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Meine neue Freundin hat eine exzessive Sexvergangenheit, ich komme damit nicht klar

Ben, 38

Hallo Beatrice,

nach einer 12 jährigen Beziehung zu einer Partnerin (wir haben ein gemeinsames Kind) und der Trennung lebte ich 4 Jahre mehr oder weniger alleine. In den 4 Jahren hatte ich eine kürzere Beziehung zu einer Frau, ein weiterer Versuch eine neue, feste Beziehung aufzubauen scheiterte ebenfalls daran, dass ich vermutlich die Partnersuche zu anspruchsvoll gestaltet habe.
Ich wollte aber keine Partnerin auf Biegen und Brechen, sondern habe nach meiner Traumfrau gesucht.
Ich meldete mich bei einer seriösen Partnervermittlung an und nach einigem Suchen fand ich die Partnerin meiner Träume. Sie ist 33 Jahre alt und wir haben uns direkt ineinander verliebt.
Sie übertraf alle meine Erwartungen an eine Partnerin um ein Vielfaches. Die sexuelle Seite unserer Beziehung sowie der Alltag sind sehr harmonisch verlaufen. Nach bereits 6 Monaten sind wir in eine gemeinsame Wohnung gezogen.

Nach einiger Zeit stieß ich allerdings auf die sexuelle Vergangenheit meiner Partnerin. Sie liebte ständig sehr oft wechselnde Partner, Swinger-Clubs, Sadomaso-Sex und vieles mehr. Ich war geschockt über die Erkenntnis. Ich wünschte, ich hätte diese Seite meiner Partnerin nicht kennen gelernt. Sie meinte, sie wolle nur ehrlich sein. Sie sagt, sie hätte nicht mehr das Bedürfnis nach dieser Art von Sex, sondern sie liebt nur mich und wird zukünftig nur mit mir glücklich sein. Dann ist das Unglaubliche passiert. Beim recherchieren über SM-Sex im Internet in einem Sex-Forum bin ich auf Bilder gestoßen, die meine Partnerin bei freizügigen, sexuellen Handlungen mit Männern zeigt. Ihr Gesicht ist zwar unkenntlich gemacht, aber ich erkannte meine Partnerin sofort. Sie stritt auch nicht ab, dass es so ist.
Ich bin am Boden zerstört und stelle nun unsere Beziehung in Frage. Seit Tagen bin ich ein seelisches Wrack. Ich kann weder Essen noch schlafen.

Meine Partnerin versichert, dass dies nur ihre Vergangenheit ist und nichts mit unserer Beziehung zu tun hat. Sie fleht mich an, bei ihr zu bleiben.

Ich habe nicht erwartet eine Partnerin zu suchen, die Jungfrau ist. Allerdings ist dies das andere Extrem.
Wären diese Informationen über meine Partnerin für mich verborgen geblieben, wäre ich der glücklichste Mensch gewesen.
Warum quält mich die Erkenntnis nur so?
Ich rede mir ein, es ist Vergangenheit und diese belastet mich nicht. Aber leider ist es nicht so.
Liebe Beatrice bitte geben Sie mir einen Rat. Was kann mir helfen? Geredet habe ich mit meiner Partnerin darüber. Es ist eher schlimmer geworden als besser.
Liebe Grüße
Ben





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Lieber Ben,

es ist sehr schwierig für mich, hier etwas zu raten.
Ich sag erst mal etwas hierzu:
"Warum quält mich die Erkenntnis nur so?"
Wenn Sie mit Erkenntnis das Wissen über ihre Vergangenheit meinen: Das verstehe ich gut. Wenn ich in einen Mann verliebt wäre, über den so etwas rauskommen würde, wäre ich genauso erschrocken und erschüttert und voller Zweifel. Denn ich würde befürchten, dass 1. sein starker Sextrieb bald wieder zum Vorschein käme und er mir mit allen möglichen Frauen fremdginge, und 2. dass ihn unser Sex bald anöden würde und er entweder irgendwelchen Sexkram von mir wollte, den ich nicht teile (SM, Swingerclubs, usw.), oder sich das dann eben im Alleingang holen würde, und 3. dass er mich über kurz oder lang verließe für eine Frau, die seine Sexneigungen eher teilt. Dazu kommt noch, dass ich in meinen eigenen Beziehungen eine tiefe Ablehnung dagegen habe, unseren Sex nach außen zu tragen - Sex ist für mich etwas, was ich nur mit meinem Partner teilen will, und nicht mit Leuten im Pärchenclub und in SM-Clubs oder mit Internet-Onanierern. Ich habe ein gewisses Misstrauen bei Leuten, die sowas tun (nicht im Beruflichen, aber im Privaten) - ehrlich gesagt, halte ich sie für seelisch etwas gestört. Sie kompensieren mit dieser exzessiven Sexualität irgendeine neurotische, dunkle Seite ihrer Seele. Gleichzeitig hätte ich Angst, dass mein freizügiger Partner mich bald für prüde und sexuell langweilig hielte und mich unter Druck setzen oder nicht mehr lieben würde.
Leider sind all diese Befürchtungen nicht von der Hand zu weisen, denn sie kommen in meiner Beratung oft vor (bzw. deren negative Auswirkungen auf Beziehungen). Und leider ist es auch so, dass Leute mit so einem Sextrieb zwar manchmal aus Liebe den Willen haben, ihn abzustellen, es aber meist nicht schaffen - sobald die Beziehung und der Sex mit dem neuen Partner in "normale", ruhigere Gefielde gehen (und das tun sie nun mal immer), bricht der Trieb wieder durch.
Allerdings will ich Ihnen auf keinen Fall raten, nur wegen meiner Einschätzung Ihre Beziehung zu beenden - denn was, wenn Ihre Freundin es tatsächlich schafft? Oder vielleicht könnten Sie sich auch mit einem gedanklichen Notanker anfreunden? Nämlich dass Sie sich im Fall der Fälle damit anfreunden könnten, dass Ihre Freundin ihre Sexualität ausleben dürfte - teils mit Ihnen, teils ohne Sie, aber nach vorher abgesprochenen Regeln (z.B. kein Verkehr mit anderen Männern).

Herzlichst
Beatrice

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