichtig ist, damit der Sex funktioniert. Er macht´s mir dann meistens vor dem Akt, bis ich komme, dann schläft er mit mir, weil ich es dann natürlich will. Aber dann ist es so komisch. Auf ein Mal merke ich, dass ich gar keine Lust mehr habe.
Ich habe langsam keine Kraft mehr, ihn zu überzeugen, dass es für mich in Ordnung ist. Wenn es aber ihn unglücklich macht, müssen wir doch beide etwas tun können, um das zu ändern?
Alina (28)

Liebe Alina,
du schreibst:
„Wir reden auch zwischenzeitlich, was besonders schön war an dieser oder jener Stellung, aber das ist nicht immer schön. Was letztes Mal schön war, ist beim nächsten Mal unangenehm. Er kann auch meine Brüste nicht immer anfassen, weil die Brustwarzen so empfindlich sind, dass es mir unangenehm ist. Manchmal ist es aber auch so, dass ich ohne Anfassen und Berühren der Brustwarzen nicht kommen kann, wenn er mir es mit der Hand oder oral macht. Woher kommt diese Empfindlichkeit, ist das normal?
Er macht´s mir dann meistens vor dem Akt, bis ich komme, dann schläft er mit mir, weil ich es dann natürlich will. Aber dann ist es so komisch. Auf ein Mal merke ich, dass ich gar keine Lust mehr habe.“
Weißt du was? Alles, was du beschreibst, ist für eine Frau völlig normal! Die Lust und die körperliche Reizbarkeit ist bei sehr vielen Frauen starken Schwankungen unterworfen; die wichtigsten Faktoren: Zyklus-Phase und Erregungszustand. Zyklus-Phase: z.B. um den Eisprung herum lustvoller und reizbarer, kurz vor der Periode am wenigsten.
Und mit dem Erregungszustand verhält es sich genauso: je erregter der gesamte Körper, desto empfänglicher die einzelnen Zonen. Das heißt: wenn deine Brüste oder deine Intimzone nicht gut auf seine Stimulation reagieren, stimuliert er entweder nicht richtig oder du bist nicht erregt genug oder dein Körper ist aus anderen Gründen nicht „in Stimmung“ (z.B. Zyklusphase, du bist zu müde, alkoholisiert, Zimmer ist zu kalt etc.).

Du fragst:
„Wie soll ein ausreichendes Vorspiel stattfinden? Was ja sehr wichtig ist, damit der Sex funktioniert.“
Das liegt in deinem eigenen Empfinden. Du musst ihm sagen und zeigen, was er schon vor seinen sexuellen Handlungen (Verkehr, Handstimulation usw) tun muss, damit dein Körper möglichst empfänglich wird.

Also: bei dir ist alles normal. Aber ER verhält sich unnormal!!! Das ist ja schrecklich, was er für eine Hektik und einen Druck im Bett macht! Und das ist natürlich ein zusätzlicher Faktor, der dir auf die Lust drückt. Er tut euch beiden nichts Gutes mit seinem Leistungsdruck.
Ich meine, was will er damit bezwecken? Worum geht es eigentlich? Dass er sich nicht als Mann fühlt, wenn er´s dir nicht besorgt? Wo hat er sein „sexuelles Wissen“ her? Aus Pornos? Jeder aufgeschlossene Mann heute weiß, dass sogar die MEHRZAHL der Frauen NICHT durch bloßen Verkehr kommen.

Lustigerweise habe ich dir genau das schon vor 3 Monaten geschrieben, nämlich dass du ihm die Seiten in meinem Buch zeigen sollst, wo das steht.
Bitte streich die entsprechenden Stellen in meinem Orgasmus-Ratgeber „Stöhnst du noch oder kommst du schon?: Der sichere Weg zum Orgasmus“ dick an; z.B. auf S. 12 steht, dass nur drei von zehn bei den Frauen bis 28 durch reinen Verkehr kommen können – und die auch nicht mal jedesmal!
Zwinge ihn, die ersten beiden Kapitel zu lesen – am besten mehrmals, damit er´s endlich kapiert!
Eigentlich sollte er am besten das ganze Buch lesen. Ab S. 144 ist da z.B. das mehrseitige Beispiel von Sara, deren Beziehung durch so einen Sexstress wie bei euch fast kaputtgeht. Bitte lies das nochmal und sag deinem Freund einen schönen Gruß von mir: Euch würde ich das selbe verordnen wie den beiden.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder