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Die neuesten Liebes und Beziehungsfragen
Liebes Fragen : Liebeskummer

In der Psycho-Klinik erfuhr meine Frau, dass ich an allem schuld bin, nun macht sie mit mehrere Männern herum

Sascha, 41


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Hallo Beatirce

ich bin völlig am Ende und weiß echt nicht mehr weiter.
Ich bin seit 10 Jahren verheiratet, habe einen 7jährigen Sohn, und 9 Jahre lang hatte ich im Großen und Ganzen den Eindruck, alles wäre mehr oder weniger ok. Dann entwickelte meine Frau plötzlich starke psychsche Probleme, war 1 Jahr arbeitsunfähig und davon 3 Monate in einer Psychosomatischen Klinik. Irgendwie bin ich wohl auch einer ihrer Auslöser für diese Krankheit.
In dieser Klinik lernte sie einen Mitpatienten kennen und wollte schließlich nicht mehr nach Hause zurück. In dieser Kilinik sagte man ihr auch noch, es sein ein Fehler gewesen mir gegenüber so was zu gestehen, das wäre nach ihrem Krankheitsverlauf nicht ungewöhnlich, blabla. Wir hatten uns dann auf eine Paartherapie geeinigt, die zwar zeitweilig Erfolg hatte, aber schon damals sah sie nicht ein, keinen Kontakt mehr mit Ihm zu haben, wenn wir weiter zusammen bleiben wollten. Ich konnte aber schließlich nichts dagegen tun. Ich liebte und liebe sie ja immer noch, bis es schmerzt, und das tut es. Wir näherten uns wieder etwas an, sie lebte wieder mit mir und unserem Kind, bis vor 3 Tagen.

Ich hatte seit einiger Zeit wieder ein seltsames Gefühl, sie erhielt laufend SMS, ging zum Telefonieren meist raus, mailte zig mal am Tag und ging noch spät abends an den Rechner um mails zu lesen. Ich schaute dann, von Zweifeln getrieben, ihr Handy durch und BINGO. Eindeitige SMS vom andren, Berichte über Treffen an ihre `Freunde und Freundinnen`, auch teils Ex-Patienten. Schock, was tun. Zunächst habe ich 2 Monate gar nichts getan, wir hatten weiterhin normalen Sex, naja. Dann dachte ich, schau mal ihre mails an, hatte zwar ein schrecklich schlechtes Gewissen dabei, aber ich wollte mehr wissen, leider. Dann kam noch heraus, dass sie mit einem zweiten Mann ziemlich versauten mail-Kontakt hat, diesen auch trifft. Sie beschreibt ihr Verlangen nach außerehelichem Sex und lässt von ihm Nacktbilder schicken. Eine Woche zuvor hat sie sich mit diesem Typ in einer Kneipe sehr angeregt unterhalten und ich sah schon genau, dass er sie anbaggert und sie drauf reagiert. Was hab ich getan. Nix, dachte, sei nicht so spießig, wir unterhalten uns nur, lernen andrere Leute kennen, alles relaxt. Das beste ist ja, dass unser Sex in den letzten 6 Wochen so super war wie noch nie, sie wollte ständig und überall, erzählte, wie klasse das sei usw.
Jedenfalls hielt ich es letzte Woche Donnerstag nicht mehr aus und habe ihr per SMS mitgeteilt, ich wisse von jemand andrem über ihre Treffen mit den besagten Namen. Reaktion: "Was hast du getan?" Woher ich sowas wisse, wer will sie da in die Pfanne hauen?
Ich merkte, dass wenn ich nun zugab ihre persönlichen mails auszuspionieren, obwohl sie so blöd war, ihr Passwort zu speichern, alles aus sei.

Jetzt hab ich angefangen die Lügengeschichte auszubauen, ein Bekannter habe für mich ihr Passwort gehackt und mich dann unterrichtet.
Reaktion: zunächst zugegeben, dass der mailKontakt eindeutig war, die Treffen harmlos, kein Sex. Nagut, ich bin nicht nachtragend, und im übrigen hätte sie ihr Verlangen nach 2 Männern beim Sex nur äußern brauchen, ich bin da sehr offen, solange ich dabei bin, ist das für mich kein Betrug, sondern kann anregend sein. Diese Idee fand sie zwar aufregend, hat aber nicht reagiert.
Einen Tag später eröffnet sie mir, dass sie so sehr von meinem Verhalten, Vertrauensbruch schockiert sei, wenn Kind, Haus, und meine derzeitige gesundheitliche Situation (Bizepsabriß, Gips) nicht wären... sie würde sie eine zeitweilige Trennung brauchen, bla
Ich sagte daraufhin dass ich ab dem nächsten Tag zu meinen Eltern ziehe, da ich noch eine Weile arbeitsunfähig bin.

Wir sind nicht im Streit auseinander, wenn ich meinen Sohn sehen will, der meint der Papa sei wegen der Versorgung mit Gipsarm bei den Großeltern, können wir uns in Arm nehmen. Sie sagt, diese Trennung könne eine Chance für uns sein. Ich habe Angst, dass sie merkt, ohne mich genausogut, wenn nicht besser zu leben.
Ich dagegen leide wie ein Hund, Freunde habe ich keine, hat sich im Lauf der Jahre so ergeben, sie war mein bester Freund. Ich ersticke fast.
Was will ich jetzt eigentlich von dir, keine Ahnung, aber wenigstens war ich jetzt mal ne halbe Stunde ohne Heulen beschäftigt.

ISt das nicht unglaublich schwer jeden Tag den Seelenmüll von andren zu bearbeiten? Ich würd mich trotzdem riesig auf eine mail freuen. Mist, ich heul doch schon wieder.
Gruß Sascha




Lieber Sascha,

bin erst heut dazu gekommen, in den Berg an Mails reinzuschauen, unter denen auch deine war.
Ich hoffe, du hast dir mittlerweile nichts angetan und hast auch den schlimmsten Schmerz hinter dir - ich meine den, der einen zu Boden wirft, wie ein Messer in den Eingeweiden wütet, den Hals zuschnürt, auf der Brust lastet wie ein Grabstein... Natürlich ist immer noch viel Schmerz da, aber er sollte von Tag zu Tag weniger grimmig sein.

ich beantworte erst mal die leichteste Frage.
"Ist das nicht unglaublich schwer, jeden Tag den Seelenmüll von andren zu bearbeiten?"
Ich betrachte es niemals als "Müll", im Gegenteil, es ehrt mich, dass so viele Menschen sich mir anvertrauen, mir teils Dinge erzählen, die sie sonst niemandem erzählen. Und ich finde es schön, wenn ich helfen kann - oder ein bisschen Licht in Fragen bringen kann.
Das einzige, was mich stört, ist, dass diese Arbeit mich unheimlich viel Zeit kostet, die mir dann von der Zeit abgeht, die ich für die Arbeit zu meinem Lebensunterhalt brauche. Das ist ein ewiges Dilemma für mich...

Nun nochmal zu dir.
Du schreibst: "Ich leide wie ein Hund, Freunde habe ich keine, hat sich im Lauf der Jahre so ergeben, sie war mein bester Freund. Ich ersticke fast."
Ich bitte dich, während du dies liest, dich zurückzulehnen und ein paarmal tief durchzuatmen.
Sascha: Ruhig Blut! Du wirst überleben, egal was passiert! Und: Noch ist nicht alles verloren!
Als erstes, das Erstickungsgefühl kommt zum Teil auch daher, dass dein Schmerz und deine Sorgen zu wenig rauskönnen. Auch wenn es für dich schwer ist: du musst dich anderen anvertrauen, mit ihnen darüber reden, was geschehen ist! Über alles! Ohne Zensur. Was ist mit deinen Eltern?

Zweitens, es ist ein großer Fehler, im Lauf einer Beziehung Freundschaften zu vernachlässigen. Denn wenn diese zerbricht, zieht es einem um so mehr den Boden unter den Füßen weg. Klar, denn du hast kein Netz, was dich auffängt.
Auch während einer Beziehung braucht man Freunde. Zum Beispiel um mit ihnen Beziehungsprobleme zu besprechen. Damit sie es grade rücken können: zum Beispiel ob DU Mist gebaut hast, oder deine Frau.
Wenn du Freunde hättest, wären sie über den Verlauf der Geschichte jetzt genauso verwundert wie ich. Sie würden sagen: "Sag mal Sascha, läuft deine Frau nicht rund? Was ist denn mit DER los??? Hör mal, SIE baut hier Scheiße, nicht du."

Du lässt dir jetzt dauernd den schwarzen Peter zuschieben. Sie betrügt und belügt dich und dreht dir dann auch noch nen Strick draus, dass du "Vertrauensbruch" begangen hättest. BITTE??? ich meine, WER hat hier echten Vertrauensbruch begangen und den anderen mehrfach durch sein Verhalten schockiert??
Wo bleibt dein Realismus, deine Selbstliebe, deine Selbstachtung?
Deine Verlustangst, dein Kummer, deine Angst vorm Alleinsein sind derzeit so groß, dass du offenbar nicht mehr klar siehst, was sie hier abzieht.
Überleg mal, was wäre, wenn DU statt ihrer die psychischen Probleme entwickelt hättest. Du gehst in ne Klinik, kommst irgendwie auf den Trichter, dass deine Partnerin an allem schuld ist, und fängst an, mit allen möglichen Frauen rumzumachen. Würde deine Frau dann auch so zu Kreuze kriechen wie du jetzt?

Okay, aber du willst sie ja zurückkriegen. Dazu brauchst du jemand, der einen klaren Kopf hat und eure Beziehungs-Geschichte analysiert und dann Lösungsstrategien entwickelt. Vermutlich hast du im Lauf der Beziehung auch einigen Mist gebaut - hier müsste man ebenfalls ansetzen. Damit du Änderungen einleitest, die bewirken, dass deine Frau sieht: aha, die Gefahr ist nicht mehr so groß, dass das Gleiche passiert wie früher, also kann ich jetzt eher zu ihm zurückgehen.
Suche einen guten Paarberater oder einen Coach, irgendwen, der einen scharfen Verstand und psychologische Kenntnisse hat.

Was noch? Versuche, dich nicht wie ein Ertrinkender an deine Frau zu klammern. Du bist stark und klug genug, um ein Weilchen auch ohne sie klarzukommen. Je mehr Abstand du hältst, desto eher kann sie dich vermissen und wieder wertschätzen lernen. Bitte fang schon morgen damit an, einen Freundeskreis aufzubauen. Es macht auch nichts, dass du aus einer Art Notlage heraus auf die Leute zugehst. Fast jeder Mensch hilft gern und fühlt sich gern gebraucht.

Liebe Grüße
Beatrice

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