Mein Freund verschließt seinen Körper vor mir, seit 5 Jahren haben wir so gut wie keinen Sex
Hallo,
Da ich meinen Freund wirklich von Anfang an sehr anziehend und faszinierend fand und eine Beziehung mit ihm wollte, habe ich anfangs darüber hinweggesehen, dass es eigentlich nicht passt. Er hatte anfangs oft geweint, wenn er in mir gekommen ist, hat von seiner ex-affaire erzählt, die so toll im Bett war und von der betrogenen exfreundin, mit der er fast nie geschlafen hat, weil er sie zu dick fand.
Mit uns klappte es also auch nicht wirklich im Bett. Er sagte aber immer wieder, wie toll und schön und sexy er mich findet. gleichzeitig kriegte er aber kaum je einen hoch. Wenn ich Sex will und zB. versuche ihn liebevoll oder sexy oder wild oder wie auch immer zu verführen, dann dreht er sich weg. Wenn er will, dann fummelt er ziemlich geradelinig zwischen meinen Beinen, legt sich dann kurz auf mich und onaniert zum Schluss. Es frustriert mich so sehr!
In den anderen Bereichen haben wir uns sehr schön gemeinsam entwickelt. Wir wohnen zwar nicht zusammen, verbrachten bis vor kurzem aber viel Zeit miteinander, hatten gemeinsame Hobbies und auch genug Eigenständigkeit, was uns trotz der Kämpfe im Bett sehr miteinander verbunden hat. Ich habe auch eine kleine Tochter, mit der er sehr nett umgeht - wenn er grad nicht wieder auf sie eifersüchtig ist, was ab und zu vorkommt.
Ich habe öfters versucht, mit ihm darüber zu reden. Immer sehr wertschätzend und mit dem Signal "Es geht mir damit nicht gut und würde gerne mit dir gemeinsam über Lösungen nachdenken." ich habe ihn gebeten, mit mir eine Paartherapie zu machen und später sogar angeboten, dass er mit anderen Frauen schlafen soll, wenn er mit mir dann besser kann. Aber ich habe das Gefühl, dass ich hier ziemlich allein gelassen werde und zunehmend frustriert bin. Er ist immerhin einmal zum Arzt gegangen, weil ich seit fünf Jahren nicht schwanger werde (Naja, wie auch ohne Sex). Der attestierte ihm eine psychisch bedingte Impotenz und ließ anklingen, dass das meist am Stress mit der Frau zusammenhängt. Na super.
Wenn ich unser Problem ansprechen will, wird er angriffig und bricht Streit vom Zaun. Dann gehe ich meistens, weil er dann sehr untergriffig werden kann. Was meinen Selbstwert angreift und wo ich dann den Respekt vor ihm verliere.
Die Gründe, warum bei ihm nichts geht, sind nach seinen Angaben vielfältig und wechseln sich ab. Die meisten widerruft er später. Eine Auswahl:
1. Weil ich seine Sexpraktiken ja gar nicht mögen würde (geht in Richtung SM, er möchte Sub sein - ich habs ihm zuliebe oft gemacht)
2. Weil er Angst hat, dass uns jemand hören könnte.
3. Weil ich beim letzten Streit gegangen bin und das ein vertrauensbruch ist.
4. Weil ich angeblich so eifersüchtig bin, dass sein trieb wegbleibt (dabei hat er früher immer meine mails gelesen und mein Handy gescreent)
5. weil ich angeblich noch meinen Ex liebe (was gar nicht wahr ist)
6. weil er bisexuell sei (was er jetzt widerruft - wäre nur so eine phase gewesen)
7. weil seine Mutter ihn als Kind belästigt hätte
8. Weil auch sein Vater impotent gewesen wäre und er einen "Fluch" mit sich trage usw. usw.
Was michfrustriert ist, dass ich das Gefühl habe, dass er gar nicht an einer Lösung interessiert ist, sondern meistens nur nach Gründen sucht, warum ich daran schuld bin. Vielleicht findet er es ohnehin ok, sich ab und zu einen runterzuholen, wenn ich daneben liege. Er erzählt aber, dass er sich oft mehrmals täglich masturbiert, wenn ich NICHT da bin.
ich fühle mich sexuell schon total wertlos. Wenn ich mit anderen Männern schlafe merke ich zwar, dass ich nach wie vor attraktiv bin und mein Körper den sinnlichen Genuß noch nicht verlernt hat, aber dann bin ich traurig, weil ich diese Männer nicht liebe. Und sie mich auch nicht - wo ist da der Unterschied, ob sie zu einer Prostituierten gehen oder mit einer frustrierten Frau schlafen? Außer, dass sie bei mir nicht zahlen müssen? ich fühle mich ziemlich traurig und alleine gelassen.
Das mit den anderen Männern sage ich ihm nicht. Das wäre dann wohl ganz das Ende. Auch das macht mich fertig. Was soll ich nur tun? Bitte antworte mir.
Kathi
Liebe Kathi,
Du schreibst:
"Er hatte anfangs oft geweint, wenn er in mir gekommen ist, hat von seiner ex-affaire erzählt, die so toll im Bett war und von der betrogenen exfreundin, mit der er fast nie geschlafen hat, weil er sie zu dick fand.
Mit uns klappte es also auch nicht wirklich im Bett. Er sagte aber immer wieder, wie toll und schön und sexy er mich findet. gleichzeitig kriegte er aber kaum je einen hoch. Wenn ich Sex will und zB. versuche ihn liebevoll oder sexy oder wild oder wie auch immer zu verführen, dann dreht er sich weg. Wenn er will, dann fummelt er ziemlich geradelinig zwischen meinen Beinen, legt sich dann kurz auf mich und onaniert zum schluss. Es frustriert mich so sehr!"
Ach du meine Güte! In der Tat, das ist wirklich schrecklicher Sex, traurig und frustrierend. Ist ja prima, dass ihr euch sonst gut versteht, aber wie kannst du das so lange aushalten??? Eine Frau im schönsten und lustvollsten Alter?
Und vor allen: Ich dachte bereits an dieser Stelle deiner Mail, Hilfe, bei diesem Typen ist irgendwas schwer in Unordnung, um nicht zu sagen: eine schwere sexuelle Störung.
Ich hatte hier schon den Verdacht, dass er sexuellen Missbrauch erlebt hat.
Die Bestätigung fand sich in den Gründen, die er angibt. Punkt 1 bis 6 sind natürlich Quatsch und sollen nur davon ablenken, dass er dringend therapiebedürftig ist (dies aber weit von sich schiebt).
Das mit dem Fluch vom Vater ist auch Quatsch (Impotenz ist nicht erblich). Aber es steht zu vermuten, dass der Vater impotent war und dies mit ein Grund war, warum die Mutter sich am Sohn vergriffen hat - und zwar über lange Zeit. Die Impotenz des Vaters war sicher nicht der einzige Grund - vielleicht war er impotent, weil die Mutter ohnehin ziemlich gestört war, was zur Neurose des Sohnes noch mehr beitrug.
Sehr viele Männer, deren Mutter sexuell oder körperlich übergriffig war, entwickeln genau die Symptome deines Freundes und zusätzlich eine SM-Neigung (oder Domina-Neigung) - das heißt, da fand eine gewisse "Prägung" statt. Offenbar sind sie nur in einem bestimmten Kontext oder Rollenspiel in der Lage, ihre angstbelastete Sexualität auszuleben.
Ist klar, dass er eine ausgewachsene Therapie braucht. Aber da er selbst sich extrem sträubt, überhaupt ein bisschen in seine Problematik reinzuschauen, ja überhaupt sie als Problematik anzuerkennen, halte ich die Chance, dass ihr beide in den nächsten 15 Jahren zu einem funktionierenden und für dich erfüllenden Sexualleben kommt, für sehr gering.
Du schriebst, "er verschließt seinen Körper vor mir" - tja, und er verschließt sich auch vor deinem Körper und deinen körperlichen Wünschen und Bedürfnissen, die in der Liebe nicht nur legitim sind, sondern auch zu den schönen und verbindenden Dingen der Liebe gehören.
Das Schlimme ist, dass dir ja nicht nur der Sex schmerzlich fehlt (der einfach zu einer Paarbeziehung gehört!), sondern dass es auch immer mehr an deinem Lebens- und Selbstwertgefühl kratzt.
Da draußen laufen Millionen von Männern mit einer normalen Sexualität rum. Da muss doch einer dabei sein, der genauso gut zu dir passt...?
Liebe Grüße
Beatrice
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