Ich bin finanziell vom Mann abhängig, er zwingt mich zum Sex

Liebe Beatrice,
Ich bin seit 8 Jahren verheiratet und habe drei Kinder. Finanziell bin ich komplett von meinem Mann abhängig, was an und für sich kein Problem ist, da er das Verdiente als Familieneinkommen sieht. 
Mein Problem liegt auf der Beziehungsebene. Schon seit Jahren, also sehr bald nach dem ersten Kind, fand ich ihn körperlich zunehmend abstoßend, was sich auch in einer immer größeren Unlust, mit ihm Sex zu haben, manifestierte. Er drängte mich aber auch wegen der Schwangerschaften nie besonders dazu, mit ihm ins Bett zu gehen. Ich hoffte immer, das würde sich irgendwann bessern. So entfernten wir uns immer mehr voneinander und benutzten den beruflichen und ausbildungsbedingten Stress als Ausrede für unsere gefühlsmäßige Distanz, besser gesagt: er hoffte darauf, dass das bei mir so war. Er unterstellte mir, ich wäre sexuell gestört, hätte mit Sex an sich Probleme. Irgendwann stellte er mich aber zur Rede, warum ich mit ihm keinen Körperlichen Kontakt mehr wolle… Ich konnte nix sagen, da sagte er mir es: ich würde ihn nicht mehr lieben. Ich konnte das kaum verneinen, war irgendwie geschockt und erleichtert. 
Wirtschaftlich war aber eine Trennung nicht drin, sonst hätte ich meine Ausbildung abbrechen müssen.
Als er Monate später meine kurze Affäre entdeckte, änderte sich sein Verhalten gegenüber mir: Hatte er zuerst noch gedacht, ich sei sowieso irgendwie lustlos, sah er jetzt, dass ich nicht Sex an sich nicht mochte, sondern Sex mit IHM nicht mochte. Ich konnte/ kann ihn einfach nicht riechen, andererseits will ich ihm aber auch nicht weh tun. Als er das erfuhr, drehte er ziemlich durch, mehr in Richtung Selbstzerstörung… fing an zu trinken und bedrängte mich immer öfter in sexueller Absicht, oft genug vor den Kindern, sodass ich vor den Augen der Kinder mein Unbehagen, meinen Ekel vor seinen Berührungen nicht zeigen wollte und konnte. Manchmal legte er sich einfach nackt zu mir ins Bett, drückte mich an die Wand… immer mit dieser hoffnungslosen verzweifelten Stimmung im Hintergrund, die bei mir nur Schuldgefühle und auch Mitleid hervorriefen.
Er hatte einen großen sexuellen Druck, so als würde er unsere ganze Beziehung nur mehr auf diesen Punkt fokussieren. Da ich aber mich weigerte mit ihm zu schlafen, fing er an Prostituierte und Swingerclubs aufzusuchen, ich war damit einverstanden, wenn auch nicht glücklich. Er fing an, mich mit dem Sex bei einer Prostituierten aufzuziehen, dass sie etwas (im Gegensatz zu mir) gut gemacht hätte usw… das war demütigend.
Irgendwann hatte er wieder getrunken, war depressiv. Ich wollte ihn trösten, auch will ich, dass die Kinder einen Vater haben, der für sie DA ist. Hab ihn nur umarmt, weil er weinte, vor den Kindern. Das war zuviel, er ließ mich nicht mehr los, versuchte mich zu küssen, ich hielt ihn zuerst noch weg, drehte meinen Kopf weg, irgendwann landete ich im Bett, die Kinder vorm Fernseher und er schlief mit mir. Ich wollte das nicht, hatte Schmerzen und wartete nur, bis das alles vorbei war. Ich hab mich ganz komisch gefühlt, in der Nacht kam er wieder. Ich habe große Angst, anderen Menschen weh zu tun, also ließ ich das alles zu. Seine Stimmung besserte sich, er war auch wieder freundlicher zu den Kindern, drohte nicht mehr damit, sich einfach umzubringen. Mittlerweile sind so 2 Jahre vergangen, immer wieder mit auf und ab. Machmal hab ich mich über Monate geweigert mit ihm zu schlafen, dann wieder nicht, also auch für ihn ein Gefühlsmäßiges Chaos.
Er schaut auch sehr viele Pornos, seine Art Sex zu machen erinnert mich auch immer mehr an einen Pornodarsteller, wo Frauen eben einfach nach den Lüsten der Männer behandelt werden und so tun, als würde es ihnen gefallen. Wir haben oft genug darüber gesprochen, ich habe meine Gefühle beim Sex ihm gesagt, wie es mir geht, gegangen ist, dass ich Ekel empfinde, dass ich mich ausgenutzt fühle. Aber irgendwie ist das anscheinend in die Gegenrichtung losgegangen. Habe mir erwartet, dass wir das Problem auch auf “vernünftige” Art “lösen” können, und versuchen einander zu verstehen… Ich kann seinen Wunsch mir nahe (auch körperlich) zu sein, gut verstehen. Er findet mich anziehend, jetzt mehr denn je zuvor, ich ihn abstoßend, immer mehr. Das heißt nicht, dass wir uns auf anderen Ebenen nicht verstehen würden, aber Zärtlichkeit und Geborgenheit findet man bei uns nicht.
Jedenfalls fing er an, zunehmend meinen Willen zu ignorieren. Stellte sich auf den Standpunkt: Ich will Sex und du kannst mir ja diesen Gefallen tun.
Wenn ich depressiv war, dann war er es umso mehr. Ich habe immer das Gefühl, dass seine Stimmung fundamental von meiner abhängig ist. Vor Monaten war ich emotional am Tiefpunkt, dachte oft an den Tod, das riss ihn auch mit, was er dann wieder durch übermäßiges sexuelles Verlangen nach mir zu kompensieren suchte. Einmal kamen wir vom Baden heim, er tat mir leid, es war Tag und die Kinder waren auch nicht weit weg. Er suchte meine Nähe, ich wehrte ihn ab, aber er ließ mich nicht, ich sagte, ich will nicht mit dir schlafen, worauf er nur meinte, dass ihm das egal sei, er möchte nämlich. Dann ging alles sehr schnell, er sagte, dass mir das eh gefalle, wenn er auf diese Art und Weise Sex mit mir haben würde. Das stimmt nicht, aber ich ließ es zu, wegen Schuldgefühlen.

Wochen später habe ich ihm erzählt, wie ich mich dabei gefühlt habe. Daraufhin hatten wir keinen Sex mehr. Wir versuchten uns zu trennen, zwei Wohnungen zu nehmen, obwohl das finanziell kaum durchzuhalten war. Er wurde wieder zunehmend depressiver. Mir ging es dagegen besser als all die Jahre zuvor. Ich erwartete aber, dass er auch weiterhin die Verantwortung für unsere drei Kinder übernehmen würde, woraus er sich aber zusehends davonschlich. So suchte er sich ein ziemlich aufwändiges Hobby, war auch Wochenende kaum da, meinte, anders könne er nicht mehr leben. Ich war plötzlich ganz allein mit drei Kindern, kaum Geld und einer unfertigen Ausbildung. Ich hab das nicht geschafft und nach Monaten mussten wir die räumliche Trennung wieder aufgeben, auch weil wir uns sonst verschuldet hätten.
Und dann beginnt die Geschichte von vorne: Um seine Verpflichtungen wahrzunehmen, musste er sein Hobby wieder aufgeben, wozu er allerdings nur bereit war, wenn ich ihm sexuell entgegenkam. Ich bin aber davon abhängig, weil ich sonst meine Ausbildung nicht zu Ende bringen kann. Ich weiß jetzt nicht mehr wirklich weiter, schlafe mit ihm, und will das nicht, also betrinke ich mich vorher, damit ich nicht zuviel davon merke. Wenn es mal 2 Wochen keinen Sex mehr gibt, werden die Spannungen in der Familie fast unerträglich, auch die Kinder spüren diese Kälte. 
Carla (31)

Liebe Carla,
ich sag mal du, okay? Dein Brief ist einer der deprimierendsten, die ich seit langem gelesen habe. Und dann frag ich mich: Ist diese Ausbildung es wert, dass sie so etwas über sich ergehen lässt? Du dachtest (oder denkst) ja sogar schon an Tod – ich meine, ist deine Ausbildung wichtiger als das Leben? 
Ich sage auch nicht, dass du die Ausbildung sein lassen sollst – sondern dass du Wege suchen musst, wie du sie durchkriegst, trotz Kinder.
Auf jeden Fall die Situation, wie sie jetzt ist, das geht nicht. Das macht dich fertig (du bist ja schon halb kaputt und sehr beschädigt), und deine Kinder spüren ja auch viel, sie kriegen auch mehr mit als dir bewusst ist, das ist sicher. Und das ist alles andere als gut.
Mittlerweile ist es so, dass dein Mann Wege gefunden hat, dich emotional und finanziell zu erpressen und dass bei euch mittlerweile etwas stattfindet, was man “Vergewaltigung in der Ehe” nennt, und das Schrecklichste bei der ganzen Geschichte ist, dass er damit durchkommt, weil du ihn damit durchkommen lässt.
Die Kernsätze in deiner Mail lauten: 
“Ich hab mich ganz komisch gefühlt, in der Nacht kam er wieder. Ich habe große Angst, anderen Menschen weh zu tun, also ließ ich das alles zu.”
Du hast dich komisch gefühlt, weil in der Nacht etwas Entscheidendes passiert ist: du hast es zugelassen, dass er eine Grenze durchbricht – deine wichtigste (intimste) Grenze. Etwas in dir wusste: Jetzt hat er diese Grenze durchbrochen und es gibt kein zurück mehr – er wird es immer wieder tun.
Und warum ließest du es zu? Weil du Angst hast, Grenzen zu ziehen und damit andere zu verletzen und als die Böse dazustehen. Das hast du irgendwo in deiner Kindheit “gelernt” und es ist dir so in Fleisch und Blut übergegangen, dass du es sogar zulässt, regelmäßig vergewaltigt zu werden.
Jedenfalls meine klare Meinung ist: du darfst es nicht weiterhin zulassen. Du entwickelst ja schon Depressionen und Todeswünsche! 
Diese Ehe ist so was von kaputt, das bringt nichts, da drin zu bleiben, trotz der Kinder. Dein Mann hat doch Pflichten! Er kann sich doch – falls du wieder gehst – nicht einfach aus der Affäre ziehen mit einem teuren und zeitaufwändigen Hobby! 
Ich habe das Gefühl, auch hier hast du nicht klar genug Grenzen gezogen und deine Rechte (sowie die der Kinder) vertreten. 
Warum? Weil du dich schuldig fühlst? Aber du musst dich nicht schuldig fühlen! Du hast ein Recht darauf, seelisch und körperlich intakt zu bleiben, das Recht, eine tote Ehe zu beenden, und du hast ein Recht darauf, dass der Vater deiner Kinder sich genauso um sie kümmert wie du.
Es gibt garantiert einen Weg, wie du Ausbildung und Kinder unter einen Hut kriegst, ohne Selbstvergewaltigung. Denn andere Frauen in so einer Situation schaffen es auch. Klar ist es schwer, aber das ist immer noch tausendmal besser als das, was du dir jetzt antust. 
Ich bitte dich, dich so umfassend zu informieren, wie du irgend kannst – bei Familienberatungen (wie Pro Familia), bei Familien- und Frauenzentren usw., und zwar welche Rechte du hast und welche Wege es gibt, um aus dieser Situation und Ehe herauszukommen. Mein Gott, du bist noch so jung! Lass dir das nicht weiter antun, sonst wirst du innerlich so alt und krank, dass du dich gleich in einen Sarg legen kannst.
Liebe Grüße
Beatrice Poschenrieder
„Mr.

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