Schwules Outing vor sehr katholischen Eltern
Hallo,
Seit 4 Monaten habe ich nun einen festen Freund, und so langsam aber sicher möchte ich mich bei meiner Familie outen.
Bei meinen besten Freunden habe ich es bereits in einer "Bierlaune" getan, welche es auch recht gut weggesteckt haben, und obwohl sie anfangs einige Sprüche machten, freuen sie sich jetzt mit mir.
Doch meine Familie wird mein Schwulsein nicht so einfach verkraften, meine Eltern sind ziemlich streng katholisch und haben keine zeitgemäße Weltanschauung!
Am einfachsten wäre es natürlich, wenn ich es meinen Eltern und meiner Familie nicht erzählen würde, aber mich belasten zunehmend die Angst mal in der Stadt "erwischt" zu werden und mich und meine Gefühle verstecken zu müssen.
Meine Frage nun: Wie kann ich meiner Familie, insbesondere meinen Eltern, am besten zu verstehen geben, dass ich schwul und mit einem Mann seit 4 Monaten zusammen bin?
Mit der Zeit belastet mich und meinen Freund dieses Problem sehr, weshalb es schon zwei Mal nicht grade geringen Streit gab!!
Hoffe du hast eine Idee bzw. ein paar Tipps und kannst mir eventuell helfen!!
Danke
Liebe Grüße Andi
Lieber Andi,
1) Was könnte alles passieren, wenn du dich deiner Familie offenbarst? (auch schlimmstenfalls)
2) Wohnst du noch zuhause? Wenn ja, wie wär´s mit Ausziehen? (Alt genug bist du ja)
Bis dann
Beatrice
Hallo,
Zu 1) Mein Vater würde komplett ausrasten, bin bei ihm mal mehr mal weniger, je nach Laune meines Vaters, das schwarze Schaf. Würde im schlimmsten Fall nicht mehr das Haus betreten dürfen, für ihn sind schwule Menschen dritter Klasse, bzw. frage ich mich mittlerweile, ob er Homosexuelle überhaupt als Menschen ansieht! Seine Reaktionen sind zu mindest bei Schwulen in TV-Serien so. Folglich würde ich, geh ich mal von aus, bei keiner Familienfeier mehr dabei sein dürfen.
Meine Mutter hingegen geht mit dem Thema lockerer um, ist meinem Vater jedoch untergeordnet-> Frau kocht, putzt und erzieht Kinder und hat weiter nichts zu melden <- seine Sicht! Meine Mutter müsste dadurch mitziehen und ebenfalls den Kontakt zu mir abbrechen, welches ich recht schade finden würde! Und auch nicht möchte!
Er würde ihr mitunter auch die "Schuld" geben, dass ich schwul bin, was natürlich Blödsinn ist!
Ich fürchte auch, dass mein Vater in der Familie über mich herziehen und somit Vorurteile und Klischees über Schwule und Lesben verbreiten würde, die nicht zutreffen.
Leider bin ich durch die Finanzierung meines Autos von meinen Eltern abhängig, aber dieses scheint mir im Moment eher als geringeres Problem!
Zu 2) Nein, ich wohne nicht mehr zuhause, bin mit 19 innerhalb der Stadt in eine eigene Wohnung gezogen. Sehe aber noch 2-3 Mal die Woche mehr oder weniger lang meine Eltern durch Besuche, Lebensmittel einkaufen oder meine jüngere Schwester (12Jahre) wohin zu fahren.
Danke und bis dann
Andi
Lieber Andi,
1) In eine andere Stadt ziehen, wo dich keiner kennt und du dein Schwulsein offen ausleben kannst, ohne mit der Familie zu brechen. Nachteile: Dein Freund müsste mitziehen oder mit dir eine Fernbeziehung führen. Studienplatzwechsel. Freunde verlieren. usw.
2) Dich outen, dafür vom Freund geliebt, vom Vater verstoßen werden. Deine Mutter würde bestimmt heimlich Kontakt zu dir halten. Aber mit den Familienbesuchen, -festen und der Überstützung wäre sicher erst mal Schluss. Erst mal, sag ich. Denn sehr oft ist Elternliebe doch stärker als Vorurteile und Moral.
3) Es weiterhin verheimlichen, aber obendrein eben auch die Beziehung geheimhalten müssen und Stress mit dem Freund haben. Dazu die Gefahr, dass es doch bald rauskommt. Zum Beispiel weil einer deiner Freunde aus Versehen was ausplaudert.
Also mein Vorschlag wäre:
Zögere dein Outing noch hinaus. Du bist erst 4 Monate mit deinem Süßen zusammen, da kann man noch nicht absehen, ob das was von Dauer wird (selbst wenn du momentan noch so verliebt bist!). Bitte deinen Freund um Geduld, vielleicht ein halbes Jahr? Erkläre ihm dein Dilemma, wie du´s mir erklärt hast, und sag ihm, dass dir deine Familie sehr wichtig ist. Wenn er dich liebt, versteht er das und geduldet sich auch noch eine Weile - es ist ja nicht für ewig.
Außerdem wäre es gut, wenn du Kontakt zu anderen Schwulen aufbaust (z.B. übers Internet), die ein ähnliches Problem wie du hinter sich haben - um zu erfahren, wie sie damit umgegangen sind.
Herzlichst
Beatrice
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