Seit der Geburt des Kindes Blasenschwäche, zu weite Scheide, Stress: Kein Sex mehr!

Liebe Beatrice,
ich bin erst 34 und eigentlich glücklich verheiratet. Aber ich habe ein großes Problem, von dem ich bisher glaubte, dass so etwas eher ältere Menschen betrifft. Genauer gesagt habe ich mehrere Probleme: Ich habe eine Blasenschwäche und das Sexleben mit meinem Mann läuft nicht mehr.
Aber erst mal von Anfang an.
Mein Mann und ich sind seit sieben Jahren zusammen und seit knapp fünf Jahren verheiratet. Wir haben einen Sohn von dreieinhalb Jahren und ein Mädchen von erst 10 Monaten. Ich arbeite in Teilzeit, weil mein Mann nicht der Großverdiener ist, d.h. ich habe einen 18-Stunden-Job, den ich aber größtenteils im Home-Office machen kann, zumal meine Kinder SEHR viel Betreuung brauchen. Das Mädel ist ja noch so klein, der Sohn hat ADHS. Wir haben ihn schon versucht in den Kindergarten zu bringen, aber das klappt noch nicht, er macht jedesmal ein Riesen Theater.
Jetzt zu meiner Blasenschwäche. Ich glaube, es hat sich schon nach der ersten Geburt gezeigt, dass mein Beckenboden nicht grade der kräftigste ist und dass ich manchmal ein paar Tropfen Harn verliere. Da fand ich es aber noch nicht so schlimm. Meine Frauenärztin sagte, ich solle doch einen „Rückbildungskurs“ machen. Aber aufgrund meines Jobs und des lebhaften Kindes habe ich es irgendwie nie geschafft, da regelmäßig teilzunehmen.
Die Geburt des zweiten Kindes war schwer und dauerte sehr lange, es hatte (hat) einen großen Kopf. Danach war ich „unten“ total „ausgeleiert“. Und ich glaube, ich bin es immer noch. Aber ich habe ja eh keinen Sex mehr mit meinem Mann. Ich begründe es vor ihm damit, dass mich die Kinder, Job und der Haushalt so schaffen. Aber der Hauptgrund ist, dass ich erstens Angst habe, dass meine Scheide zu weit geworden ist, und zweitens habe ich eben seitdem eine Blasenschwäche, das heißt, ich habe eine leichte Inkontinenz. Es geht also oft etwas Urin ab, wenn ich z.B. lache, huste oder schwer hebe. Es ist noch nicht so dramatisch, dass ich dickere Binden tragen muss, aber ich trage fast durchgehend Slipeinlagen oder dünnere Binden. Auch das versuche ich ein bisschen vor meinem Mann zu verheimlichen.

Ich weiß, es klingt furchtbar, aber ich schäme mich halt. Ich habe auch große Angst, dass er mich nicht mehr attraktiv findet, sondern dass er denkt, er ist mit einer alten Frau zusammen, die ihren Harn nicht mehr halten kann und eine ausgeleierte Vagina hat. Außerdem habe ich Angst, dass wenn ich mit meinem Mann mal wieder Sex habe, dann auch Urin rauskommt – spätestens beim Orgasmus. Also gehe ich früher oder später als er ins Bett oder schlafe erschöpft im Bettchen meines Sohnes ein oder erfinde Ausreden. Mein Mann hat bisher eine Engelsgeduld
bewiesen, aber ich merke, dass er allmählich wieder mit mir intim werden möchte. Ich befürchte natürlich auch, dass unsere Paarbeziehung den Bach runtergeht, wenn es so weitergeht.

Ach so ja, noch etwas. Ich habe natürlich schon öfter gelesen, dass man Beckenbodenübungen machen soll, und es versucht. Aber mal ehrlich, weißt du, wie es ist, ein Baby, ein dreijähriges ADHS-Kind, einen Halbtagsjob und einen Haushalt zu haben? Ich bin von früh bis spät am Rotieren, ich habe irgendwie keinen Kopf dafür, auch noch zwei-, dreimal am Tag Training zu machen.

Hast du einen Tipp oder einen Rat für mich?
Danke
Julia (34)

„Mutter,

Liebe Julia,
oh je, ich kann mir lebhaft vorstellen, was für einen Trubel du von früh bis spät hast!
Und ich gebe dir sogar mehrere Ratschläge und Tipps:

1) Du musst dich trauen, offen mit deinem Mann zu reden. Du brauchst dich nicht zu schämen. Sehr viele Frauen sind nach einer Geburt – vor allem wenn es eine so schwere war – von solchen Problemen betroffen. Er wird nicht denken, du seiest „eine alte Frau“, sondern er wird erleichtert sein, dass eure Sexflaute vor allem mit einem schwachen Beckenboden bzw. deiner Blasenschwäche zu tun hat. Wenn dein Mann Bescheid weiß, ist es auch viel leichter, die folgenden Tipps umzusetzen.

2) Mir scheint, du hast wohl keinen so guten Zugang („Draht“) zu deinem Unterleib, deiner Intimzone? Unter anderem kümmerst du dich zu wenig darum (jaja, trotz Stress!), und du weißt nicht, wie es um die Weite deines Scheideneingangs steht. Es ist wichtig, dass du – wieder – ein liebevolles Verhältnis zu deinem Intimbereich entwickelst. Geh lieb damit um und nicht, als sei das ein lästiger alter Schlüpfer, der zu weit geworden ist und den du nicht mehr brauchen kannst. Deine Intimzone, deine Vagina, dein Beckenboden, das sind alles kostbare Körperteile, ebenso kostbar wie z.B. dein Rücken und deine Füße. Geh mehrmals am Tag mit deiner Aufmerksamkeit in diesen Bereich, spüre ihn!

3) Bitte beantrage wegen deines ADHS-Kindes Familienhilfe. Und zwar bei dem für euren Ort zuständigen Jugendamt. Ruf auch mal bei der Caritas an, die können in solchen Belangen oft weiterhelfen. Wobei das Jugendamt der erste Ansprechpartner sein muss, denn eine solche Hilfe steht euch zu. Die Hilfe kann unterschiedlich ausfallen, etwa dass jemand regelmäßig kommt, um dich im Haushalt oder bei der Kinderbetreuung zu unterstützen, ferner psychologische Beratung für euch Eltern, ferner jemand, der hilft, deinen Sohn im Kindergarten besser zu integrieren, usw..

4) Schau mal, ob du nicht doch wieder mit den Beckenboden-Übungen anfangen kannst; sie helfen ja nicht nur bezüglich deiner Harninkontinenz, sondern auch, damit der Muskelring eingangs deiner Vagina wieder enger wird. Die Übungen gehen auch bei vielen Hausarbeiten (z.B. Bügeln, Wäsche zusammenlegen), beim Autofahren, in öffentlichen Verkehrsmitteln etc. Aber ich verstehe, dass du da oft auch weder den „Kopf dafür“ noch die Geduld hast. Es gibt noch eine andere, sehr effektive Möglichkeit, die sich vielleicht besser in deinen stressigen Alltag einbauen lässt: ein neues Trainingsgerät namens „INNOVO“. Genau genommen sind das zwei Manschetten, die du an den Oberschenkeln anlegst, dort, wo die Hüfte in die Beine übergeht. Die Manschetten enthalten innen mehrere Haftpads; diese liegen an bestimmten Stellen auf der Haut auf und senden sanfte, elektrische Impulse, die deine Beckenbodenmuskulatur wie ein sehr gezieltes Training in Bewegung bringen und stärken (auch die Scheidenmuskeln!). Keine Sorge, es mag am Anfang ungewohnt sein, aber du gewöhnst dich schnell dran, zumal 5x die Woche eine halbe Stunde ausreicht. Das Gute ist, dass du die Manschetten im Sitzen, Liegen und Stehen tragen kannst, zum Beispiel während du deinen Home Office-Job erledigst, und dabei eben nicht halten – lockerlassen – zählen musst wie bei den klassischen BB-Übungen, denn das macht das Trainingsgerät für dich.

Gute Besserung
Beatrice Poschenrieder
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