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Die neuesten Liebes und Beziehungsfragen
Liebes Fragen : Liebeskummer

Mein neuer Freund ist beherrscht von vielen Ängsten, wird es noch schlimmer werden, wenn ich mich trenne?

Sarah, 29

Liebe Beatrice,

Ich habe ein sehr grosses Problem mit meinem Freund (30). Ich liebe ihn und wir sind seit 7 Monaten zusammen. Ich dachte zu Beginn, er ist mein Traummann, aber einige Sachen sind vorgefallen die mich zweifeln lassen.
Erst habe ich Gefuehle unterdrueckt, weil ich nicht schluss machen wollte, dann sind sie wie ein Vulkan ausgebrochen. Ich hoffe du kannst mir helfen.
Angefangen haben alle Probleme mit dem ersten Sex. Wir haben wochenlang Petting gemacht und es war wunderschoen. Dann haben wir uns testen lassen und als die Pille wirkte, fingen wir an miteinander zu schlafen.
Unser 1. Mal war ein totaler Schock fuer mich..ganz anders als das Petting. Erstens hatte er totale Erektionsprobleme, mal war er hart (aber nicht richtig) und dann wieder schlaff. Das ging erstmal ne Zeit lang so und als es dann endlich klappte, war es irgendwie nur Sex. Kein In-die-Augen-blicken, keine Leidenschaft, irgendwie anders. Ausserdem kann er nur in bestimmten Positionen kommen und auch nur, wenn er seine Beine so krass ausstrecken kann. Ich habe nichts erwaehnt, da ich froh War, dass wir das mit der Erektion in Griff bekamen, also hab' ich es verdraengt.

Nach einigen Wochen habe ich unterbewusst angefangen an meiner Liebe zu ihm zu zweifeln. Mir ist aufgefallen dass ich andere Maenner anschaue, obwohl ich weiss dass ich IHN will. Dann sind mir staendig komische Gedanken durch den Kopf geschwirrt, hab mich einfach unwohl gefuehlt, wenn ich an ihn dachte, wurde unsicher vor Menschen, war ploetzlich dauernd deprimiert. Irgendwann nach langem Herumgruebeln ist mir bewusst geworden, dass er sehr schwaches Selbstbewusstsein hat, nicht gerne mit anderen redet, sehr schuechtern ist, und irgendwie hatte ich einfach immer das gefuehl, "da stimmt was nicht".

Vor einigen Wochen wurde meine Niedergeschlagenheit so schlimm, dass ich ihm sagte, ich wuerde mir einen Psychologen suchen der mir helfen kann.
Dann sagt er mir etwas und es hat ploetzlich "klick" gemacht. Er meinte, er waere frueher auch schon mal beim Psychologen gewesen und nach ewigen Nachfragen erzaehlte er mir, dass er eine Essensphobie hat. Er sagt, er konnte lange Zeit nicht in der Oeffentlichkeit essen, da er Panikattacken bekam. Er meinte, dass er jahrelang alles versucht hat (Psychologen, Hypnose, etc.), aber sie haben nie den grund gefunden und nun sagt er, hat er's ganz gut unter kontrolle. Aber ich sehe jetzt immer mehr wie unsicher er ist und wie er sein Leben einschraenkt. Er hat vor so vielen Sachen Angst. Er ist schon seit 3 Monaten arbeitslos und hat Angst, dass im naechsten Job die Leute komisch sind. Er hat irgendwie auch keine Lebensfreude und keine Hobbies oder so.

Meine Frage ist, wie sehr sowas einen Menschen beeintraechtigen kann und ob der Sex darunter auch leiden kann?

Ich weiss auch gar nicht, wie ich mit dem ganzen umgehen soll, und denke sogar daran ihn zu verlassen, weil es mich sehr 'runterzieht. Ich bin auch etwas schwach und brauche einen starken Mann an meiner Seite, aber im Moment hab ich das Gefuehl, ich MUSS stark sein. Es raubt mir meine Energie, hab zu nichts mehr Lust, gehe nicht mehr ins Fitness, mag meine Freunde nicht mehr sehen, keinen Sex mehr haben... ich weiss einfach nicht mehr weiter. und wenn ich Schluss mache, was soll ich ihm dann sagen? Die Wahrheit wird sicherlich nicht gut fuer ihn sein???
vielen lieben Dank fuer's zuhoeren.
Sarah





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Liebe Sarah,

du schreibst:
"Er hat vor so vielen Sachen Angst. Er ist schon seit 3 Monaten arbeitslos und hat Angst, dass im naechsten Job die Leute komisch sind.
Er hat irgendwie auch keine Lebensfreude und keine Hobbies oder so.
Meine Frage ist, wie sehr sowas einen Menschen beeintraechtigen kann und ob der Sex darunter auch leiden kann?"
"...nun sagt er, hat er's ganz gut unter kontrolle..."
Nein, hat er eben nicht. Wie du ja selbst siehst, haben seine Ängste ihn so sehr im Griff, dass er alles Mögliche vermeidet, was man eigentlich zu einem guten, erfüllten Leben braucht. Und höchstwahrscheinlich beeinträchtigen ihn seine vielen Ängste noch mehr, als du bisher wahrgenommen hast, und natürlich auch seine Sexualität. Klingt, als ob er auch im Bett total angstbesetzt ist.
Ich weiß ja nicht, ob er je eine ausgewachsene Therapie bei einem wirklich guten und für ihn passenden Therapeuten gemacht hat, aber genau das wäre es, was er braucht - und es wird viele Jahre dauern und er wird möglicherweise nie ganz ins Lot mit sich kommen.
Leider möchte ich dir von dieser Beziehung abraten. Warum? Sie tut dir überhaupt nicht gut. Es gibt schon viel zu viele schlechte Anzeichen:
deine unguten gefühle, deine Niedergeschlagenheit, deine Zweifel, dein Schauen nach anderen Männern, und dann das alles: "Ich weiss auch gar nicht, wie ich mit dem ganzen umgehen soll, und denke sogar daran ihn zu verlassen, weil es mich sehr 'runterzieht. Ich bin auch etwas schwach und brauche einen starken Mann an meiner Seite, aber im Moment hab ich das Gefuehl, ich MUSS stark sein. Es raubt mir meine Energie, hab zu nichts mehr Lust, gehe nicht mehr ins Fitness, mag meine Freunde nicht mehr sehen, keinen Sex mehr haben..."
Deine Worte sprechen definitiv dafür, dass du dich besser trennen solltest - zumal du mit diesem Mann absolut keine Verbesserung deiner Lebensqualität zu erwarten hast, sondern nur lauter Einschränkungen und Frustrationen und Stimmungskiller.
Das musst du dir nicht antun.
Du hast ein schlechtes Gewissen, weil du denkst, dass die Trennung seiner ohnehin labilen Psyche noch einen weiteren Stoß versetzen wird.
Aber es ist weder deine Aufgabe noch deine Pflicht, ihm zu helfen und ihn zu heilen. Das ist Aufgabe eines ausgebildeten Therapeuten.

"wenn ich schluss mache, was soll ich ihm dann sagen? die wahrheit wird sicherlich nicht gut fuer ihn sein???"
Die Wahrheit wird ihm weh tun, kann aber auch eine Chance sein - nämlich ihn dazu zu veranlassen, nochmal gründlich an seine vielen Probleme ranzugehen und eine intensive Therapie zu machen. Denn so, wie er jetzt ist, ist er praktisch für jede Frau als Beziehungspartner unzumutbar. Da wird er immer wieder abserviert werden, was letztlich viel schlimmer ist als wenn du ihm jetzt die Wahrheit sagst und er dann was unternimmt.
Herzlichst
Beatrice

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1980