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Seit mein Freund so aggressiv wurde, wird mir beim Zusammensein mit ihm immer wieder kotzübel

Antonia, 18

Hallo Beatrice

Ich habe in den letzten Monaten ein Problem festgestellt, was mich immer mehr belastet.
Ich bin mit meinem Freund nun über 1 1/2 Jahre zusammen und ich kann wirklich sagen, dass wir eine glückliche Beziehung führen (wenn man von 4 Ereignissen absieht. s.u.) und dass er einfach einmalig ist, so jemanden trifft man nicht oft. Er ist einfach wunderbar und ich kann mit ihm über alles reden... wirklich, ich habe einfach das Gefühl, dass es so eine Beziehung wie wir sie führen, nicht oft gibt.

Der Beginn unserer Beziehung war problematisch, aber das wäre jetzt zu lang, um das zu erzählen.
Jetzt aber endlich zu meinem Problem: im August 2006 waren mein Freund und ich feiern gewesen, in nem Festzelt und so. Es waren viele von seinen Kumpels da (mit denen ich mich auch gut versteh) und ne Freundin von mir. Meine Freundin und ich waren die meisten Zeit zusammen und er mit seinen Jungs, ist ja auch nicht weiter schlimm. Aber am Ende, als wir gehen wollten (es war ca. 1 uhr) war mein Freund tierisch besoffen und hatte (total unnötigen) Stress mit nem Kumpel angefangen, keine Ahnung warum. Also mein Freund war außer sich, er hat gegen die Bauzäune (als Absperrungen von dem Fest) getreten, geschlagen. Er hat sich die Finger blutig gehauen und sich auch an den Füßen verletzt, also er war total weg. Ein Kumpel hat auf ihn eingeredet und ich dann irgendwann auch, weil es mir gereicht hat und ich heimwollte. Ich habe ihn irgendwann angeschrien und er hat mich nicht mal wahrgenommen! Ich stand neben ihm und er hat nichts mehr mitbekommen! Ich war stinksauer inzwischen weil ich heim wollte (ich musste am nächsten Tag früh aufstehen). Ich hab mich dann irgendwann hingesetzt auf nen Zaun und gewartet, bis er endlich sich abreagiert hat, aufgehört hat zu diskutieren usw. Es war dann so ca. halb 3 nachts, da kam er dann zu mir, wo ich saß. Er war wieder recht nüchtern und ihm ist klar geworden, wie er sich benommen hat und hat sich bei mir entschuldigt. Ich war immer noch sauer, was er auch gemerkt hat. Ihm hat das dann alles so leid getan und er hat angefangen zu weinen..... Und in DEM MOMENT IST ES PASSIERT: mir ist schlecht geworden! Ich habe mich umgedreht und musste kotzen! (ich war nicht betrunken, hatte auch nix falsches gegessen!) Es waren meine Gefühle. Ich habe keine Ahnung warum. So, wir hatten dann ein paar Tage eine leichte Krise und dann war alles wieder ok.
FÜR EINEN MONAT! Ende September, wir waren Donnerstag abends was essen, waren wir bei mir und lagen auf dem Bett. Wir haben ein bischen geredet (was weiß ich, über was) und ich wollte ihm sagen wie sehr ich ihn liebe. In DEM MOMENT habe ich gespürt, wie mir wieder alles hochgekommen ist!!! Ich bin zum Waschbecken gerannt und habe wieder gekotzt. Ich konnte in den nächsten Stunden (und 1 oder 2 Tagen) seine Nähe nicht mehr ertragen. Ich hatte das Gefühl, ich liebe ihn nicht mehr. Mir ist von seinen Umarmungen schlecht geworden, ich konnte es nicht ertragen, dass er mich küsst, berührt. Daraufhin hatten wir eine ziemliche Krise, weil ich ihm gesagt habe, dass ich mich mit ihm nicht mehr wohlfühle (aber so, wie ich es dir hier beschrieben habe, konnte ich ihm das nicht sagen). Wir haben uns Sonntag abends dann getroffen und das war das Schlimmste, wir haben beide geheult, mir war wieder schlecht und ich hab gekotzt und er hat Sachen gesagt, wo mir klar geworden, was es bedeutet, wenn wir uns trennen. Und das wollte ich nicht, auf keinen Fall. Ich wollte/will mich nicht vom ihm trennen. Ok, diese Sache hat sich auch wieder eingerenkt.

Es sind ein paar Wochen ins Land gegangen und Ende Oktober/Anfang November waren wir bei mir abends, haben Filme geschaut. Da kam es mir wieder urplötzlich wieder hoch, ich musste wieder mich übergeben. Einfach so, ohne Grund und mir ging es wieder so wie oben beschrieben, dass ich ihn nicht ertragen konnte. Doch da war es nicht sooo schlimm, das ist nicht zu einer Krise ausgeartet.

Dann dieses Jahr im Februar. Er war eine Woche im Ski-Urlaub und ich habe mich wahnsinnig gefreut, ihn wieder zu sehen. Er kam Sonntag abend wieder und wir waren bei mir, lagen auf dem Bett und haben verschiedene Arten Sport getrieben ;) ihr wisst was ich meine. Dann, plötzlich, aus dem Nichts heraus, ist mir wieder schlecht geworden! Ich musste wieder kotzen. Und mir ging es so schlecht. Ich habe seine Nähe (wie bei den anderen Malen) nicht mehr vertragen, es war mir unvorstellbar, dass wir vor 2 Std. noch zusammen im Bett waren. Ich wollte seine Umarmungen nicht, mir ging es beschissen. Ich hatte das Gefühl, mir kommt alles hoch, wenn er mich berührt. Ich konnte mir keine Beziehung mehr vorstellen, es ging gar nichts mehr. So wie bei den anderen Malen, aber dieses Mal war es besonders schlimm, ich habe mir über ALLES an unserer Beziehung Gedanken gemacht. Doch nach ein paar Tagen (bzw. dieses Mal Wochen ca.) ging es wieder.
Doch das ist jetzt mein PROBLEM! DAS IST DAS SCHLIMMSTE! Es ist unvorhersehbar, es kommt plötzlich hoch. Ich bin mit ihm tierisch glücklich. Immer wenn ich so eine Zeit hinter mir habe, ist es unvorstellbar, dass ich mir Gedanken gemacht habe, dass ich ihn nicht lieben könnte.

Ich hatte, nachdem das im Februar war, tierische Angst, dass wir bei mir übernachten (weil das immer bei mir passiert ist ). Und wenn ich viel gegessen habe und wir dann zusammen bei mir sind, habe ich jedesmal Angst davor, dass ich wieder kotzen muss, deswegen vermeide ich es ziemlich, dass wir bei mir daheim sind. Bei ihm gehts mir immer gut und auch wenn wir wo anders sind, aber wenn wir bei mir sind, muss ich immer daran denken und habe dann eben tierische Angst, dass das wieder kommt.
Wenn mir dann so schlecht ist und ich gekotzt habe, dann kann ich seine Nähe nicht vertragen, wie schon gesagt. Und mir kommt das dann so ungerecht vor; ich habe dann das Gefühl, dass er mich so über alles liebt und ich ihn gar nicht mehr :(

Was noch wichtig zu sagen wäre, ist, dass ich ihm das alles, was ich da geschrieben habe, noch NIE erzählt habe! Klar, er bekommt es mit, wenn ich mich übergebe, aber ich habe ihm dann immer gesagt, dass ich was falsches gegessen habe. Und das mit der körperliche Nähe, dass ich es dann nicht ertrage, dass er mich berührt, habe ich ihm auch verheimlicht. Genauso wie ich es ihm nicht gesagt habe, dass ich mir dann über ALLES, über die ganze Beziehung Gedanken mache. WAS IST DAS??? :( Wie soll man das auch verstehen? Ich verstehe es selbst nicht. Und das ist das einzigste Thema, worüber ich mit ihm nicht reden kann. Ich weiß nicht, was das ist, ich weiß nicht, wo das herkommt und es macht mir tierische Angst, so dass ich eben mit ihm sau ungern BEI MIR bin!!!! Weil ich nicht will, dass ich wieder kotzen muss und dann diese Gedanken kommen. Schluss machen kann und will ich mit ihm aber nicht, selbst nicht in dieser Zeit, weil ich ja (mittlerweilte aus Erfahrung) weiß, dass das wieder vorbei geht und dann alles wieder normal ist und ich suuuper glücklich mit ihm bin!!!!
Ich wäre dir echt dankbar für einen Ratschlag....
Antonia





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Liebe Antonia,

ich wüsste gern noch was...
1) Gab es in deiner Kindheit jemand, der dir öfter durch bestimmte aggressive Handlungen große Angst eingejagt hat? Wenn ja, wer und wie genau?
2) Welche Art von Beziehung hatten deine Eltern? Bitte erzähle mir, wie sie miteinander und mit dir umgingen, und was dir daran nicht gefiel (oder negativ auffiel). Sag mir auch, was es Negatives an deinem Vater gab.
3) Besteht die Möglichkeit, dass du mal misshandelt oder missbraucht wurdest? Wenn ja, inwiefern?
4) Bitte ergänze folgenden Satz auf mindestens 3 Arten:
"Bei der Vorstellung, mit meinem Freund noch eine ganz lange und enge Beziehung zu haben, macht mir folgendes Angst: ....."
Bis bald
Beatrice



Hallo Beatrice,

danke, dass du dir meinen Brief durchgelesen hast. 1. In meiner Kindheit.... gut, es gab meinen Vater, der manchmal ausgerastet ist, wegen irgendwelchen Kleinigkeiten (er ist ein bischen cholerisch) und ich dann sehr große Angst hatte, dass er mich schlägt. Das hat er aber nie getan!!

2. Meine Eltern haben sich vor ca. 4 Jahren getrennt, doch auf dem Papier sind sie noch verheiratet und wir leben alle zusammen in unserem Haus, sie haben nur getrennte Schlafzimmer und Bäder. Sie verstehen sich gut, nur mein Vater ist eben manchmal recht anstrengend. Meine Mutter hatte etwa 3 Jahre lang einen Freund, der aber nie bei uns daheim war. Mein Vater hatte keine Freundin. Ich habe mir im Laufe der Jahre immer gewünscht, dass mein Vater auch eine Freundin hat (weil meine Mutter ja auch einen Freund hatte), aber das war nicht so. Was mir negativ an meinen Eltern auffällt, ist, dass mein Vater eben cholerisch ist und leicht ausrastet und dass dann das, was er sagt, stimmt! Verstehst du was ich meine?! Selbst wenn man ihm sein Unrecht beweisen kann, hat er dennoch recht. Es ist halt so, dass wir dann den Streit schlichten und ihm Recht geben, damit alles wieder in Ordnung ist. Im nachhinein sieht er manchmal ein, dass er im Unrecht war und entschuldigt sich dafür. Ich sehe es nicht immer ein, ihm "klein beizugeben", doch meine Mutter macht das fast immer, denn sie will ja nicht einen ernsthaften Streit herauf beschwören und kennt ihn ja auch gut. Es ging aber immer mehr oder weniger um Kleinigkeiten, riesengroße Streits hatten meine Eltern (jedenfalls in meiner Anwesenheit) nie. Das, war mir jetzt negativ an meinem Vater auffällt, ist, dass er während einer Diskussion/eines Streites nicht mehr vernünftig mit sich reden lässt. Und im Nachhinein tut es ihm leid, was er dann auch sagt/zeigt.

3. Missbraucht wurde ich nie..... auch nicht misshandelt. Ich wurde einmal in der Schule gemobbt, das war vor etwa 4 Jahren, aber ich glaube so etwas meinst du nicht oder?

4. "Bei der Vorstellung, mit meinem Freund noch eine ganz lange und enge Beziehung zu haben, macht mir folgendes Angst: ....."
dass er mein erster Mann im Bett war und ich noch mehr erleben möchte (ich war NICHT seine erste), dass ich keine Erfahrungen sammeln konnte. wobei mir keine 3. mehr einfällt.... Weißt du, ich habe mir schon oft gedacht, wenn wir uns 10 Jahre später kennen gelernt hätten (ich wär 28 und er 30), ich würde ihn sofort heiraten!!!!! Weil ich ihn liebe, weil alles so schön mit ihm ist.
Aber woher kommt diese Unsicherheit? Soll ich ihm das alles sagen??? Ich würde alles dafür tun, dass das Gefühl, diese Angst und Unsicherheit, weg geht..... Aber ich glaub, er kann es nicht verstehen und würde sich nur unnötig Gedanken machen, oder? Weil wie soll er das denn verstehen, wenn ich noch nicht mal eine Ahnung habe??
Ich habe dieses Problem ganz lange Zeit verdrängt, ich habe mich nie damit beschäftigt, aber jetzt, wo ich hier angefangen habe, zu schreiben, beschäftigt es mich den ganzen Tag :( Und ich möchte nur, dass es weg geht... ich möchte mit ihm nicht Schluss machen, denn ich liebe ihn. Aber woher kommt das dann?? :(
Antonia




Liebe Antonia,

schwer zu sagen... ich kann nur Mutmaßungen anstellen.
Das "emotionelle Kotzen" ist bei vielen Menschen eine Mischung aus Angst und "mir kommt etwas hoch", z.B. eine Erinnerung an etwas sehr Schlimmes oder Unangenehmes; gleichzeitig bewirkt es ja auch etwas, nämlich Abstand. Manche reagieren zum Beispiel auf einen bedrohlichen Menschen mit Erbrechen oder Pinkeln oder Durchfall, weil das den Bedroher dazu bringt, einem nicht auf die Pelle zu rücken.
Wenn wir uns anschauen, wo es bei dir zum ersten Mal auftrat, so lässt sich mutmaßen: dieser unkontrollierte Wutausbruch deines Freundes im August weckte eine tief vergrabene Erinnerung in dir, die dir wahrscheinlich heute noch nicht bewusst ist. Es könnte ein fürchterlicher Wutanfall deines Vaters gewesen sein, als du sehr klein warst und der dir panische Angst bereitet hat. Möglicherweise hat er dir dabei weh getan oder auch deiner Mutter (Schwester?).
Solche tief vergrabenen Erinnerungen können, selbst wenn sie nicht bewusst sind, in gewissen Schlüsselsituationen solche körperlichen Reaktionen hervorrufen.
Ein Beispiel:
Manche Frauen, die in der Kindheit missbraucht wurden, können sich nicht daran erinnern, aber in späteren sexuellen Situationen, die dem Missbrauch ähneln, reagiert ihr Körper, z.B. wird starr, die Vagina verengt sich total, die Frau kriegt Atemnot u.a.

Jedenfalls hat sich dein Unterbewusstsein bei dieser Szene "gemerkt", dass dein Freund genauso zu unkontrollierten Wutausbrüchen in der Lage ist wie dein Vater. Aber so einen Partner will dein Unterbewusstsein eigentlich nicht. Also wehrt es sich - und zwar gerade in Situationen, wo er dir sehr nahe ist / kommt. Und danach stellst du die Beziehung in Frage. Vielleicht zu Recht? Vielleicht ahnt deine Seele, dass eine sehr dunkle Seite in ihm ist, die dich vorsichtig werden lassen sollte? Du bist in der Tat noch sehr jung, eigentlich zu jung, um schon eine Entscheidung für eine lange Partnerschaft zu fällen.

Warum passiert es immer nur, wenn ihr bei dir seid? Vielleicht weil auch dies mit deinem "Nahbereich" zu tun hat; ihn ganz nah an dich ranlassen, das bereitet dir seit diesem Vorfall Unbehagen.

Was rate ich?
Erstens, lege den Gedanken an eine lange Zukunft dieser Beziehung erst mal auf Eis. Stattdessen nimmst du dir Zeit, um ihn dir ganz genau anzuschauen. Was hat es mit seiner dunklen Seite auf sich? Könnte sie für dich eines Tages tatsächlich zur Bedrohung werden - oder für ihn selbst? Zweitens, vermeide nicht, mit ihm bei dir zu sein. Stattdessen solltest du ganz bewusst auf deine Gefühle achten. Und wenn das Kotzen kommt: dann lass es ruhig kommen (so schlimm ist es ja nicht). Spür ihm nach: was genau sind da für Gefühle? Was will es dir sagen? Wie genau war die Situation, die ihm vorangegangen ist?
Sieh mal, dein Körper spricht mit dir. Du musst nur erspüren lernen, was er dir sagen will. Wehr dich nicht dagegen, sondern geh bewusst damit um und überlege, was zu tun ist, damit es dir gut geht.

Liebe Grüße
Beatrice

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