Bin ich eine Nymphomanin?

Hallo Beatrice,
ich (weiblich, 24) habe es gern, mit einem gerade erst kennengelernten Mann zu schlafen. Ich gehe fast jeden Abend aus (das geht, weil ich in einer Großstadt lebe), und meistens suche ich mir dann einen aus, der mir gefällt. Anschließend nehme ich ihn mit zu mir nach Hause oder gehe mit zu ihm oder wir machen es gleich in der Location oder in seinem Auto oder wo es eben passt.
Nachdem er mich gevögelt hat oder ich ihm einen geblasen habe, lässt mein Interesse nach. Manche der Typen will ich dann so schnell wie möglich los werden, manche sind ja ganz nett und wollen mich weiterhin treffen, aber ich blocke das schnell ab.
Bin ich nicht normal?? Bin ich eine Nymphomanin?
Viele Grüße, C. (24)

Liebe C.,
der Norm entspricht dein Sexualleben sicher nicht, aber solange du selber und die Männer dran Spaß haben, ist es doch okay, oder? Offenbar bist du eine sehr lustvolle Frau, und mit einem neuen Kerl zu schlafen, ist ja auch spannend (= erotisch). Ja, man kann es so nennen, dass du nymphoman bist, wobei dieser Begriff heute nicht mehr gebräuchlich ist, weil er ein bisschen sexistisch ist (denn für Männer gibt es keinen derartigen Begriff, was ja bedeuten würde, dass ein Mann, der so ein Sexverhalten hat wie du, irgendwo „normal“ ist, eine Frau aber nicht).
Zum Problem wird´s,
• wenn dein oben geschildertes Verhalten zwanghaft wird (das heißt, dass du nicht anders kannst)*,
• wenn du darunter leidest – oder auch, wenn du damit einige deiner Bettpartner verletzt; denn es soll ja auch Männer geben, die sich nach der ersten Nacht verlieben – auf deiner Seite hingegen ist kein Interesse mehr da, und er fühlt sich benutzt und weggeworfen
• wenn du dich selbst und andere an Leib und Leben gefährdest. Du hast ja nicht geschrieben, wie oft du dir einen Typen reinziehst. Wenn das sehr oft ist, besteht natürlich die Gefahr, dass du dir a) irgendwelche Krankheiten holst (Kondome können ja mal reißen oder abrutschen) oder b) einen mitnimmst, der dir Gewalt antut oder sonst was Böses im Schilde führt.

* In dem Fall nennt man das populärwissenschaftlich „Sexsucht“ – dann ist eine Therapie nicht das Verkehrteste, oder auch die Kontaktaufnahme mit Selbsthilfegruppen – Infos über „Anonyme Sexsüchtige“, https://anonyme-sexsuechtige.de/.
Zusätzlich wäre es gut, wenn du das Buch „Sexsucht: Ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige (Das Standardwerk in 5., aktualisierter Auflage)“ liest.
Eine Kurzbeschreibung, ob man sexsüchtig ist, liefrt auch dieser Brief hier:
Bin ich sexsüchtig?

Viele Grüße, Beatrice Poschenrieder „"