Seit 13 Jahren so starker Ausfluss, dass es Leben und Beziehung beeinträchtigt

Hallo Beatrice,
Ich habe folgendes Problem. Ich leide seit meinem 12. Lebensjahr unter sehr starkem Ausfluss. Ohne Slipeinlage geht gar nichts. Die Unterwäsche ist in Kürze „durchgeweicht“. Teilweise geht es ohne Einlage auch auf die Jeans über.
Ich habe seit eineinhalb Jahren einen neuen Freund. Ich konnte ihm dieses Problem fast ein Jahr verheimlichen. Bis ich aber dann solche Depressionen wegen diesem Ausfluss bekam, dass er bemerkte, dass was nicht stimmt. Wir hatten keinen Verkehr mehr und ich traute mich nicht mehr bei ihm zu schlafen. Ich kann so gut wie nicht ins Schwimmbad gehen oder muss sofort ins Wasser, weil die Bikinihose sonst von selbst nass wird.
Daraufhin habe ich ihm meine Geschichte erzählt, in der Hoffnung, dass ich selbst besser damit umgehen kann. Fehlanzeige. Ich habe mich noch schlechter gefühlt und fast täglich abends „Heulattacken“ bekommen. Deswegen habe ich fast Schluss gemacht. Zum Glück nur fast; er ist in dieser Hinsicht auch sehr verständnisvoll gewesen. Er hatte auch noch nie eine so lange Beziehung und wusste nicht, dass es so was gibt. Hat aber gemeint, es stört ihn nicht.
Ich bin Dauergast (alle 2-3 Wochen) bei meinem Frauenarzt, er hat alles untersucht, kann aber nichts finden. Das sei eine normale Überproduktion. Ich soll in einem halben Jahr wieder kommen zur Routineuntersuchung.
Ich bin ja froh, dass mir mein Freund nicht unterstellt, so wie in manchen Briefen hier, dass ich fremdgehe. Aber es ist so ein unangenehmes Gefühl, immer ein nasses Höschen zu haben. Ich will nicht, dass er meine schmutzigen Einlagen sieht. Wenn es dann zur Sache geht, muss ich immer sagen, Moment, ich muss noch zur Toilette. Das ist nicht gerade Lust fördernd und oft ist dann bei mir die Luft raus. Genau wie danach, ich muss wieder ins Bad, wo ich immer mein kleines Täschchen stehen habe. Ich schlafe bei ihm auch mit zwei Höschen übereinander.
Wir tun es mit Kondom und wohnen nicht zusammen. Dies wäre für mich auch nicht möglich, weil er dann ja den Abfall sehen könnte oder die Wäsche. Ich selbst finde meine Unterwäsche richtig unappetitlich, oft wasche ich sie von Hand vor, damit meine Mitbewohnerin die gelben Flecken nicht sieht.

Nun zu meiner Frage. Kann ich da etwas dagegen tun? Salbeitee und absolut zuckerfreies Essen hilft nicht. Auch Döderlein-Bakterien und sonstige aufbauende Zäpfchen wie Vagiflor etc. zum Einführen verbessern nichts.
Gibt es irgendwelche Hausmittel? Gibt es in dieser Hinsicht alternative Methoden wie Akupunktur oder ähnliches? Soll ich außerhalb der Periode Tampons benutzen, würden die alles trocken saugen und wenigstens ein paar Stunden halten? Wirken sich Alkohol und Zigaretten auf den Ausfluss aus? Eine andere Pille habe ich schon. Wären die Dreimonatsspritze oder die Spirale hilfreich? Wie viel Ausfluss ist denn normal?
Liebe Grüße, Paula (25)

Liebe Paula,
klar helfen zuckerfreies Essen und Zäpfchen nicht – du hast ja keine Scheidenentzündung. Das ständige Tragen von Tampons ist auch keine richtige Lösung, sondern nur Oberflächenkosmetik. Außerdem stören sie das Scheidenklima.
Du fragst:
„Wären die Dreimonatsspritze oder die Spirale hilfreich?“
Ich glaub nicht.
Und das mit Alkohol und Zigaretten vergiss mal bitte gleich.

„Wie viel Ausfluss ist denn normal?“
Nun ja, das weißt du ja selbst: weniger als bei dir.
Dass es dafür Hausmittel oder Methoden wie Akupunktur gibt, wäre mir nicht bekannt, aber ich bin da auch nicht allwissend. Bei vielen Frauen drosselt die Pille tatsächlich die Produktion der Scheidenflüssigkeit, aber du hast ja schon mindestens zwei Präparate probiert – hm, hier müsste ein Fachmann draufschauen, der sie da perfekt auskennt.
Dass dein Frauenarzt dich einfach mit dem Problem im Regen stehen lässt, obwohl du schon 13 Jahre darunter leidest und es dein Leben so stark beeinträchtigt, kann ich weder verstehen noch gut heißen.
Ich vermute, der Ausfluss hängt mit überaktiven Scheidendrüsen zusammen, aber ein Wald- und Wiesen-Frauenarzt kann das vermutlich nicht so exakt untersuchen (und behandeln).
Daher solltest du dich erkundigen, ob es in deiner Nähe eine Universitätsklinik mit einer richtig guten gynäkologischen Abteilung gibt, und dir dort einen Termin geben lassen. Bleib hartnäckig und mutig, bestehe darauf, dass dich ein richtig guter Spezialist untersucht und nicht irgendein/e Assistent/in. Es geht um dein Leben und die Liebe.
Herzlichst
Beatrice Poschenrieder