Jedes Wochenende falle ich seinetwegen in eine Depression

Liebe Beatrice!
Mein Freund hat mich vor fast einem Jahr verlassen, weil er sich wieder frei fühlen wollte, wie er es nennt… Es war für mich sehr schlimm und ich habe sehr gelitten unter dieser Trennung. Für mich war er „der Mann des Lebens“. Doch die Zeit heilt ja bekanntlich Wunden. Und so geht es mir heute schon etwas besser. D.h., ich kann wieder arbeiten, ohne dauernd an ihn zu denken, und ich treffe mich auch mit Freunden. Vor allem die Arbeit gibt mir viel Selbstbestätigung, da ich einen sehr interessanten Job gefunden habe. Doch das alles geht nur während der Woche gut. Sobald das Wochenende anbricht, versinke ich nach wie vor in tiefe Traurigkeit und vermisse ihn enorm. Er hat mir angeboten, nein er wünscht es sich sehr, wir könnten Freunde bleiben. Doch das fällt mir sehr schwer und deshalb möchte ich ihn nur ganz selten sehen (danach geht´s mir immer mies).
„Trauer,Wir wohnen aber in der selben Stadt und da kommt es eben doch hin und wieder vor, dass ich ihn am Wochende beim Ausgehen oder bei gemeinsamen Freunden seine „Freiheit“ ausleben sehe: Sprich, er hat ständig wieder andere Frauen an seiner Seite, und das, obwohl er bereits 46 ist! Ich verstehe einfach nicht, wie er eine feste Beziehung, wie wir sie hatten, für dieses oberflächliche Leben aufgeben konnte. Jedes Mal zerreißt es mir das Herz, wenn ich das mitansehen muss.
Gehe ich aber nicht aus oder sage eine Zusammenkunft bei Freunden ab, weil ich ihm nicht begegnen möchte, dann fühl ich mich so ausgeschlossen und vermisse ihn enorm!
Wie gesagt, das alles ist nur am Wochende so schwierig. Sobald Montag ist, versteh ich nicht mehr, warum es mir wieder so mies gegangen ist. Ich muss auch sagen, dass ich seit ihm keinen Mann mehr nahe an mich herankommen ließ. Sex ab und zu ist ok. Doch da der meistens am Wochenende stattfindet, wo es mir eben nicht gut geht, kann ich auch den nicht richtig genießen und muss vor allem den Typen nach dem Sex schnell wieder loswerden. Kuscheln oder so geht nicht, da denk ich sofort an meinen Ex, den ich eben immer noch sehr liebe. Er sagt dazu, dass er mich noch liebe; eine Beziehung mit mir könne er sich aber nicht mehr vorstellen.

Hast Du Tipps, wie ich meine Wochenenden gestalten könnte, um nicht immer derart depressiv zu werden? Oder noch besser: Wie kann ich ihn endlich ganz vergessen? Wie bringe ich es aus dem Kopf, dass er „der Mann des Lebens“ war?
Vielen Dank!
Bernadette (36)

Liebe Bernadette,
was du da erleidest, hat sogar einen Namen: Wochenend-Depression. Ja meine Liebe, du hast eine Depression, leider. Von daher wäre es im Prinzip das Beste, du würdest einen Termin bei einem Psychiater machen und dir Psychotherapie verschreiben lassen, eventuell auch vorübergehend ein Antidepressivum.
Was dir wenigstens zum Teil helfen könnte, wäre:
1) (Weißt du selbst schon:) Den Kontakt zu deinem Ex strikt vermeiden. Wenn du ihn vor allem im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Freundeskreis siehst, solltest du versuchen, dir allmählich einen neuen eigenen Freundeskreis aufzubauen. Überlege dir ein paar Wege, die für dich machbar wären, z.B. Leute über deine Hobbies und Interessen kennen zu lernen. Versuch´s über Anzeigen und Internet. Triff dich privat mit netten Kollegen. Geh in andere Lokale als die bisherigen.
Das hätte auch den großen Vorteil, dass du irgendwann mal einen kennen lernst, der dich deinen Ex vergessen lässt.
2) Nimm Abschied von dem Gedanken, dass er „der Mann deines Lebens“ war. Das ist er nicht und wird es niemals sein, denn er hat in sehr entscheidenden Dingen eine komplett andere Einstellung als du; und er will nicht mehr mit dir zusammenkommen. Du hattest mit ihm „die Beziehung deines Lebens“, aber die ist vorbei. Du musst es schaffen, sie als eine gute, intensive Erfahrung unter „Vergangenheit“ abzulegen. Jeder von uns erlebt irgendwann einmal eine wunderbare Zeit, die er schrecklich gern wiederholen möchte, aber das ist nun mal meist nicht möglich (zumindest nicht unter den alten Voraussetzungen!). Wer sich daran festklammert, verbaut sich die Chance auf ein anderes, neues Glück. Aber auch das weißt du sicherlich selbst.
Bitte geh auch nochmal auf meine Seiten und dort ins Liebes-Briefarchiv und dort unter „Liebeskummer / Trennung“ und lies:
Hab ich wirklich eine versteckte Depression? Was kann ich dagegen tun?
Liebeskummer überwinden – die besten Tipps
Bitte lies auch folgendes Buch: «Wenn dunkle Wolken die Lebensfreude eintrüben: Der Selbsthilfe-Ratgeber gegen Depressionen».
In diesem Ratgeber und in den genannten Briefen findest du etliche hilfreiche Tipps.
Alles Gute
Beatrice Poschenrieder