Mein Freund macht mir das Leben zur Hölle, aber ich kann mich nicht trennen, weil wir in der selben Firma arbeiten
Hallo Beatrice,
Schon immer war er eifersüchtig, auf meine früheren Beziehungen, auf Freunde, eigentlich auf alles und jeden. Er braucht wahnsinnig viel Aufmerksamkeit, Zeit für mich selbst steht er mir nicht zu. Er kontrolliert meine private Post und Emails in der Arbeit, flippt aus, wenn ein Freund anruft (den kennt er und stellt bei Gott keine Gefahr dar), führt mir vermutlich auch nach. Letztens ist er in meiner Wohnung aufgetaucht, läuft schnuppernd ins Schlafzimmer und fragte: "Wer war da??? Hier riecht es nach Rasierwasser!!" Ich bin nur stumm da gestanden. Er: "Was schaust Du denn so?", ich: "Wie soll ich den schauen?", er: "Ertappt schaust Du!" - Da fällt mir einfach nichts mehr ein. Ich kann nicht mehr wütend werden, die Traurigkeit und Verletztheit steht im Vordergrund.
Ich habe ihm noch nie einen Anlass gegeben, war ihm immer treu, der Spaß am Flirt ist mir schon lang vergangen, ich trau mich nicht einmal mehr jemanden kurz anzusehen. Seit Wochen tyrannisiert er mich regelrecht mit seiner Eifersucht und will von mir permanent unterhalten werden. Ihm wäre es am liebsten, dass ich rund um die Uhr bei ihm bin. Nach der Arbeit (wir sitzen in einem Büro) hab ich manchmal 1 Stunde Zeit für meine Hobbys, komme ich nach dieser kurzen Auszeit nach Hause, sitzt er schon wieder auf dem Sofa und sieht fern. Er hat keine andere Beschäftigung, keine Interessen, keine Freunde. Nichts. Wochenende ist die Hölle, schließlich will der gnädige Herr ein Unterhaltungsprogramm. Zeit für mich und meine Freunde, Hobbies muss ich mir erkämpfen.
Ich reagiere immer paranoider und versuche immer einen Beweis in der Tasche zu haben, z.B. treffe ich mich mit einer Freundin im Cafe, hebe ich die Quittung auf, mache evtl. sogar ein Bild mit meinem Handy. Ich will nur meine Ruhe haben und nicht in der Arbeit und zu Hause von ihm unter Druck gesetzt werden. Inzwischen wäre ich lieber tot als lebendig. Den Terror kann man nicht in Worte fassen. Er fragt mich, ob ich ihn noch liebe. Wie kann ich jemanden lieben, der mich mit Füßen tritt? Wo holst du dir den Sex, fragt er. Ich habe keine Lust auf Sex, auf einen anderen Mann. Wobei ich einen richtigen Mann brauchen würde, einen der mich unterstützt, mich liebt und auffängt, wenn es mir nicht so gut geht.
Die Beziehung kann ich auf keinen Fall beenden, so lange ich in der gleichen Firma arbeite. Er würde mich fertig machen. - Wer weiß, was ihm auch privat einfällt. Am Ende hätte ich einen fiesen Stalker am Hals. Da geht es mir jetzt besser, glaube ich.
Wie schätzt Du die Situation ein? Kann ich dem ganzen irgendwie entkommen?
Liebe Grüße und Vielen Dank!
S.
Liebe S.,
Dazu sagst du einerseits:
"Die Beziehung kann ich auf keinen Fall beenden, so lange ich in der
gleichen Firma arbeite. Er würde mich fertig machen. - Wer weiß, was ihm
auch privat einfällt. Am Ende hätte ich einen fiesen Stalker am Hals. Da
geht es mir jetzt besser, glaube ich."
Das widerlegst du aber selbst, denn erstens beschreibst du ausführlich
eine echte Beziehungshölle, zweitens sagst du: "Inzwischen wäre ich
lieber tot als lebendig. Den Terror kann man nicht in Worte fassen."
Also wärst du lieber tot, als den einzigen logischen Schritt zu tun,
nämlich dich zu trennen?? Du würdest lieber sterben, als einen anderen
Job zu suchen?
Außerdem kannst du nicht mit Sicherheit wissen, ob er dich in der Firma
wirklich fertigmachen würde - damit würde er sich selbst ja genauso
schaden und sich selbst in ein noch schlechteres Licht rücken als dich.
Außerdem, du bist weder dumm noch ein hilfloses Kind: du bist eine
erwachsene 30jährige Frau, du wirst dich ja wohl zu wehren wissen, oder?!
Und gegen Stalking gibt es nicht nur jede Menge Eigen-Maßnahmen, sondern
sogar Gesetze - d.h. zur Not kannst du ihn anzeigen und sogar
Polizeischutz bekommen. (Auf meinen Seiten hier gibt's dazu auch Infos,
und zwar kriegst du die entsprechenden Briefe, wenn du ins Suchfenster
das Stichwort "Stalking" eingibst.)
Ferner ist ein Wechsel des Arbeitsplatzes, vielleicht sogar ein
Wohnungswechsel, immer noch tausendmal besser, als in so einer Beziehung
zu verharren. Jede einzelne Minute deines kostbaren Lebens ist da
verschwendet.
Alles Gute
Beatrice
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