Dauerschmerzen und Erschöpfung killen meine Lust, mein Mann hält es für Ausreden
Hallo,
Meine Situation ist folgende:
Wir haben eine 2 1/2 jährige Tochter (die mich den ganzen Tag über schön auf Trab hält) und einen 9 Monate alten Sohn (er ist brav).
Seit der Geburt meiner Tochter leide ich an Schlafstörungen, die sich innerhalb des letzten halben Jahres dermaßen ausgeweitet haben, daß ich nur noch so zwischen 3 und 5 Stunden schlafe, aber das leider auch nicht an einem Stück. Verschiedene Ursachen snd dafür verantwortlich. Ich leide an einer Sehnenentzündung im rechten Arm, kämpfe auch schon seit einem halben Jahr um eine Kur, weil Krankengymnastik nicht anschlägt.
Vor Schmerzen kann ich oftmals sehr schlecht einschlafen, wache auch auf davon. Wenns mal nicht die Schnerzen sind, ist es ein Kind, das nachts schreit. Oder ich wache einfach nur so auf und kann nicht mehr einschlafen. weil ich ja nebenbei auch noch unseren Haushalt erledigen muss und ja leider nix davonläuft, muss ich das mit meinem schmerzenden Arm natürlich auch machen.
Ich bin einfach erschöpft und müde.
Nun zu meinem Mann. einmal in der Woche reicht ihm nicht und er behauptet auch, wir hätten ja nur einmal im Monat Sex. Was natürlich nicht stimmt. Einmal in der Woche ist es schon mindestens. Ich bin eben nur nicht eben aktiv dabei und sage, wenn er Sex will, dann können wir schon machen. Ich weiß, daß das nicht gerade toll st für einen Mann.
Aber etwas vorspielen, was nicht da ist, will ich auch nicht. Nun liege ich also nachts neben ihm im Bett, traue mich nicht, zu kuscheln, weil ich weiß, daß er dann garantiert mehr will. Letzte nacht ist er dann aus dem Bett verschwunden und aufs Sofa abgewandert und hat die Nacht dort verbracht. Er wirft mir nun also vor, ich würde ihn nicht mehr lieben (was absoluter Schwachsinn ist) und in eine Beziehung gehört Sex und Leidenschaft, das wäre gar nicht mehr da bei mir. So nach dem Motto, echte Sexlust und Leidenschaft würden nicht beeinträchtigt durch die "lächerlichen" Beschwerden wie Müdigkeit, Schmerzen, Erschöpfung, die man beim Sex ja eh nicht spürt, wenns richtig ist. Außerdem weiß ich nicht auch, ob nicht die kurzen Abstände der Geburten und Schwangerschaften auch Auswirkungen hat. Mein Beckenboden ist mangels Rückbildungsgymnastik halt auch (noch) nicht richtig fest.
Bitte Hilfe! Bin ich wirklich leidenschaftslos von Natur aus oder ist mein Mann im Unrecht?
Liebe Grüße,
Claudia
Liebe Claudia,
Du schreibst, dein Mann ist in etwa der Meinung, "echte Sexlust und Leidenschaft würden nicht beeinträchtigt durch die "lächerlichen"
Beschwerden wie Müdigkeit, Schmerzen, Erschöpfung, die man beim Sex ja eh nicht spürt, wenns richtig ist."
Das ist natürlich Blödsinn. Denn Sexlust und Leidenschaft können ja gar nicht erst aufkommen, wenn man von vornherein so beeinträchtigt ist.
Der schlaffe Beckenboden spielt zusätzlich eine Rolle, vor allem hast du dann große Probleme, zum Orgasmus zu kommen.
Aber was bei dir sicher noch eine große Rolle spielt, ist der direkte und indirekte Druck durch deinen Mann. Das ist fast der größte Lustkiller von allen!
Zumal eure Sexquote ja noch ziemlich gut ist. Bei sehr vielen Paaren mit so kleinen Kindern findet kein Sex statt oder fast keiner.
Aber vielleicht ist dein Mann auch deswegen gefrustet, weil er (wie sehr viele Männer) eure Liebe ganz stark über Sex und Leidenschaft definiert.
Anders gesagt, Je öfter und je leidenschaftlicher du mit ihm schläfst und je begehrter er sich fühlt, desto mehr fühlt er sich von dir geliebt. Dieses männliche Bedürfnis wird oft grade in den Phasen nach Geburten und/oder mit kleinen Kindern sehr stark - und zwar weil die Frau ihre Liebe, ihre Zeit, ihre Energie vor allem den Kleinen zuwendet und nur wenig dem Mann. Offen darf er´s nicht einfordern, weil ja klar ist, dass sich die Frau mehr den Kindern zuwenden muss. Also hat er das Bedürfnis, sich seine Portion Liebe wenigstens über das Körperliche und den Sex zu holen.
Ich hab bei dir auch das Gefühl, dass du dich ein wenig zu sehr für die Kinder aufreibst, weil du versuchst, eine super Mutter zu sein und immer für die Kinder da zu sein. Das ist zwar sehr ehrenhaft, aber du MUSST mehr an dich (und auch an deine Ehe) denken. Denn was nützt den Kindern eine Supermami, die rund um die Uhr für sie da ist, wenn es dieser Mami selbst nicht gut geht und sie darüber ganz krank wird und außerdem noch die Beziehung zum Papa Risse kriegt???
Kurzum:
Du musst dich jetzt wirklich mal gezielt darauf konzentrieren, deine Entzündung und die Schlafstörungen wegzukriegen und dich gründlich zu erholen. Eine Kur wäre klasse, aber das dauert vermutlich zu lange und du brauchst die Auszeit JETZT!
Mein Rat: Verreise für drei Wochen, um dich zu schonen. Nimm den Kleinen evtl mit, denn er ist ja erst 9 Monate - und brav.
Dein Mädchen lässt du beim Papa - falls das geht (kann er evtl. Urlaub
nehmen?) - oder bei einer Tagesmutter oder einer anderen geeigneten Betreuung.
Hab keine Scheu, sie für 3 Wochen beim Vater oder jemand anders zu lassen. Es wird ihr nicht schaden, sondern gut tun, denn sie kann nicht ewig ein Mamakind bleiben. Und deinem Mann würde es verdammt gut tun, selbst zu erleben, wie anstrengend es ist!
(Ein Freund von mir, dem ich deinen Brief vorlas, rät das selbe, denn er hat ganz ähnliches erlebt. Als seine Kinder 1, 2 und 4 Jahre als waren, drehte seine Frau schier durch und er schickte sie - über Weinachten und Silvester! - für ein paar Wochen zu ihren Eltern auf die Kanaren. Er selbst kümmerte sich um die Kinder. Er sagt, es war anstrengend, aber er hat es hingekriegt und dabei auch sehr viel gelernt.)
Liebe Grüße und gute Besserung
Beatrice
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