Ist mein Mann etwa ein Schuhfetischist? Wenn ich ihn frage, rastet er aus

Hallo Beatrice,
ich bin jetzt schon 1 1/2 Jahre mit meinem Mann verheiratet, und wir haben auch einen 10 Monate alten gemeinsamen Sohn. Meinen Mann kenne ich aber auch erst seit ca. 3 Jahren, und langsam entdecke ich Seiten an ihm, die ich vorher nicht kannte. Ich entdeckte sehr viele Frauenschuhe, in beinahe allen Größen, auf seinem Schrank, und als ich ihn darauf ansprach, tischte er mir nur Lügen auf, die ich nicht akzeptieren will und kann. Ich vermute, dass er die Schuhe (natürlich alle gebraucht) über das Internet erstanden hat. Ich darf allerdings auch nie in diverse Pakete schauen, die er sich schicken lässt.
Ist mein Mann etwa ein Schuhfetischist, oder könnte das auch andere Gründe haben? Ich traue mich nicht, ihn direkt zu fragen, weil er so schnell aus der Fassung gerät. Wir haben auch fast keinen Sex mehr, und wenn wir Sex haben, dann meist nachdem ich meine schwarzen hohen Lederstiefel anhatte.
Aber warum redet er nicht mit mir darüber und lügt mich immer an? Das Wichtigste für mich in einer Ehe ist, dass man sich vertrauen und alles erzählen kann und somit keine Geheimnisse vor einander haben braucht. Ich fühle mich da in allem hintergangen, auch weil er Kontaktanzeigen am Laufen hat und sehr vielen Mädels auf Kontaktanzeigen antwortet. Die Situation wächst mir langsam über den Kopf, und ich muss ständig darüber nachdenken, komme aber zu keinem Ergebnis. Ich trau mich einfach nicht ihn darauf anzusprechen, weil ich dann Angst vor ihm bekomme, und zwar dass er in der Wut unserem Sohn oder mir irgendetwas antut, oder Sachen zerstört.
Bitte, bitte, schreib mir eine Antwort und sag mir, was ich tun kann. Ich pack das alles sonst nicht mehr, weil ich jetzt schon so verzweifelt bin, dass ich nicht mehr weiter weiß.
Gruß, Kathi (28)

Schuhfetischist, Stilettos, sexy Mann

Liebe Kathi,
ist dein Mann etwa ein Schuhfetischist? Ich denke, ja, es spricht alles dafür.
Du fragst:
“Warum redet er nicht mit mir darüber und lügt mich immer an?”
Weil er sich schämt, weil es ihm peinlich ist, weil er nicht will, dass du ihn für “pervers” hältst oder ihm Vorschriften/ Vorhaltungen machst, und vielleicht weil er selber noch nicht weiß, wie er seine Neigung einordnen soll. (Das ist übrigens auch der Grund, warum er so leicht aus der Fassung gerät bzw. so schnell in Wut gerät.)
Das Schlimme ist, dass sein Drang nach Schuhfetischismus offenbar immer stärker wird – das ist leider sehr oft so. Und deine Chancen, dass er das irgendwann aufgibt und wieder “normalen” Sex mit dir hat, sind verdammt gering.
Normalerweise würde ich dir tatsächlich raten, ihn offen drauf anzusprechen. Aber wenn er auch noch gewalttätige Züge hat (“trau mich einfach nicht ihn darauf anzusprechen, weil ich dann Angst vor ihm bekomme, und zwar dass er in der Wut unserem Sohn oder mir irgendetwas antut, oder Sachen zerstört”), kann ich dir leider nur eines raten: Pack deine Sachen und deinen Sohn ein und verlass ihn. Was willst du mit einem Mann, dessen Sexualität nicht zu der deinen passt und mit dem du nicht mal reden kannst, ohne Angst haben zu müssen, dass er dir oder deinem Kind was antut? Und dessen Eigenarten dich kränken und so zur Verzweiflung bringen, dass du nicht mehr weiter weißt? Das alles ist ziemlich schrecklich.
Kein Mann ist es wert, dass wir für ihn unsere Selbstachtung und unseren Seelenfrieden verlieren.
Wenn deiner Einschätzung nach die Gefahr besteht, dass er gewalttätig wird, sobald du deine Sachen packst, gehst du am besten in ein Frauenhaus. Das sind geheime Häuser, zu denen nur Frauen Zugang haben. Männer erfahren die Adressen nicht, und wenn sie sie doch rauskriegen, dann werden sie nicht reingelassen. Dort kümmert man sich um dich und das Kind, ihr könnt da wohnen und essen, und es gibt sehr nette Frauen, die dich unterstützen und dich umfassend beraten, was du tun kannst und wie du dich schützen kannst und wie es weitergeht mit euch.
Die Adressen von Frauenhäusern erfährst du über Frauenzentren und über Pro-Familia-Stellen (Internet, Telefonbuch).
Alles Gute, Beatrice Poschenrieder