Frau oder Geliebte: zwischen Liebe und Verantwortungsbewusstsein (TEIL 1)

Hi Beatrice,
hier schreibt Dir einer mehr von der Sorte Männer, die nicht mehr wissen, wohin sie gehören. Ich, 38, verheiratet seit 10 Jahren, Vater von zwei kleinen Kindern. Sie, 33, die Andere, ebenfalls verheiratet seit fast 10 Jahren, aber seit 2 Monaten getrennt lebend in ihrer eigenen Wohnung.
Kennengelernt habe ich sie beim Chatten, getroffen haben wir uns das erste Mal vor gut 7 Monaten. Wir waren uns ziemlich schnell klar, dass wir uns ineinander verliebt haben. Es war zu viel Gefühl dabei, um nur von Sex und Abenteuer zu sprechen. Seitdem haben wir uns oft getroffen. Mal für einen Tag bzw. für eine Nacht und auch schon ein paarmal länger. Sogar schon mal für fast eine ganze Woche. Meine Frau hat keine Ahnung, dass es eine andere gibt, hat aber sehr wohl mitbekommen, dass ich mich sehr verändert habe.
Wir führen schon seit gut zwei Jahren nur noch eine Ehe auf dem Papier, haben jetzt seit über 4 Monaten nicht mehr miteinander geschlafen. Ich kann das nicht mehr, kann ja nicht mal mehr Berührungen zulassen.
Was uns noch zusammenhält? Die Kinder und das vor 2 1/2 Jahren gebaute Haus. Ich bin hin und her gerissen zwischen Liebe und Verantwortungsbewusstsein. Tja, und es ist gekommen, wie es kommen musste. Meine große Liebe kann so nicht mehr weitermachen, fürchtet, dass ich ihr irgendwann sagen muss, dass es vorbei ist, weil ich mich nicht ganz und gar für sie entscheiden kann. Sie will nicht noch mehr investieren aus Angst vor dem Schmerz der Enttäuschung. Wir haben uns jetzt darauf geeinigt, dass erstmal Funkstille herrscht und es keine weiteren Treffen mehr gibt, auch keine Anrufe mehr, nur noch Kontakt per E-Mail, bis ich weiß, was ich wirklich will.
Du kannst mir sicher sagen, woran ich erkennen kann, ob ich diese Frau genug liebe, um für sie meine Familie zu verlassen. Ich verlange keine Absolution, aber ich wär dankbar für die ein oder andere “Entscheidungshilfe”. Die Zeit drängt, sie wird nicht mehr lange warten können.
Thorben (38)


 
Lieber Thorben,
selbst wenn es deine Affäre nicht gäbe, würde ich dir raten, dich von deiner Frau zu trennen. Was ist eine Ehe wert, die “nur noch auf dem Papier” existiert?
Du bist “hin und her gerissen zwischen Liebe und Verantwortungsbewusstsein”? Ist dir vielleicht schon mal zu Ohren gekommen, dass “Liebe” idealerweise zu einer Beziehung gehören sollte, zu einer Ehe also allemal? Eine Ehe nur aus Verantwortungsgefühl aufrecht zu erhalten, ist keine gute Idee, für keinen der Beteiligten. Nicht mal für die Kinder. Kinder, die eine lieblose Beziehung vorgelebt bekommen, sind dazu vorprogrammiert, später auch nur kaputte Beziehungen zu haben. Ich weiß, wovon ich rede, denn sie flattern mir tagtäglich auf den Tisch (bzw. in den Computer). Außerdem bestätigen Studien immer wieder, dass es für die Kinder besser ist, wenn die Eltern glücklich getrennt als unglücklich vereint sind. Und schließlich deine Frau: Hat sie nicht auch im Grunde ein armseliges Leben als gehörnte, ungeliebte, ungestreichelte, ungeküsste Gattin? Wäre es nicht besser, ihr die Chance zu geben, irgendwann noch einen Mann zu treffen, der sie liebt und begehrt?
Und auch für das Haus gibt es Lösungen.
Wichtig ist halt, dass ihr nicht im Unfrieden auseinander geht, damit ihr wegen der Kinder und des Hauses für beide zufriedenstellende Kompromisse findet.

Naja, aber überstürz erst mal nichts. Sprich mit deiner Geliebten ganz genau durch, was wäre, wenn du dich wirklich trennst. Könnt ihr eure Liebe noch eine Weile geheimhalten, um des Friedens mit deiner Ehefrau willen?
Ich wünsche dir Mut und die richtige Entscheidung
Beatrice Poschenrieder
((bitte hier klicken für Teil 2 des Briefes))