Mein Freund ist devot, ich gehe auf ihn ein, aber bleibe selbst auf der Strecke
Liebe Beatrice,
Ich lebe seit fast 13 Jahren in einer Beziehung, mein Freund ist 6 Jahre jünger als ich und war damals sehr unerfahren. Aber gerade das reizte mich. Er wollte von Anfang an ein eigenes Kind (ich hatte bereits 2), nachdem die Beziehung gefestigt war, stimmte ich zu. Und da begann dann das Unheil.
Ab dem Zeitpunkt der Schwangerschaft gab es nur mehr sehr wenig Sex, mit sehr wenig meine ich ungefähr 2-3-mal im Jahr. Das war mir aber zu wenig, ich versuchte mit ihm zu reden, er versprach immer nur sich zu bessern. Leider ohne Ergebnis. Ich wurde immer unzufriedener und das wirkte sich auch auf mein Umfeld aus. Da aber der normale Alltag ohne Probleme verlief und ich immer wieder versuchte mit ihm zusprechen, hielt ich durch und stürzte mich umsomehr in meine Arbeit.
Mein Vertrauen zu ihm war immer da, ich benutzte genauso seinen PC wie sein Handy, ohne auf die Idee zu kommen ihn zu kontrollieren.
Nun, vor 3 Monaten suchte ich Hilfe zu einem Programm und stieß dabei auf etwas das ich nie geglaubt hatte. Mein Freund benutzt seit Jahren den Namen des Programms als Nickname für verschiedene Onlinespiele. Nur in der Suchmaschine kam dann einiges anderes ans Tageslicht.
Er hatte sich in verschiedenen Single-/Erotic-/Sex- und Videobörsen angemeldet, auf der Suche nach einer Affäre, Seitensprung und Ähnlichem. Ich stürzte in ein tiefes Loch. Am selben Tag packte ich meine Koffer zusammen, wartete bis er nach Hause kam und sprach ihn darauf an. Was ich an diesem Abend erfuhr ließ mich noch tiefer stürzen, er besuchte seit 5 Jahren verschiedene Dominas um seine devote Veranlagung ausleben zu können. Knüpfte über die Singlebörsen Kontakte zu Frauen um dies weiter auszubauen.
Tagelang diskutierten wir und überlegten wie das Problem zu lösen sei. Ich ließ mich zu einer Versöhnung überreden (glaube halt immer an das gute im Menschen) obwohl es mir sehr schwer viel. Bin in sexueller Hinsicht sehr aufgeschlossen und zu den diversen Spielchen muss ich mich nicht überwinden. Doch immer öfter frage ich mich selbst ob dies auch eine Zukunft hat.
Er bekommt zwar nun das, was er möchte, doch habe ich das Gefühl dass ich selbst auf der Strecke bleibe. Wenn ich ihn Oral oder mit der Hand befriedige ist alles in Ordnung, doch kaum will/soll er in mich eindringen ist es vorbei, sein Penis wird schlaff und dann geht nichts mehr.
Obwohl wir seit dem Vorfall sehr viel darüber reden, gibt es keinerlei Anzeichen einer Besserung. Habe ihm eine Paartherapie vorgeschlagen, das möchte er jedoch nicht, da er der Meinung ist das schaffen wir auch so.
Inzwischen belastet mich dieses Problem sosehr das ich mit meiner Arbeit nicht mehr nachkomme, meine Gedanken den ganzen Tag nach einer Lösung suchen.
Es stellen sich mir doch einige Fragen: Bin ich Egoistisch? Gibt es überhaupt einen Ausweg aus dem ganzen? Wie kann ich weiter vorgehen?
Wäre über eine Hilfestellung sehr dankbar, denn momentan sehe ich keine mehr.
Heike
Liebe Heike,
Ein Ausweg? Ja, eine Paartherapie.
Ihr Freund liegt völlig falsch, dass Sie das auch so hinkriegen. Das werden Sie nicht, dazu ist das Problem viel zu groß und sitzt (bei beiden) viel zu tief.
Und eine Paartherapie wird nur dann was bringen, wenn a) der/die Therapeut/in wirklich ausgebildet und sehr erfahren ist in Sexualtherapie, und b) Ihr Freund bereit dazu ist. Aber das wird er vielleicht nur dann, wenn er deutlich sieht, dass es sonst für Sie nicht weitergehen kann - also dass Sie ernst machen, falls er nicht bereit dazu ist. Sprich, Sie selber sollten zu einer klaren Entscheidung finden: Entweder wir machen eine Therapie - oder ich gehe wirklich.
Der Zustand, wie er jetzt ist, macht Sie ja jetzt schon fertig. Das heißt, da muss sich was Einschneidendes ändern.
Wie können Sie weiter vorgehen?
1) Klare Entscheidung treffen, Entschlossenheit entwickeln und zeigen.
2) Sie können sich schon mal selbst schlau machen, welche Paartherapeuten in Ihrer Umgebung dafür in Frage kämen. Machen Sie Termine für Probegespräche, gehen Sie evtl erst mal allein hin, um herauszufinden, ob der/die Therapeut/in was wäre oder nicht. Und wenn es von der Kompetenz und von Ihrem Gefühl her stimmt, dann gehen Sie zusammen mit Ihrem Freund hin.
Liebe Grüße und alles Gute
Beatrice
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