Seit meiner Endometriose tut Sex weh und ich hab eine Abwehr dagegen
Liebe Beatrice.
Jetzt kommt noch etwas Heikles: Als wir seinen 19. Geburtstag im März gefeiert haben, haben wir danach bei mir übernachtet und er war ziehmlich betrunken, ich hatte auch einiges intus. Da ist er im Morgengrauen wach geworden und fing an an mir rum zu spielen. Ich habe das alles nur im Unterbewusstsein mitbekommen. Dann fing er an mich auszuziehen und an meiner Scheide rumzuspielen. Er drehte mich auch auf den Rücken und versuchte in mich einzudringen, doch, ich nehme an, wegen des Alkohols, war sein Penis erschlafft. Er leckte mich und drang mit dem Finger in mich ein. Er drehte mich auch wieder auf den Bauch und leckte mich so und ebenfalls auch am After. Als er dann mit dem Finger in meinen After eindrang, wurde ich richtig wach, und erschrak. Bin nur aufgesprungen und war entsetzt. Habe ihn nur angemault, was dass denn soll. Habe mich anschließend ins Wohnzimmer gelegt und dort versucht zu schlafen. Bin mir nicht sicher, ob ich wirklich die ganze Zeit nicht richtig dabei war, oder ob ich nur "gelähmt" war, was zu sagen. Am nächsten Morgen, als er aufstand, kam er nur ins Wohnzimmer und hat mich gefragt, was ich denn da machen würde. Ich konnte ihm garnicht antworten. Bis ich ihn anschrieh und sagte, dass er mich auch gleich hätte vergewaltigen können, wenn es nicht schon eine Vergewaltigung war... . ich war total zerstreut. Ich wollte einfach nur noch, dass er geht. Er musste dann aber auch nach hause, ging aber nur sehr ungern, obwohl seine Familie auf Grund seines Geb. kam. Er hat vor mir geweint, und sagte nur, dass er nicht wissen würde, was er gemacht hat, und dass es ihm sehr leid tut. Dann war erstmal Funkstille bei uns, doch ich verzieh ihm. Seid dem fühle ich mich von ihm eigentlich nicht so bedrängt. Er hat unter Alkohol nichts mehr gesagt, geschweige denn, etwas getan. aber sobald er in die Nähe meiner erogenen Zonen kommt, blocke ich total ab. Ich liebe ihn über alles, und meine Liebe wird auch erwiedert. Er unterstützt mich auch bei meiner Krankheit, fährt immer ins Krankenhaus zu den OP`s und so, doch was da im Sexleben los ist, weiß ich nicht. Es macht mich total fertig. Ich würde mich echt über Hilfe von dir freuen.
Weiß wirklich nicht mehr weiter. Ich bin am verzweifeln. Ich muss doch irgendwann auch nochmal etwas "schönes" am Sex empfinden. Ich fühle mich auch durch die Krankheit so, als ob ich ihm etwas nicht geben kann, was aber zu einer Beziehung dazu gehört.
Liebe Grüße und alles gute,
wünscht Sandra
Liebe Sandra,
Ich kann dir nur begleitend noch etwas mitgeben, was aber nur die Symptome lindert und nicht das eigentliche (seelische) Leiden. Und zwar findest du unten einen Ausschnitt aus meinem neuen Buch (ein Orgasmusratgeber namens "Stöhnst du noch oder kommst du schon"); die Antworten enthalten Anleitungen, die auch bei dir funktionieren könnten.
Noch etwas zu euch beiden: das Problem ist, ihr verhaltet euch beide ganz verständlich. Ich kann deinen Freund genauso verstehen wie dich. Ich denke auch nicht, dass man das eine "Vergewaltigung" nennen kann, was da an seinem Geburtstag passierte. Sex gehört nun mal zu einer Beziehung, er liebt und begehrt dich und möchte dir auch körperlich nahe sein; in jeder Nacht überkam es ihn einfach. Du darfst ihm da nicht böse sein. Sehr viele Frauen hätten positiv auf diese Annäherung reagiert. Nur ist es auch völlig verständlich, wie du reagiert hast; die vielen Schmerzen und auch der leide, aber stete Druck zum Sex, unter dem du dich fühlst, haben dir alle Sexualität nachhaltig vermiest - du hast eine Abwehr dagegen entwickelt, die sich u.a. in Ekel und Lustlosigkeit ausdrückt. Das Blöde ist bloß, allein (bzw. zu zweit) werdet ihr das nicht hinkriegen. Da brauchst du eine neutrale und geschulte Person, wie ich sie dir eingangs empfohlen habe.
Alles Gute
Beatrice HIER DER BUCHAUSSCHNITT: "Liebe Beatrice, ich bin 27 und hatte bisher vier Beziehungen; der Sex mit allen vier Männern wurde dadurch getrübt, dass das Eindringen und der Verkehr jedesmal ziemlich weh taten. Mit Gleitmittel wurde es zwar besser und auch bei regelmäßigem Sex, aber Schmerzen sind immer dabei.
Meine Frauenärztin bestätigte mir, dass ich ziemlich eng gebaut bin, meinte aber, dass potentiell jeder Mann und jede Frau sexuell zusammenpassen.
Mit meinem jetzigen Freund bin ich seit 4 Monaten zusammen und liebe ihn sehr. Mit ihm ist etwas passiert, was ich mit meinen Ex-Freunden nie erlebt habe: Da sein Penis sehr groß ist, reißt jedesmal beim Verkehr mein Damm ein und es blutet. Meine Frauenärztin hat mir dafür zinkhaltige Wundsalbe verschrieben und meinte, Infektionen etc. müsste ich aufgrund der Blutung nicht fürchten, die Wunde würde schnell wieder heilen, womit sie auch recht hat. Sie meinte auch, dass ich mich durch regelmäßigen Sex in diesem Bereich noch etwas weiten würde. Dies ist aber schwierig, da ich meinen Freund nur jedes zweites Wochenende sehe (jobbedingt geht es nicht anders), und bei jedem (!) Verkehr blute ich dann wieder.
Mein Freund ist vorsichtig, aber um in meine Scheide einzudringen, muss er schon mit Druck vorgehen, weil er sonst einfach nicht hineinkommen würde. Vom Gefühl ist es ein bisschen für mich so, als würde ich jedesmal wieder neu entjungfert, wahrscheinlich ist es wegen des Widerstandes und des sich anschließenden Schmerzes. Ich bin jedesmal froh, wenn dieser Moment überstanden ist, weil es dann weniger weh tut und ich es auch schön finden kann, den Penis in mir zu spüren. Erregt bin ich fast immer, das merke ich daran, dass ich feucht bin. Aber obwohl wir jedesmal noch Gleitgel hinzugeben, kann das nicht die Schmerzen oder den Riss des Damms verhindern. Und latent schwingt immer die Angst davor mit.
Wir schlafen nur in der Missionars- oder Reiterstellung miteinander, die weniger weh tun als die anderen.
Noch eine zusätzliche Info: Einen Orgasmus hatte ich in keiner meiner Beziehungen, bekomme ihn nur beim Onanieren unter der Dusche, das ist natürlich auch frustrierend auf Dauer. Mein Freund macht es mir öfter mit der Hand oder Zunge, es fühlt sich schön an, aber ich komme nicht. Vielleicht kann ich mich nicht fallen lassen bzw. die Kontrolle abgeben. Trotzdem habe ich immer gern mit meinen Freunden geschlafen, auch wenn ich um die Schmerzen, die auf mich zukommen würden, wusste. Ich finde es ziemlich traurig, dass Sex, der ja eigentlich das Natürlichste der Welt sein sollte, bei mir so erschwert wird ...
Ich komme mir mit diesem Problem total allein vor. Hast du Ähnliches schon mal gehört?
Karin Liebe Karin, habe ich Ähnliches schon mal gehört? Aber ja. Du bist fürwahr nicht allein.
Was ich jetzt dazu sage, ist unter Vorbehalt, denn ich bin ja keine Ärztin. Deshalb möchte ich dir zuerst einmal raten, eine andere Gynäkologin aufzusuchen und ihr dein Problem ausführlich zu schildern, denn deine jetzige scheint mir ein wenig zu lax mit der Sache umzugehen.
Mein zweiter Rat ist, ganz strikt so lange keinen Verkehr zu haben, bis der Dammriss komplett verheilt ist (also auch keine rote wunde Stelle). Solange er das nicht ist, reißt es ja viel leichter wieder auf. Trage nicht nur Zinksalbe auf, sondern massiere die Stelle auch täglich mit einem guten Hautöl (z.B. Freiöl), damit die Haut geschmeidig bleibt. Denn vernarbtes Gewebe ist weniger dehnbar als gesundes. Natürlich darfst du das Öl nur dann einmassieren, wenn die Wunde geschlossen ist.
Dass du dich beim Zweiersex nicht 'fallen lassen bzw. die Kontrolle abgeben' kannst, hängt sicher zum Teil mit deiner 'Scheidenmisere' zusammen, aber vermutlich ist da noch irgendetwas anderes in dir drin, das dir ungetrübten Sexgenuss vermiest. Dies, zusammen mit der Angst vor Schmerzen, bewirkt möglicherweise, dass deine Scheidenmuskeln unwillkürlich angespannt sind, was deinen ohnehin schon engen Eingang zusätzlich verengt. Was da tragischerweise noch hinzukommt, ist, dass dein Freund ganz schön groß gebaut ist (verflixt!).
Diese unwillkürliche Anspannung nicht mehr zu haben, wäre also schon die halbe Miete.
Vorschlag 1: Es wäre gut, die seelischen Hintergründe in einem intensiveren Gespräch zu klären. Vielleicht magst du mal eine Paarberaterin mit Spezialisierung auf Sexualtherapie suchen und dort eine Probestunde machen?
Vorschlag 2: Was deinen Freund betrifft, so solltet ihr die Zeit deiner Dammriss-Heilung damit überbrücken, möglichst viele Wege herauszufinden, wie ihr euch gegenseitig mit Mund, Händen usw. ein Maximum an Lust bereiten könnt - dabei wirst du entdecken, dass es völlig okay ist, vor Lust fast durchzudrehen.
Vorschlag 3: Wenn es dann irgendwann wieder ans 'Verkehren' geht, solltet ihr abmachen, dass für eine Weile (ein paar Wochen) allein du bestimmst, was ihr macht und ob und wann ihr Verkehr habt. Denn wenn du die Kontrolle über das äußere Geschehen hast, ist es oft leichter, die innere Kontrolle abzugeben. Du bestimmst auch die Stellung und wie tief er eindringen darf. Ich nehme an, dass es vor allem durch das ungestüme Erst-Eindringen zum Dammriss kommt. Von daher sollte er das lassen. Er soll seine Eichel an deinem Eingang positionieren, aber DU ziehst ihn dir rein. Lass ihn ruhig ein Weilchen am Eingang, das kann sehr erregend sein. Lass dich von deiner Erregung leiten - wenn sie nicht groß genug ist, um dir den Impuls 'Reinziehen' zu geben, dann tu es nicht.
Ist sie groß genug, so geh zentimeterweise vor. Lass dich immer von deiner Lust leiten. Falls es dir kein Ungemach bereitet, so nimm erst einmal seine Eichel auf. Spüre, ob es sich gut anfühlt und ob du ihn tiefer spüren möchtest oder ob du´s erst mal dabei belassen willst. Für Mann und Frau kann es durchaus erregend sein, wenn eine Weile nur seine Spitze eindringt.
Manchmal hilft es, die Muskeln nach unten zu drücken, als wollte man etwas aus der Scheide herauspressen - diese Bewegung kann sie etwas öffnen.
Umfasse ruhig seinen Penisschaft und leite ihn - grade so, wie es dir behagt. Lass deinen Körper die Regie übernehmen. Falls etwas weh tut oder unangenehm ist, kannst du jederzeit abbrechen und ihr macht zum Beispiel mit einer der Techniken weiter, die euch beiden Lust bereiten (Vorschlag 2).
Vorschlag 4: Du kannst versuchen, deine Scheide an etwas Größeres zu gewöhnen - zum Beispiel durch einen Dildo oder penisförmigen Gegenstand. Natürlich nicht mit Gewalt oder Druck, sondern mit guter Vorbereitung (dich selbst erregen, Gleitmittel hinzunehmen) und nur wenn dein Körper das dann auch 'haben will'. Zuerst einen kleineren Dildo nehmen, allmählich größer werden."
Das zweite Beispiel zum Thema "Seelische Sexschmerzen" kommt von Corinna (19):
"Ich bin jetzt seit 9 Monaten mit meinem Freund zusammen und sehr glücklich. Vor ihm hatte ich einen Freund, mit dem ich 1 1/2 Jahre zusammen war. Mit ihm hatte ich mein erstes Mal... Danach wollte er ständig Sex und hat mich oft dazu gezwungen, und blöd und blind vor Liebe wie ich war, habe ich dies auch noch zugelassen. Irgendwann hat es angefangen, dass ich dabei ziemlich dolle Schmerzen bekommen habe.
Wie ich dann mit meinem neuen Freund zusammenkam, hatte ich gehofft, dass die Schmerzen weggehen, aber leider sind sie immer noch da und ich vermeide Sex meistens. Mein Freund akzeptiert das und sagt, dass er mich versteht, aber langsam ärger ich mich da schon selber drüber, denn manchmal habe ich echt Lust dazu, und wenn es denn so weit ist und er versucht einzudringen, kommt der Schmerz wieder (wenn er allerdings mit dem Finger rein geht, tut es nicht weh). Beim Frauenarzt war ich wegen der Sache schon... der meinte, alles ist in Ordnung, es kann es nur davon kommen, dass ich verkrampfe. Meine Mutter sagt auch, dass ich wahrscheinlich psychisch einen kleinen Knacks wegen meinem Ex bekommen habe. Ich weiss echt nicht mehr weiter..."
Kein Wunder, dass Corinna gegen das Eindringen eines Penis buchstäblich "Widerstand" entwickelt: Ihr Ex hat sie sexuell genötigt, und wenn man Sex gegen seinen Willen hat, wehrt sich der Körper dagegen. Beziehungsweise war sie zu schüchtern, sich zu wehren, und stattdessen hat ihr Körper versucht, das zu übernehmen. Offenbar haben ihre damaligen Schmerzen beim Verkehr den grobklotzigen Ex nicht davon abgehalten, seine Gier an ihr zu stillen.
Ganz klar, dass da ein körperliches Trauma entstanden ist, was bis heute anhält. Es rührt daher, dass der Körper eine Art "Erinnerungsvermögen" besitzt. Leider denkt er sehr schlicht, das heißt, er unterscheidet nicht zwischen dem Penis des Ex und dem des Neuen. Die Abwehr stellt sich automatisch ein - aber vielleicht kann Corinna dies auflösen, indem sie sich immer wieder bewusst machst, dass es erstens nicht ihr Ex ist, zweitens sie niemand mehr zum Sex zwingt und drittens sie ganz allein bestimmen kann, ob sie Verkehr hat oder nicht. Das muss jetzt nicht mehr ihr Körper übernehmen!
Ich machte ihr die selben vier Vorschläge wie Karin und darüberhinaus noch
„Vorschlag 5: Wichtig ist, dass du anfängst, ein liebevolles Verhältnis zu deinem Intimbereich zu entwickeln. Jede Vulva ist wie eine schöne Blume: zart, sensibel, verletzlich, aber auch in der Lage, uns Freude zu schenken. Wir müssen sie pflegen und hegen, manchmal ein bisschen streicheln, und sie respektvoll behandeln: nichts dran- und nichts reinlassen, was sie nicht möchte.
Manchen Frauen hilft es auch, einen Brief an ihre "Blume" zu schreiben. Das klingt vielleicht komisch, aber es funktioniert oft erstaunlich gut. Zuerst findest du einen Namen dafür, und dann schreibst du einen Brief, in dem du all deine Gefühle dazu ausdrückst: deine Wut über die erlebten Verletzungen, deine Ängste, deine Verwirrung, die guten Geühle, die sie dir schon beschert hat, wie du in Zukunft mit ihr umgehen willst und so weiter.
Vielleicht hilft es dir zusätzlich, deiner Wut über deinen Ex Ausdruck zu verleihen - z.B. indem du dich mit ihm triffst und ihm sehr deutlich sagst, wie arschig er sich damals verhalten hat. Oder indem du auch ihm einen Brief schreibst. Aber du musst nach deinem Bauchgefühl entscheiden, ob dir das helfen würde.
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