Mein Freund kostet mich Kraft und Nerven, aber ich zögere, auszuziehen

Hi Beatrice!
Ich wohne mit meinem Freund (27) nun 4,5 Jahre zusammen. Nun überlege ich mir ernsthaft auszuziehen, denn ich weiß nicht, ob ich mir das Zusammenleben wirklich weiterhin zumuten sollte.
Ein Beispielfall: Gestern nach der Arbeit war ich schon sehr müde und wollte deswegen nichts Besonderes mehr unternehmen. Mein Freund wollte unbedingt und schlug vor ins Kino zu gehen. Also sind wir zum Kino gefahren um 21 Uhr, jedoch kam unser Wunschfilm erst um 23 Uhr. Mein Freund schmollte und wollte unbedingt den Film sehen. Ich erklärte ihm, dass ich einfach viel zu müde sei und am nächsten Tag zur Arbeit früh aufstehen müsste. Er machte weiter auf beleidigte Leberwurst, nur mit Mühe bekam ich es hin, dass wir wieder zu Hause ankamen. Zu Hause angekommen, schlug ich ihm vor (zur Besänftigung), es uns in der Badewanne gemütlich zu machen. „Muttersöhnchen,Schmollen. Dann habe ich mich schon mal zum Schlafen hingelegt, und er hat nicht aufgehört, sich im Bett wie wild zu wälzen, dauernd wieder aufzustehen, kurz, einfach Unruhe zu erzeugen, so nach dem Motto: du wolltest nicht mit mir ins Kino, also leide gefälligst. Wären wir ins Kino gegangen, dann hätte ich meinen Schlaf bekommen!
Es ging nicht einmal, ihn mit Sex zu beruhigen!!!
Also, da denk ich mir doch: Hau endlich ab oder ich zieh aus!
Aber der Aufwand, mir eine neue Wohnung zu suchen (München), oder auch Angst, wie mein Leben weiter verlaufen wird (ich bin zwar erst 25 Jahre, aber wer weiß) lassen mich zögern.
Lieber wäre es mir, wenn er aus der Wohnung auszieht, aber das macht er natürlich nicht. Er versucht mich dann immer wieder davon abzuhalten mit „Wir haben uns doch lieb, oder?“
Andererseits muss ich mir dann wieder anhören: „Du bist schuld! Wenn du nachgegeben hättest, dann wäre alles friedlich verlaufen.“
Da denk ich mir jetzt langsam: Will ich bis an mein Lebensende mit so jemandem wirklich zusammen sein??? Eigentlich nicht, aber lieben tu ich ihn schon.
Er ist seit September fertig mit Studieren und arbeitet bis Februar zwei Tage an der Uni. Er befindet sich gerade in einer Umbruchsphase, da er sich jetzt bewerben muss. Er hat momentan Zweifel, ob er die Stellen auch bekommt, für die er sich interessiert, oder ob er sich in seinem Leben mit einer anderen Arbeit abfinden muss. Dabei soll ich ihn unterstützen. Das tue ich auch, soweit es mir möglich ist. Jedoch verhält er sich sehr schwierig, siehe obiges Beispiel. Wenn wir dann streiten, dann bin immer ich die Schuldige, die ihm „seine Kraft zum Bewerben“ raubt. Ich stecke noch mitten im Studium, habe einen Nebenjob, den ich an 2,5 Tagen in der Woche ausübe und möchte im März die letzten beiden Prüfungen zum Zwischenstudienabschnitt hinter mich bringen.

Was mich zur Weißglut bringt, ist seine verdammte Sturheit, und immer bin ich es, die schuld ist. Und dann kommen solche Ausbrüche wie oben beschrieben und er spinnt die ganze Nacht – egal ob ich arbeiten muss oder nicht!
Wie verhalte ich mich am besten?
Jane (25)

Hallo Jane,
dein Impuls, auszuziehen, ist der Richtige. Was dich davon abhält, ist ja nicht etwa Liebe, sondern Zukunftsangst und ein gewisser Aufwand. Aber ist es derzeit nicht so, dass dein quengeliger Freund dich insgesamt viel mehr Energie kostet als wenn du eine Wohnung suchen würdest? Und du kämest auch mit deinen zukunftsweisenden Dingen besser zurande, wenn du nicht diesen Kerl am Bein hättest, der dir mit seiner unreifen Art Zeit, Nerven und Schlaf raubt. Sein Hauptproblem ist, dass er viel zu wenig Verantwortung für sich und sein Handeln übernimmt und
das stattdessen dir zuschiebt. Von daher ist dein „Bauchgefühl“, ihn sich selbst zu überlassen, genau das, was hier gefragt ist – für dich und für ihn.
Also schmeiß ihn raus oder such dir eine andere Bleibe!
Bitte lies dazu auch die Kapitel „Das Muttersöhnchen“ und „Der Pseudorebell“ in meinem Buch «Mister Aussichtslos: 12 Männertypen, die Sie sich sparen können» – du wirst erstaunt sein, wie vieles auf ihn zutrifft!
Ich wünsch dir alles Gute
Beatrice Poschenrieder