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Sex Fragen : Orgasmus

Sind das alles mentale Blockaden, die mich vom Orgasmus abhalten?

Sarina, 29

Hallo Beatrice,

Ich wende mich an Dich mit einem Problem, das mehrfach bei den Sexfragen auftaucht: Der Orgasmus der Frau (oder besser...seine Abwesenheit). Ja, ich hab auch fast alle Texte gelesen, möchte aber trotzdem meinen Fall schildern und vor allem mir selbst beim Schreiben Klarheit verschaffen.

Also. Mit meinem Freund (24) bin ich seit einem Jahr zusammen. Für mich ist es die erste wirklich richtige und schöne und zärtliche Beziehung. Sowas Schönes hatte ich noch nie.
Auch der Sex ist der beste, den ich je hatte. Ich habe ganz viele tolle Gefühle zum ersten Mal erfahren. Trotzdem komme ich extrem selten. Leider.

Mein Problem ist, daß ich mich entweder total extremst konzentrieren und anstrengen muss, mir das Kommen quasi hart erarbeiten muss - oder hinterrücks von einem Überraschungsorgasmus überfallen werde. Beides passiert sehr selten. Ich hätte gern mal, daß es einfach so und leicht passiert.
Bei fast jedem Sex fange ich an zu denken: jetzt muss es aber klappen! und wenn dann mal ein Orgasmus anrollt, bin ich irgendwie erschreckt, denke hoppla und mit dem Denken geht das Gefühl dann auch schon futsch. Bei der Selbstbefriedigung komme ich so gut wie immer dank meinen Fingern an der Klitoris und in der Muschi und dank schmutziger Fantasien. (Muss aber dazu sagen, daß ich -ganz der Spätzünder- erst während der Beziehung gelernt habe, mich überhaupt selbst zu befriedigen. Ich hatte einen Urlaub von ihm genutzt, die Nervenenden, die er ja aufgeweckt hat, intensiv zu trainieren. In meiner Teenagerzeit und auch später war durch eine Essstörung an so etwas nicht zu denken. ich habe meinen Körper regelrecht gehasst)

Mein Freund meint, daß ich nicht komme, läge daran, daß ich ihm nicht komplett vertraue und mich nicht fallenlassen kann. Auch sagt er, daß, wenn ich erstmal alle meine sonstigen Ängste und Sorgen (im Alltag, sozial und vor allem beruflich) angehen und bekämpfen würde, würde sich das Problem auflösen. Alles ist miteinander verbunden meint er wohl. Ihn stört es auch nicht, daß ich nicht komme, es wäre halt für mich schade. Ihn stört nur, wenn ich das Problem so hochstilisiere und zum Drama mache.

Irgendwie hat er ja recht. Ich bin halt schüchtern und ängstlich und sensibel im Alltag, mache mir über alles und jeden ständig Sorgen und das kann ich ja nicht einfach so im Bett abstellen. Oft denke ich, daß ich irgendwie komisch aussehen könnte, wenn ich einfach loslasse, daß ich mich lächerlich mache, häßlich rüberkomme, nicht die Erwartungen erfülle usw.

ANDERERSEITS denke ich, daß mein Freund mir etwas mehr "behilflich" sein könnte auf dem Weg zum Orgasmus. Irgendwie bin ich diejenige, die im Bett mehr verwöhnt, mehr macht und rumturnt. Und bei soviel Verwöhnen fällt es mir eben manchmal schwer, mich auf mich zu konzentrieren. Zum Beispiel machen wir ab und zu 69 (ich oben), was Spass macht und wo ich auch mehrmals dieses Gefühl des Weggetretenseins hatte, aber die Position ist ja nicht ganz unanstrengend und eben was anderes, als einfach nur dazuliegen, geleckt zu werden und zu geniessen. Dazu kommt es aber kaum (noch), während ich bei ihm oft blase. Am Anfang der Beziehung war das anders. Nun befürchte ich manchmal, daß mein Freund kaum mehr Oralsex bei mir macht, weil er vielleicht denkt, "es lohnt sich nicht" und daß ich ein hoffnungsloser Fall bin. (Das sind meine zugegebenermassen negativen Gedanken. Er hat nie etwas in die Richtung gesagt, nur immer oben genannte Theorie) Oder ist er nur zu faul und ich habe ihn bisher zu sehr verwöhnt? Es kann aber auch sein, daß ich einfach schon zu sehr auf dem Thema rumgeritten bin und es zu etwas wichtigerem hochgepuscht habe, als es eigentlich ist? Ich weiss ja selbst, daß der Sex am besten ist, wenn ich entspannt bin, den Sex nehme, wie er kommt und mir nicht ständig Gedanken mache.

Oft ist es jetzt so, daß ich es mir nach dem Sex selber mache, was ich manchmal nicht so schlimm finde, manchmal frustiert es mich aber und macht mich wütend. Warum kriegt er seine Befriedigung so einfach und ich nicht?

Wie erreiche ich, daß er mir mehr beim "üben" hilft, daß wir mehr ausprobieren? Zwei, dreimal haben wir etwas halherzig versucht, daß ich vor ihm masturbiere . Das war mir dann aber irgendwie peinlich.

Ist also doch nur meine mentale Blockade schuld, was meinst Du?

Ich würde mich über eine Antwort sehr freuen.
Sarina





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Liebe Sarina,

du schriebst:
"Mein Freund meint, dass ich nicht komme, läge daran, dass ich ihm nicht komplett vertraue und mich nicht fallenlassen kann. Auch sagt er, dass, wenn ich erstmal alle meine sonstigen Ängste und Sorgen (im Alltag, sozial und vor allem beruflich) angehen und bekämpfen würde, würde sich das Problem auflösen. Alles ist miteinander verbunden, meint er wohl. .... Ihn stört nur, wenn ich das Problem so hochstilisiere und zum Drama mache."
Da hat er sicher in allem recht, und ich denke, der wichtigste grund liegt im letzten Satz. Daher meine erste Verordnung an dich: 2 Monate Orgasmus-Verbot für dich! Bitte streich es dir im Kalender an. Ab heute bis zum 30. April sollst du das Thema Orgasmus total auf Eis legen und nicht versuchen, einen zu erreichen! Bitte keine Anstrengung, keine Gedanken dran verschwenden. Sondern einfach nur den Sex mit deinem Freund genießen und möglichst viele Sachen ausprobieren. Bitte sag es auch ihm.

"Irgendwie hat er ja recht. Ich bin halt schüchtern und ängstlich und sensibel im Alltag, mache mir über alles und jeden ständig Sorgen und das kann ich ja nicht einfach so im Bett abstellen. Oft denke ich, daß ich irgendwie komisch aussehen könnte, wenn ich einfach loslasse, daß ich mich lächerlich mache, häßlich rüberkomme, nicht die Erwartungen erfülle usw."
Hoh, Sex als Leistungsshow. Genau, man muss beim Sex immer aufpassen, dass man perfekt rüberkommt und alles perfekt macht. Mhm. :-)
Verordnung hier: bitte sorge dafür, dass dein/euer Schlafzimmer vollkommen dunkel gemacht werden kann. Und dann macht es im Stockfinstern. Du kannst ihm zusätzlich die Ohren zustöpseln. Ziel ist auch hier nicht Orgasmus, sondern dass du es ausprobierst, dich im Bett total gehen zu lassen. Übertreib es ruhig ein wenig, nur zum Spaß.

"Irgendwie bin ich diejenige, die im Bett mehr verwöhnt, mehr macht und rumturnt. Und bei soviel Verwöhnen fällt es mir eben manchmal schwer, mich auf mich zu konzentrieren."

"Warum kriegt er seine Befriedigung so einfach und ich nicht?"
Weil Männer leicht kommen und Frauen nicht. Deswegen. Die genauen Gründe und Gegenmittel erfährst du in meinem Orgasmus-Ratgeber "Stöhnst du noch oder kommst du schon", und naja, da steht im Prinzip auch alles zu deinen anderen Fragen drin, nur viel ausführlicher als ich es hier schreiben kann.

"Zum Beispiel machen wir ab und zu 69 (ich oben), was Spass macht und wo ich auch mehrmals dieses Gefühl des Weggetretenseins hatte, aber die Position ist ja nicht ganz unanstrengend und eben was anderes, als einfach nur dazuliegen, geleckt zu werden und zu geniessen."
Jawohl. Und grade wir Frauen brauchen das passive Genießen, um zu kommen. Zu viel Aktivität stört unsere Gipfelfahrt.

"Nun befürchte ich manchmal, daß mein Freund kaum mehr Oralsex bei mir macht, weil er vielleicht denkt, "es lohnt sich nicht" und daß ich ein hoffnungsloser Fall bin. (Das sind meine zugegebenermassen negativen Gedanken. Er hat nie etwas in die Richtung gesagt, nur immer oben genannte Theorie) Oder ist er nur zu faul und ich habe ihn bisher zu sehr verwöhnt? Es kann aber auch sein, daß ich einfach schon zu sehr auf dem Thema rumgeritten bin und es zu etwas wichtigerem hochgepuscht habe, als es eigentlich ist?"
es lohnt sich nicht: das denkt er bestimmt nicht.
zu sehr verwöhnt: ja.
zu sehr rumgeritten: das auch.
Sehr viele Männer lecken Frauen nicht, weil es sich orgasmustechnisch "lohnt", sondern einfach um die Frau zu verwöhnen und weil sie es mag. Daher kannst du deinen Freund drum bitten, einfach weil es sich schön anfühlt - ohne jeglichen Orgasmusgedanken. Außerdem hast du ja sowieso erst mal Orgasmusverbot.
Und blas ihn nicht mehr so oft. Blas ihn nur, wenn er dich vorher verwöhnt hat (auf welche Art auch immer).

"Oft ist es jetzt so, daß ich es mir nach dem Sex selber mache, was ich manchmal nicht so schlimm finde, manchmal frustiert es mich aber und macht mich wütend." Mädel, das brauchst du auch nicht tun. Wozu sind Männer da?

"Wie erreiche ich, daß er, mir mehr beim Üben hilft, daß wir mehr ausprobieren? Zwei, dreimal haben wir etwas halherzig versucht, daß ich vor ihm masturbiere . Das war mir dann aber irgendwie peinlich."
Also wirklich, wozu soll das gut sein? Nun sollst du nicht mal selber für deine befriedigung sorgen, sondern ihm auch noch ne Peepshow liefern? Fast keine Frau steht da drauf.
Zeig ihm meine erste Verordnung. Und lest zusammen mein Buch, jede Seite, aufmerksam. Da wird euch plötzlich alles ganz sonnenklar werden.

Viele Grüße
Beatrice

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